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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896,
Bemerkungen zur Karte des Hafens von Kap Haytien (Tit.VIl, No. 265).
Aus dem Reisebericht S. M, S. „Stosch“, Kommandant Kapt. z. S. AUGUST THIELE,
(Hierzu Tafel 4.)
Da sowohl der deutsche Konsul und Inspektor der Hamburg-—Amerika-
Linie in St. Thomas als der stellvertretende deutsche Konsul in Kap Haytien
mich gebeten hatten, die Lage der Bojen und Riffe im Hafen von Kap Haytien
Aurch eine Kontrolvermessung zu berichtigen und eine kürzere Vermessung auch
'm Interesse der Ausbildung der Seekadetten erwünscht war, so habe ich während
der Anwesenheit S. M. S. „Stosch“ eine theilweise Vermessung des Hafens durch
den Navigationsoffizier Kapt,-Lieut. Stechow unter Heranziehung der Seekadetten
ausführen lassen. Die Ergebnisse derselben sind in der Tafel 4 und in den
Bemerkungen dazu enthalten. Unsere Vermessung hat sich aus Mangel an Zeit
nur auf die in Tafel 4 eingetragenen Punkte erstreckt; eine Prüfung der Lage
der nicht eingetragenen Peilobjekte an Land etc. hat nicht stattgefunden. Da
infolge der unrichtigen Lage der Bojen erst vor Kurzem ein französisches Segel-
schiff im Hafen gestofsen hat, so dafs es für seeuntüchtig erklärt werden mufste,
3o habe ich dem hiesigen stellvertretenden deutschen Konsul und Agenten der
Hamburg---Amerika-Linie eine Kopie der Karte zur Benutzung für die deutschen
Dampfer gegeben und ihn gebeten, dieselbe auch den hiesigen Hafenbehörden
mitzutheilen.
Objekte zur Winkelmessung. Bei der Durchsicht der Karte wurden
folgende Objekte zur Winkelmessung verwendet und als richtig in die Karte
eingezeichnet angenommen: 1. Picolet Point; 2. Fort St. Joseph; 3. Obelisk an
der Ladebrücke; 4. Kathedrale; 5. Fort Vilton.
Bojen. Eine Ansteuerungsboje liegt nicht aus. Die in der Karte
Tit. VII, No. 265, verzeichneten Bojen stimmen fast alle in Bezug auf Lage und
Aussehen nicht mit der Wirklichkeit überein. Die Bojen sind sämmtlich ihres
Anstriches sowie auch theilweise ihrer Toppzeichen verlustig gegangen und durch
Rost sehr mitgenommen.
Grand Mouton. Die Grand Mouton-Nordboje (siehe Randzeichnung der
Tafel) liegt ungefähr richtig. Das Riff springt jedoch südwestlich von der Boje
mit einer 4m- und 6 m-Stelle etwas gegen Land vor. In der alten Karte ist
dieses Hervorspringen nicht genügend deutlich zu erkennen.
Die Südostboje, eine kleine spitze röthliche Tonne, ist in ganz falscher
Lage auf der Karte angegeben. Ein zu dichtes Passiren dieser Boje bei der
Einfahrt würde auf die südöstlich von Grand Mouton liegende Untiefe führen.
Nach der alten Karte soll diese Boje östlich von dieser Untiefe liegen, was nicht
der Fall ist.
Trompeuse. Die Trompeuse-Boje (siehe Randzeichnung der Tafel) liegt
ziemlich richtig, nordwärts von der Untiefe.
Landriff-Boje. Das südlich vom Fort St. Joseph von Land aus vor-
springende Riff. Zwar richtig nach der alten Karte, was ihre Lage anbetrifft,
ist die hier liegende, sich durch ihr eigenthümliches Toppzeichen (siehe Tafel)
anterscheidende Boje eingezeichnet, jedoch dehnt sich das Riff weiter östlich, ja
sogar bis über die Boje hinaus, aus. Die Boje liegt auf 2m Wasser. Etwas
südlich von der Boje springt das Riff noch ungefähr 20m vor.. Man gehe daher
nicht zu dicht an die Boje heran.
Ladebrücke. Die südlich von der Ladebrücke liegende spitze schwarze
Tonne liegt auf 5'/m Wasser. Die Richtung der Ladebrücke ist in der alten
Karte falsch angegeben.
Die westliche Einfahrt erscheint sicherer und auch leichter zu passiren.
Nachdem man die Picolet-Spitze passirt hat, etwa auf 150m, halte man etwas
in die Bucht zwischen Picolet-Spitze und Fort St. Joseph hinein, um die süd-
westlich von der Grand Mouton-Nordboje liegende Untiefe zu vermeiden, Man
nähere sich daher besser der Seite der St. Joseph-Batterie als dem Grand Mouton.
Nach Passiren der St. Joseph-Batterie nehme man die auf dem Landriff liegende
Boje mit dem eigenthümlichen Toppzeichen etwas an St. B. und passire die Boje