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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

242 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896. 
des Vorüberganges der Venus vor der Sonnenscheibe ausgesandten Expeditionen 
zu unterstützen und in mancher Hinsicht in ihrer Wirksamkeit zu ergänzen. Es 
sind die Berichte über diese Unternehmungen längst erschienen, bei welcher 
Gelegenheit stets und von allen Seiten der grofsen Verdienste gedacht wurde, 
welche sich die Marine um das Gelingen derselben erworben hat. Wer mit der 
Geschichte der Betheiligung deutscher Kriegsschiffe an den wissenschaftlichen 
Unternehmungen in der ersten Hälfte der siebziger Jahre vertraut ist, wird nicht 
umhin können, in der hohen Einsicht des Chefs der Admiralität die treibende 
Kraft zu erkennen, Seinem klaren Geiste stellte sich für die Entwickelung 
unserer maritimen Kräfte als eine der ersten Bedingungen die Pflege eines 
yediegenen wissenschaftlichen Sinnes in dem Offizierkorps dar; er erkannte, dafs 
in keiner Weise dieser Sinn wirksamer gepflegt werden könne als durch Unter- 
nehmungen, wie jene es waren, von welchen wir oben gesprochen haben, wo- 
durch es ihm gelingen konnte, nach zwei Seiten hin segensreich zu wirken: Die 
Ausbildung des Offizierkorps zu wissenschaftlichen Arbeiten und die Förderung 
wissenschaftlicher Unternehmungen, zu welcher — der Natur der Sache nach — 
eine Staatsmarine vor Allem berufen sein mufs. 
Bezeichnend für die einsichtsvolle Leitung aller hierher gehörigen 
Bestrebungen ist der Umstand, dafs in erster Linie daran gegangen wurde, für 
die verschiedenen Zweige der wissenschaftlichen Arbeit Anweisungen, Anleitungen 
and Instruktionen zu entwerfen. Dabei wurde nicht einseitig vorgegangen; alle 
Arbeitsgebiete, die einen mehr oder minder tief eingreifenden Einfluls zu äufsern 
vermochten, mehr oder minder eng verbunden waren mit den Zwecken der 
Kaiserlichen Marine, fanden damals eine gleich gediegene Beachtung, und in 
zeschriebenen, autographirten und gedruckten Anleitungen wurde rastlos gestrebt, 
len dabei zu Grunde liegenden Gedanken zu fördern und die wissenschaftliche 
Forschung in die richtigen Wege zu leiten. So wurden schon gleich im Herbst 
1872 für das damals nach Westindien entsandte Geschwader die Anleitungen zur 
Vornahme von Aufnahmen in gröfserem Stile auf hoher See und an den Küsten 
erlassen, und so wurde 8. M. S. „Albatrofs“ zur selbigen Zeit mit wissenschaft- 
lichen Instrumenten und Apparaten ausgerüstet, um unter Leitung eines begabten, 
besonders dafür gebildeten Kommandanten hydrographische Arbeiten an der Küste 
des Südatlantischen Oceans vornehmen zu können. 
Es war bezeichnend für die organisatorische Thätigkeit auf wissenschaft- 
lichen Gebieten des einstigen Chefs der Admiralität, dafs, sobald eine bestimmte 
Arbeit in Angriff genommen wurde, auch Sorge dafür zu tragen war, dafs die- 
selbe durch gründliche Anleitung (Instruktion) in feste Bahnen gelenkt wurde, 
So war es denn auch eins seiner gröfsten Verdienste, dafs er es möglich machte, 
dafs die Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen, herausgegeben 
„wit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kaiserlichen Marine“ von 
einer Anzahl hervorragender Gelehrten des In- und Auslandes, überhaupt erscheinen 
konnte.) Die Verbreitung dieses in grofser Auflage erschienenen Werkes inner- 
halb der Kaiserlichen Marine trug nicht wenig dazu bei, dafs die damals der- 
selben zufallenden Aufgaben, als welche wir nur die Betheiligung an den Be- 
strebungen zu gediegenen Beobachtungen des Vorüberganges der Venus vor der 
Sonnenscheibe und die Expedition S. M.S. „Gazelle“ unter Freiherrn vonSchleinitz, 
damals Kapitän zur See, hervorheben wollen, in würdiger, die Sache fördernder 
Weise gelöst werden konnten. 
Wir können bei dieser Gelegenheit auch erwähnen, dafs von Stosch, 
unermüdlich in seinen zur Forschung anregenden Bestrebungen, eine Instruktion 
zur Anstellung eihnographischer und anthropologischer Beobachtungen erliefs, 
welche, entworfen von den leitenden Fachmännern in Berlin, unter welchen wir 
nur Bastian und Virchow nennen, den Aerzten der Marine mitgegeben und 
zur Beachtung empfohlen worden ist. Gerade dieser Forschungszweig war um 
jene Zeit von ganz besonderer Bedeutung, da durch die rastlose Thätigkeit 
Bastians die Afrikaforschung auf die Tagesordnung gebracht worden war (1873). 
Die Gesuche der leitenden Männer jener Bestrebungen um Unterstützung wurden 
*) „Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen, Mit besonderer Rücksicht 
auf die Bedürfnisse der Kaiserlichen Marine“, herausgegeben von Dr. G. Neumayer (1875). In 
zweiter Auflage erschienen 1888,
	        
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