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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Ann. d. Hydr. etc., XXIV. Jahrg. (1896), Heft VI. 
41 
X 
De 
Albrecht von Stosch, 
als Organisator der wissenschaftlichen Arbeit in der Kriegs- und Handelsmarine 
des Reiches. 
1. 
Am Nachmittage des 4. März d. J. wurden auf dem Friedhofe der kleinen 
Landgemeinde Mittelheim in der Nähe von: Oestrich im. Rheingau die sterblichen 
Ueberreste Sr. Excellenz. des Herrn Generals der Infanterie und Admirals Albrecht 
von Stosch zur letzten Ruhe gebettet. Es war dies der Schlufsakt eines reichen 
wechselvollen Lebens, wodurch ein Rückblick auf dasselbe nach manchen Seiten 
hin lohnend, um nicht zu sagen eine Pflicht der Zurückbleibenden wird. Ist 
doch auch schon von berufener Seite dem Verstorbenen ein Nachruf gewidmet, 
und haben doch auch die politischen Blätter aller Schattirungen nicht unterlassen, 
die grofsen Verdienste des Herrn von Stosch, die er seinem Vaterlande in 
schweren Zeiten geleistet, rühmend hervorzuheben. Wir haben — hätten wir es 
nicht schon gewußt — erfahren, wie in den verschiedensten Lebensstellungen 
von Stosch seine hohen Talente zum Heile des Vaterlandes zur Geltung 
brachte, und dadurch die Ueberzeugung gewonnen, dafs sein Name unvergänglich 
in unserer vaterländischen Geschichte fortleben wird, weil er in Zeiten der 
höchsten Gefahr im Kriege gleichwie im Frieden organisatorisch-schöpferisch 
voll und ganz auf dem Platze war und mit dem seinem Wesen eigenen Muthe 
für die Entscheidung in kritischer Lage eingetreten ist. Das Alles wird mit dem 
Fortschreiten der Geschichtschreibung der jüngst vergangenen grofsen Epoche 
mehr und mehr zu Tage gefördert und in klares Licht gesetzt. werden. ns 
Es ist nicht die Aufgabe dieser Blätter, auf alles das einzugehen, was sich 
in den Kriegen 1864 bis 1870 Rühmenswürdiges von General von Stosch sagen 
läßt. Auch ist es nicht unsere Aufgabe, von den hohen Verdiensten zu sprechen, 
welche sich der Heimgegangene um die Entwickelung der deutschen Macht- 
stellung zur See als Chef der Kaiserlichen Admiralität erworben ‚hat. Viel- 
mehr ist es nur unsere Pflicht, der segensreichen Wirksamkeit zu gedenken, 
welche der einstige Chef der Admiralıtät der Pflege der Wissenschaft inner- 
halb der Kaiserlichen Marine während seiner elfjährigen Amtsführung widmete. 
Aber auch die Wissenschaft. im Allgemeinen hat allen Grund, dankbarst. sich der 
Fürsorge, welche er ihr angedeihen lief, zu erinnern. Wir werden im Nach- 
folgenden uns bemühen, in Kürze die verschiedenen Mafsnahmen, welche in der 
bezeichneten Richtung wirksam zu sein berufen waren, aufzuführen, wobei es 
wichtig ist, den inneren Zusammenhang derselben erkennen zu lassen, weil erst 
dadurch die Bedeutung des Generals von Stosch für die Förderung wissenschaft- 
licher ‚Forschung im Deutschen Reiche zu erkennen ist. 
{ Kaum hatte von Stosch die Leitung. der Marine-Angelegenheiten des 
Deutschen Reiches in die Hände genommen, als er auch schon bedacht darauf war, 
die nach althergebrachter Tradition und Erfahrung zur Pflege und Ueberwachung 
der wissenschaftlichen Arbeit erforderlichen Einrichtungen zu treffen. So wurde 
das hydrographische Bureau, das in schwachen Anfängen vorhanden war, in 
zweckentsprechender Weise organisirt und tüchtige Kräfte herangezogen, welche 
im. Stande waren, unmittelbar in die demselben zugetheilten vielgestalteten 
Arbeiten einzutreten. Auf diesem Wege war es möglich, das jung aufblühende 
Institut schon nach kurzer Zeit auf die Inangriffnahme größerer Arbeiten, als 
welche wir die Vermessung der deutschen Küsten und deren Mappirung, die 
Errichtung des Observatoriums in Wilhelmshaven, die Reorganisation der meteoro- 
logisch-bhydrographischen Forschung erkennen, vorzubereiten. Ja, nur so ist es 
möglich geworden, dafs nach kaum zwei Jahren der Thätigkeit des Chefs der 
Admiralität die Kaiserlich deutsche Marine sich an den oceanischen Forschungen 
durch Entsendung S. M. S. „Gazelle“ betheiligen konnte und in. der Lage ‚war, 
die verschiedenen im Jahre 1874 seitens des Deutschen Reiches zur Beobachtung 
Ann. d. Hydr. ote., 1896, Heft VI,
	        
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