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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896.
hoch aufzulaufen. Unsere Oelsäcke bewährten sich gut.‘ Am Vormittage des
7. Juni wurde der Wind ganz flau und krimpte wieder, während das Barometer,
das vorher sehr rasch gestiegen war, wieder zu fallen begann. Um 3* 30"p
stand es auf 747,2 mm (unred.), als mit einem heftigen Windstofs wieder Sturm
aus Südwest einsetzte, jedoch bei Weitem nicht so schwer wie der vorige. Da
uns schon eine der Grofsstängepardunen gebrochen war, so blieb uns bei der
hohen See nichts übrig, als wieder vor derselben wegzulaufen; am folgenden
Tage holte der Wind auch noch auf Südost, und so standen wir am Mittag des
9, Juni auf 39° 8‘ S-Br und 50° 32’ O-Lg. Das Barometer hatte jetzt den hohen
Stand von 777 mm erreicht.
Das englische Schiff „Sheila“, von Liverpool nach Kalkutta, welches wir
am 11. Juni sprachen, hatte in 40° S-Br den Sturm auch sehr schwer gehabt.
Auf das stürmische Wetter folgten zunächst veränderliche westliche Winde bei
hohem Barometerstand und dann ein beständiger Nordwind, ‚der gleichfalls von
anhaltend hohem Luftdruck begleitet war, Da er zu schral und steif wehte, konnten
wir die Insel St. Paul nicht anholen, was ich zur Berichtigung meiner verdächtigen
Chronometerlänge gern gethan hätte, ‚Am 18. Juni, dem 21. Tage in östlicher
Länge, erreichten wir den Meridian von 80° Ost in 40,8° S-Br.
Der Nordwind raumte nun etwas auf. Später ging der Wind, nachdem
das Barometer etwas gefallen, auf Südwest und gab, frisch wehend, uns eine
erwünschte Gelegenheit, nach Nordost vorzurücken. Aus dem Südwest entwickelte
sich durch allmähliche Aenderung der Windrichtung ohne Störung der Südost-
passat, dessen Grenze in 27° S-Br und 109,5° O-Lg zu liegen schien, wo ein Luft-
druck von 770 m angetroffen wurde. In den acht Tagen, vom 15. bis zum 23, Juni,
hatten wir 1828 Sm oder durchschnittlich im Etmal 228 Sm zurückgelegt.
Am 3. Juli nachmittags erblickten wir Land, welches ich für die Banco-
Spitze auf der Insel Lombok hielt. Nach unserer Chronometerlänge sollte es
der Tafelberg auf Sumbava sein; ich war aber durch verschiedene Monddistanzen
auf einen Fehler unserer Länge aufmerksam gemacht worden und hatte so östlich
gesteuert, um mir die Route durch die Lombouk-Strafse offen zu halten. Leider
verhinderte uns die dunkle Regenluft, genaue Kenntnifs des Landes zu erhalten,
und wir steuerten deshalb längs der Küste nach der Bali-Stralse. (Wie sich am
nächsten Tage herausstellte, war das zuerst gesichtete Land übrigens Banco-Spitze
gewesen, und war demnach unsere Chronometerlänge um 52’ zu östlich.) Nachts
war es dick vom Regen. Um 6* 30” a sichteten wir Land, welches wir für Tafel-
Huk auf Bali hielten. Als es gegen 9a aufklarte, sahen wir auch die Südost-
spitze von Java; wir hatten also die Bali-Strafse offen und setzten unsern Kurs
auf den Berk Ikan. Um Mittag des 4. Juli standen wir querab von der Spitze
Sloko. Nachts, in Sicht des Feuers von Banjuwangi, war es flau und still. Am
Morgen des 5. Juli trieben wir zurück, weil wir in der Mitte der Strafßse den
Strom noch entgegen hatten, während unter Java schon die Fluth einlief. Im
Segelhandbuch der Seewarte für den Indischen Ocean findet sich die Bemerkung,
dafs man sich stets nahe der Java-Küste halten sollte; dieses kann ich nur als
richtig bestätigen. Mittags waren wir nahe der Tonne von Pakkam-Spitze; es
wehte eine flaue südliche Briese. Wie an den Tonnen auf den Untiefen vor
Banjuwangi zu sehen, lief unter Land um 1*p noch etwas nördlicher Strom,
während er 1 Sm östlich von uns schon nach Süden setzte. Später bekamen
auch wir starken Ebbestrom, und obgleich wir uns ganz dicht unter Java hielten,
wo das Wasser ganz schlicht war, konnten wir mit 4 bis 5 Knoten Fahrt nichts
gewinnen. Um 6"p wurde der Strom schwächer, doch der Wind liefs auch nach,
und ich glaubte schon ankern zu müssen, da wir um 8*p nur eben nördlich von
Banjuwangi gekommen waren; doch da es heller Mondschein war, harrten wir
aus. Um 8" 30” p schien der Strom zu kentern. Ueber Java sowohl wie Bali
standen schwere Gewitter. Wir hatten leichte Mallung, welche indessen, da das
Wasser ganz schlicht und der Wind nie nördlich war, immer gestattete, das
Schiff auf seinem Kurse zu halten. Es war jedoch eine unangenehme Zeit, und
werde ich wohl nicht zum zweiten Male nachts durch die Enge der Strafse gehen.
Wir lotheten meistens 40 bis 50 Faden und waren dann sehr nahe an der Java-
Küste; manchmal konnten wir keinen Grund bekommen. Um 9"p erhielten wir
starken Fluthstrom und auch etwas Südwestwind. Das Feuer von Duiven-Insel
erwies sich als eine gute Leitmarke; bei dem hellen Wetter. konnten wir immer