Wislicenus: Photographische- Küstenvermessung.
Photographiren. wird sich das Fadenkreuz als weifses Kreuz. auf der Platte zeigen,
weil es. unmittelbar vor der Platte liegt. Der Kreuzungspunkt ist der Augen-
punkt des Bildes, wenn der Apparat während der Aufnahme gut‘ horizontal war,
denn der Augenpunkt mufs stets im Horizont des Bildes liegen. .
Man kann solche Aufnahme an Bord eines in Fahrt: befindlichen Schiffes
machen, mufs dabei natürlich den Ort der Aufnahme durch eine Kreuzpeilung
oder besser durch Horizontalwinkelmessung dreier Punkte mit zwei Sextanten
genau bestimmen. Schwierigkeit macht bei unruhigem Schiff die Momentaufnahme
in der Horizontalebene; kardanische Aufhängung soll sich nicht bewährt haben
für photographische Apparate; vielleicht wird man mehr mit einer zweckmäfsigen
pendelartigen Aufhängung erreichen können. Bei ziemlich ruhigem, d. h. sehr
langsam rollendem Schiffe wird eine röhrenförmige, über der Kammer angebrachte
Libelle gute Dienste leisten können, um den richtigen Moment zum Oeffnen des
Momentverschlusses treffen zu können, Auf oder in der Nähe der zu bestimmenden
Bank mufs eine Stange von etwa 5 bis 6 m Höhe aufgerichtet sein, deren Fuls-
punkt unter Wasser liegen muß, wie schon gesagt wurde. Kanu man zwei oder
drei solcher Marken. in der Nähe der zu vermessenden Untiefe aufstellen, so ist
es noch besser. Es empfiehlt sich, Stangen zu nehmen, die abwechselnd roth
und weiß, jede Strecke !/s m lang, gestrichen sind. Bei jeder Momentaufnahme
mul mindestens eine der Stangen gepeilt werden.
Gesetzt, es sei eine solche Momentaufnahme gemacht mit horizontal
liegendem Apparate, das Bild enthalte genau die Lage des Augenpunktes und
die Brennweite f des Objektivs sei genau bekannt.
AT N“ 7
Denn
1 — Fl m
Fig. 3,
In dem gewonnenen photographischen Bilde (Fig. 3) sei P der Augenpunkt,
Tl’ der Horizont; AB sel das Bild der Markstange, die neben dem trocken-
gefallenen "Theile der (schraffirten) Bank aufgesteckt worden. Die wirkliche
Höhe der Stange über der Wasserlinie sei H, ihre Bildhöhe h. Da es sich um
die Rekonstruktion der Horizontalebene des Bildes handelt, muß man von P aus
senkrecht zum Horizont den Abstand des Objektivs vom Augenpunkte, also die
Brennweite f= PO abtragen. Zieht man ‚eine Parallele durch B zum Horizont,
die PO in R trifft, so wird auch ohne besondere perspektivische Studien klar
sein, dafs. eine Stange von der wahren Größe H auch in R, überhaupt auf jedem
Bildpunkte der Parallele BR, .die Bildgröfse h haben mufs. Nach dem vorhin an-
geführten Satze erhält man also den wahren Abstand D der ‚Markstange vom
Beobachter aus der Gleichung
OR-H
D = ———
H ist bekannt, OR und h mifst man mit dem‘ Zirkel auf dem Bilde ab und
berechnet daraus D. We
Ann. dA. Hydr. ete., 18906, Heft V.