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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Wislicenus: Photographische- Küstenvermessung. 
Photographiren. wird sich das Fadenkreuz als weifses Kreuz. auf der Platte zeigen, 
weil es. unmittelbar vor der Platte liegt. Der Kreuzungspunkt ist der Augen- 
punkt des Bildes, wenn der Apparat während der Aufnahme gut‘ horizontal war, 
denn der Augenpunkt mufs stets im Horizont des Bildes liegen. . 
Man kann solche Aufnahme an Bord eines in Fahrt: befindlichen Schiffes 
machen, mufs dabei natürlich den Ort der Aufnahme durch eine Kreuzpeilung 
oder besser durch Horizontalwinkelmessung dreier Punkte mit zwei Sextanten 
genau bestimmen. Schwierigkeit macht bei unruhigem Schiff die Momentaufnahme 
in der Horizontalebene; kardanische Aufhängung soll sich nicht bewährt haben 
für photographische Apparate; vielleicht wird man mehr mit einer zweckmäfsigen 
pendelartigen Aufhängung erreichen können. Bei ziemlich ruhigem, d. h. sehr 
langsam rollendem Schiffe wird eine röhrenförmige, über der Kammer angebrachte 
Libelle gute Dienste leisten können, um den richtigen Moment zum Oeffnen des 
Momentverschlusses treffen zu können, Auf oder in der Nähe der zu bestimmenden 
Bank mufs eine Stange von etwa 5 bis 6 m Höhe aufgerichtet sein, deren Fuls- 
punkt unter Wasser liegen muß, wie schon gesagt wurde. Kanu man zwei oder 
drei solcher Marken. in der Nähe der zu vermessenden Untiefe aufstellen, so ist 
es noch besser. Es empfiehlt sich, Stangen zu nehmen, die abwechselnd roth 
und weiß, jede Strecke !/s m lang, gestrichen sind. Bei jeder Momentaufnahme 
mul mindestens eine der Stangen gepeilt werden. 
Gesetzt, es sei eine solche Momentaufnahme gemacht mit horizontal 
liegendem Apparate, das Bild enthalte genau die Lage des Augenpunktes und 
die Brennweite f des Objektivs sei genau bekannt. 
AT N“ 7 
Denn 
1 — Fl m 
Fig. 3, 
In dem gewonnenen photographischen Bilde (Fig. 3) sei P der Augenpunkt, 
Tl’ der Horizont; AB sel das Bild der Markstange, die neben dem trocken- 
gefallenen "Theile der (schraffirten) Bank aufgesteckt worden. Die wirkliche 
Höhe der Stange über der Wasserlinie sei H, ihre Bildhöhe h. Da es sich um 
die Rekonstruktion der Horizontalebene des Bildes handelt, muß man von P aus 
senkrecht zum Horizont den Abstand des Objektivs vom Augenpunkte, also die 
Brennweite f= PO abtragen. Zieht man ‚eine Parallele durch B zum Horizont, 
die PO in R trifft, so wird auch ohne besondere perspektivische Studien klar 
sein, dafs. eine Stange von der wahren Größe H auch in R, überhaupt auf jedem 
Bildpunkte der Parallele BR, .die Bildgröfse h haben mufs. Nach dem vorhin an- 
geführten Satze erhält man also den wahren Abstand D der ‚Markstange vom 
Beobachter aus der Gleichung 
OR-H 
D = ——— 
H ist bekannt, OR und h mifst man mit dem‘ Zirkel auf dem Bilde ab und 
berechnet daraus D. We 
Ann. dA. Hydr. ete., 18906, Heft V.
	        
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