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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Albrecht von Stosch. 
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durch den Chef der Admiralität stets günstig und ermuthigend erledigt, und darf 
wohl auf jene Zeit die Einlenkung unserer Reichsregierung in die Bahnen der 
Kolonial-Unternehmungen zurückgeführt werden. In der Segelordre für S, M. 
Kriegsschiffe, insonderheit für S.M, S. „Gazelle“, wurde Bedacht darauf genommen, 
dafs die deutsche Flagge an den Ufern des Kongo gezeigt und dadurch den 
Unternehmungen der Reichsschutz gewährleistet wurde. 
Unterdessen war in der Heimath dafür Sorge getragen worden, dafs die 
Chronometrie gehoben werden konnte. Chronometer-Institute in Kiel (in Verbindung 
mit der Königlichen Sternwarte) und in Wilhelmshaven, wo ein Observatorium’ ge- 
gründet und erbaut worden war (1874— 75), entfalteten eine segensreiche, zu- 
nächst nur der Kriegsmarine zu Nutzen und Frommen gereichende Thätigkeit, 
welche aber ihre Rückwirkung auch auf die Pflege dieses wichtigen Zweiges der 
praktischen Navigation innerhalb der. Handelsmarine äufsern mulste. 
Hier ist es zum Verständnisse der Verhältnisse und der Schwierigkeiten, 
welche zu überwinden waren, von Bedeutung, die nachfolgende Erklärung ein- 
zufügen. Gleich nach dem deutsch - französischen Kriege trat in Bezug auf die 
für die im Obigen geschilderten Arbeiten und Bestrebungen erforderlichen 
Instrumente und Apparate ein sehr erheblicher Mangel ein. Die Präcisions- 
Mechanik war durch mehrere - aufeinanderfolgende Todesfälle hervorragender 
Mechaniker in unserem Vaterlande und besonders in Berlin ins Stocken gerathen; 
namentlich waren es die Firmen Pistor und Martins sowie für meteorologische 
Instrumente F. Greiner jun.; welche nicht ferner in der Lage sich befanden, den 
Bedürfnissen zu genügen. Es gab dieser Umstand dem Generalfeldmarschall Graf 
Moltke als Chef des Grofsen Generalstabes, dem die Landestriangulation Preufsens 
und. das Topographische Bureau unterstellt waren, die Veranlassung zur Berufung 
einer Kommission zur Hebung der Präecisions-Mecharik in Deutschland; es war 
dies 1873. Für die Kaiserliche Marine war die eingeleitete Bewegung von ganz beson- 
derer Bedeutung wegen der nunmehr vorzunehmenden Küstenvermessungen und. so- 
dann auch wegen der für die Navigirung und das Manöver der nun in der Zahl bedeutend 
gesteigerten Kriegsschiffe unentbehrlichen Kompasse bester Konstruktion. Excellenz 
von Stosch trat im Einklang damit, das Kritische der Lage erkennend, mit seinem 
ganzen Einflusse und den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln für die Schaffung 
tüchtiger, leistungsfähiger mechanischer Werkstätten ein, Von welcher Bedeutung 
das in jener Epoche war, vermag man nur zu erkennen, wenn man bedenkt, 
welche grofßse wissenschaftliche Aufgaben an die Kaiserliche Marine herantraten: 
Die Organisation der wissenschaftlichen Arbeit innerhalb der Marine, die Er- 
richtung von Chronometer - Observatorien in Wilhelmshaven und Kiel, die ver- 
schiedenen Expeditionen zur Unterstützung der Beobachtungs-Expeditionen für den 
Vorübergang der Venus vor der Sonnenscheibe, die Expedition der Korvette 
„Gazelle“ für Tiefseeforschung und magnetisch - meteorologische Beobachtungen, 
von welchen Unternehmen ein jedes einzelne die ganze Kraft und Leistungsfähig- 
keit von mechanischen Werkstätten in Anspruch genommen haben könnte. Durch 
das rastlose Streben von Excellenz von Stosch, durch die Sorgfalt, welche er 
jedem einzelnen der genannten Unternehmen widmete, wurde es möglich, den 
Anforderungen zu genügen und der Kaiserlichen Marine eine bleibende Stelle in 
der Reihe der zur gemeinsamen Arbeit zusammen wirkenden Marinen auch anderer 
Nationen zu sichern. 
Wir haben hier insonderheit hervorzuheben, wie in den Jahren 1872 bis 
1876 das Kompafswesen und die Lehre von dem Verhalten der Kompasse an 
Bord der eisernen Kriegs- und Panzerschiffe gefördert worden ist, und zwar in 
einer Weise, die sich in der Folge auch für die Pflege dieses wichtigen Zweiges 
der praktischen Navigation innerhalb. der Handelsmarine von hoher Bedeutung 
erwies. . . 
Ueberallhin wirkten die klare Einsicht, der ernste Wille und die. That- 
kraft des einstigen Chefs und Begründers der deutschen Kriegsmarine‘ auch in 
wissenschaftlicher Hinsicht ‚segensreich. In einem zweiten‘ Artikel werden‘ wir 
das werkthätige Interesse an der Entwickelung auch der deutschen Handelsmarine 
und. die Schöpfung der Deutschen Seewarte beleuchten und in einigen zu- 
sammenfassenden Bemerkungen das Wirken dieses aufserordentlichen Mannes auf 
dem maritimen Gebiete zu. charakterisiren versuchen. 
zn Bad Pla A er
	        
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