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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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FL 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1896. 
Die Brennweite f einer Linse läfst sich nach der aus der Physik bekannten 
Formel L 1 + a.“ + bh bestimmen: 
; f D‘'‘b DD H ) 
g— Dh _ DD 
h+D x +1 
Man stelle also den photographischen Apparat auf einen Gegenstand von 
bekannter Höhe H und von bekanntem Abstande D (vom Objektiv des Apparates) 
ein, messe das kleine, auf der Milchglasscheibe der Kammer entstehende scharfe 
Bild h und berechne daraus f. Diese Bestimmung ist bedeutend genauer, als 
wenn man bei dem auf grofse Entfernung eingestellten Apparate den Abstand 
von der Linse zur Glasplatte direkt messen wollte, 
Bei Entfernungen von über 100 m kann man, ohne Fehler zu machen, 
Jie Bildweite gleich der Brennweite setzen, denn es war 
1 1 1 
rpB7*5 
210 
Df 
b= 54 
and folglich der Unterschied zwischen Brennweite und Bildweite 
Df f 
b-f= m i= 57 
z—1 
Man übersieht sofort, daß für D == co auch b=f sein muß, wie die 
Optik lehrt. Gesetzt, man beobachtet mit einem Objektiv von 20 cm Brennweite 
einen 100 m entfernten Gegenstand, so wird 
20 20 
10000 = 199 = 0,04 cm = 0,4 mm 
so — 1 
sein. Bei einem Kilometer Abstand des photographirten Gegenstandes wird sein 
Bild nur noch 0,04 mm hinter dem Brennpunkte des Objektivs liegen. 
Ohne Fehler zu begehen, kann man also bei photographischen Küsten- 
aufnahmen ‘annehmen, dafs der Bildabstand gleich der Brennweite des Objektivs 
sein wird; aus nebenstehender Fig. 2, worin 0 
das Objektiv, h das photographische Bild des 
Gegeustandes H ist, ergiebt sich also die 
Beziehung 
f _D 
h HH 
Pr 
“ü) 
die der perspektivischen Grundformel völlig 
entspricht. Jede Photographie einer Land- 
schaft, also auch einer Küstenansicht, ist ein perspektivisch richtig „auf- 
gezeichnetes“ Bild. Nach der photographischen Aufnahme einer trockenfallenden 
Bank, eines Koralleuriffes oder einer Reihe von Klippen handelt es sich darum, 
den „Grundrifs“ aus einem perspektivisch richtigen Bilde zu rekonstruiren, 
Dazu mufs man die Lage eines wichtigen Punktes, des sogenannten Augenpunktes, 
finden; dieser ist der Fufspunkt des Lothes vom Auge (oder beim photographischen 
Apparat vom Objektivmittelpunkt) auf die Bildebene, nämlich Punkt ?” in den 
Figuren 1 und 2. 
Den Augenpunkt bringt Prof. Thoulet in folgender sinnreichen Weise 
auf das Bild: er hat in der Kammer des Apparates an den Leisten, unmittelbar 
vor dem Falz für die Platte, ein Fadenkreuz aus strafgespannten Haaren befestigt. 
Beide Fäden, deren Enden in kleinen Ringen eingebunden oder durch Heftzwecken 
festgehalten werden können, müssen diagonal liegen. Wenn die Milchglasscheibe 
eingesetzt ist, dient das Fadenkreuz zum Visiren nach dem Horizont. Beim
	        
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