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Jahresbericht Nr.7/195
und die Hochwasserlinie um etwa 600 m nach Norden verlagert.
Von- den anderen Fahrzeugen wurden die Außen- und Innen-Jade, Norder
und Süder-Piep, das Hörnum-Tief und die Westküste von Sylt mit dem Idster
Tief vermessen, In der Ostsee konnten die Geltinger Bucht,- die Eckernfö'r-
der Bucht einschließlich des Hafens, der Stollergrund und der innere Teil
des Kieler Hafens neu bearbeitet werden. Das Gebiet der Amrumbank wurde
erstmalig in Form einer Hochseevermessung unter Benutzung der dänischen
Decca-Kette bearbeitet. Dieser Versuch lieferte wichtiges Material zur Be
urteilung der Genauigkeit des Decca-Systems. In seiner Eigenschaft als For
schungsschiff führte "Gauss" drei Fahrten durch, von denen eine in die süd
westliche Nordsee, eine weitere in die mittlere Nordsee und die dritte -
zur Erprobung seismischer Methoden - in die Eckernförder Bucht ging.
Die wichtigste Arbeit der Wracksuchboote erfolgte in der westlichen
Ostsee im Zusammenhang mit den Vorarbeiten zu dem neuen Zwangsweg 1 von
Kiel-Feuerschiff bis Fehmarn-Feuerschiff. Insgesamt konnten im abgelaufe
nen Jahr 35 Wrackpositionen neu bestimmt werden.
Wie schon erwähnt, war das Forschungsschiff "¡Gauss" auch in beschränk
tem Umfange zu meereskundlichen Arbeiten in Verbindung mit fischereibiolo
gischen Fragen in der südwestlichen Nordsee und in der Umgehung des Fladen
grund tätig. Es wurden der hydrographische Aufbau sowie die Verteilung und
Vermischung der Wassermassen verschiedener Herkunft im Hinblick auf die Ver
teilung und den Verbleib der pelagischen Schollenbrut untersucht, während in
der mittleren Nordsee die thermische SprungBohicht, insbesondere ihre Nord-
Süd-Ausdehnung und zeitliche Änderung, verfolgt wurden.
Weiterhin wurden meereskundliche Beiträge zu Seehandbüchern sowie Be
richte und Auskünfte für praktische Zwecke geliefert. Der Eisdienst erfreu
te sich eines regen Zuspruchs. In Zusammenarbeit zwischen der meereskund
lichen und der Gezeitenabteilung wurden Untersuchungen über den Windstau und
Triftstrom angestellt, sowie die Bearbeitung des Gezeitenstromatlas der Nord
see, der am Jahresende bis zur Druckreife gefördert war, abgeschlossen^'.
Der Jahrgang 1953 der "Gezeitentafeln" erschien erstmalig seit 1945 wie
der in zwei Bänden, I: Europäische Gewässer, II: Atlantische, Gewässer. Der
zweite Band soll in den kommenden Jahren je nach Bedarf auf weitere übersee
ische Gebiete ausgedehnt werden. Anregungen aus der Schiffahrt sind willkom
men.
Die unterschiedliche Abhängigkeit der gezeitenbedingten Wasserstände
entlang der deutschen Nordseeküste von den meteorologischen Gegebenheiten
wurde eingehend untersucht. Die Ergebnisse gestatten eine Verbesserung der
täglichen Wasserstandsvorhersagen und der Sturmflutwarnungen für die deut
sche Nordseeküste und ihre Flußgebiete. Der Verlauf einer Sturmflut nicht
nur an den Küsten, sondern auch im freien Seegebiet der Deutschen Bucht konn
te an Hand gleichzeitiger Aufzeichnungen auf Küsten- und Hochseepegeln bear
beitet werden und ergab wertvolle Aufschlüsse über die Natur der Sturmfluten.
1) Vgl. S. 25 u. 33