236 Annalen der Hydrographie und‘ Maritimen Meteorologie, Mai 1896.
Ausführung einer Schleife nach Westen mit nördlichem Kurs wieder auf Lorient
zugesteuert.
Der Plan, den wir uns vorgezeichnetß hatten, umfalßte zoologische Unter-
suchungen an drei Gruppen von Stationen: 1. Schleppzüge in verhältnilsmäfsig
geringen Tiefen, zwischen 300 und 600m, die den Uebergang der Uferthierwelt
zu den Tiefenthieren bilden; 2. Untersuchung des Korallengrundes beim Steil-
abfall, parallel der französischen Küste; 3. Schleppzüge im Inneren der Bucht
von Biskaya in den schlammbedeckten Tiefen, die hier eine viel sanftere Ab-
dachung zeigen als auf der Höhe der Küste der Vendee und der Bretagne, wo
die Tiefen sehr viel schneller abstürzen. Dieser Plan konnte vollständig aus-
geführt werden. Trotz der kurzen Spanne Zeit zu unserer Verfügung haben wir
doch nicht weniger als 20 Mal erfolgreich das Schleppnetz benutzt und 32 Tief-
Jothungen ausgeführt. Das Wetter war glücklicherweise aufserordentlich schön,
and die Sammlungen an den verschiedenen Stationen sind reich ausgefallen. Da
sie bis jetzt nur sehr oberflächlich untersucht worden sind, kann ich augen-
blieklich über ihren Werth in zoologischer Hinsicht noch keine Angaben machen,
Ich werde die Akademie bitten, später darauf zurückkommen zu dürfen. Heute
war meine Aufgabe nur, zu zeigen, dafs Tiefsee-Schleppzüge mit sehr beschränkten
Hülfsmitteln möglich sind, wenn man die von uns eben ausgeführte Reise als
Vorbild nimmt, die ihre Ausführung nur dem Vorgehen von Privatpersonen ver-
dankt. Es ist vielleicht nicht überflüssig, hinzuzufügen, dafs sich der gröfste
Theil der zur Beschaffung der Apparate nothwendigen Mittel in einer Provinzial-
stadt finden läfst, wenn man sich an hochherzige Privatpersonen und Gesell-
schaften wendet, die sich für den Fortschritt der Wissenschaft interessiren. *)
Ich beehre mich, dem Herrn Marine-Minister meinen Dank abzustatten,
der uns ein Regierungsfahrzeug zur Verfügung gestellt hat, das uns erlaubte, die
grofßsen Tiefen zu erreichen, dem Herrn Liard, Direktor des höheren Bildungs-
wesens, in dem ich die wohlwollendste Stütze gefunden habe, und dem See-
präfekten von Lorient, der alle Erleichterungen zur Aufstellung der Apparate
an Bord des „Caudan“ gewährt hat. Wir haben es dieser vorzüglichen KEin-
richtung an Bord und der hingebenden Unterstützung des Kapitän-Lieutenants
de Kergrohnen, Kommandanten des „Caudan“, zu danken, wenn unsere Kreuz-
fahrt mit Erfolg gekrönt worden ist.
Bemerk. d. Red. Mittlerweile sind noch erschienen: Eine Notiz über die
geologische Ausbeute der Fahrt in „Comptes rendus“ 1896, I, Seite 753, über
Öceanographie Seite 755; ein ausführlicher Reisebericht des Kommandanten mit
einer Karte, Zeichnungen und genauer Beschreibung der Loth- und Schleppnetz-
Einrichtungen in der „Revue maritime et coloniale“ 1896, Seite 448, unter
„Mission scientifique du »Caudan«“
Notizen.
Ueber die leuchtenden Nachtwolken theilt Herr O0. Jesse in, den
„Astron. Nachr.“ 1896, 3347, Seite 160, einige vorläufige Ergebnisse mit. Aus gleich-
zeitigen photographischen Aufnahmen an vier Orten in und bei Berlin während
der Jahre 1889 bis 1891 ergiebt sich als mittlere Höhe 82 km. Sie ist seit dem
Beginn der Erscheinung in 1885 sehr nahe dieselbe geblieben. Die früheste
Beobachtung fiel auf den 22. Juni, die späteste auf den 31. Juli. Fast alle
Messungen gelten für die Zeit nach Mitternacht. Da nur die in einem Abstand
von wenigstens 10 km von der Erdoberfläche bleibenden Sonnenstrahlen im Stande
sind, die leuchtenden Nachtwolken sichtbar zu machen, so haben Wolken innerhalb
10 km, d. h. die meisten unteren Wolken, fast keinen Einflufs auf den Zenith-
abstand der leuchtenden Wolken. Aus Beobachtungen in Kissingen, 50° 5‘ N-Br,
und Sunderland, 54° 24‘ N-Br, scheint ferner hervorzugehen, dafs die Höhe unab-
hängig von der geographischen Breite ist.
Wann und wo die leuchtenden Nachtwolken zu sehen und zu suchen sind,
was und wie zu beobachten ist, findet man in diesen Annalen 1889, Seite 220,
1) Ich nenne besonders den Generalrath der Rhone, die Gesellschaft der Freunde’ der
Universität, Herrn Dr. Lortet, Direktor des naturhistorischen Museums in Lyon, und die Herren
Gebrüder Lumiere, die mich durch ihre Beiträge unterstützt haben.