- Wislicemus: Photographische Küstenvermessung.
231
bei niedrigem Gezeitenstande wenigstens theilweise trockenfallen, . so: können sie
mit Hülfe der Photographie in ihren Aenderungen verfolgt werden. Prof. Thoulet
führt als Beispiel die Sände vor dem Eingange in ‘das Bassin d’Arcachon‘ atı'
(siehe „Segelhandbuch der französischen Westküste“, S. 218 bis 222). Aenderungen
dieser Art bewirken, dafs die Karte eigentlich nie fertig ist, denn bei der ein-
geführten Art der Auslothung: solcher Gegend ändern die Tiefen schon, ehe die
Lothungen alle auf der Karte eingetragen und demnach die Tiefenlinien neu
gezeichnet sind. Man ‘begnügt sich ‚dann gewöhnlich ‚damit, ‚wenigstens das
Hauptfahrwasser, öfter :auszulothen; oft muß man: diese Untersuchungen den
Lootsen überlassen, die dann, ohne Material niederzuschreiben oder aufzuzeichnen,
nur für ihre eigene. Kenntnifs die. Aenderungen in ihrer Entwickelung. verfolgen.
„.. Mit dem Gesagten ist auch. ein .eigenthümlicher Fall.zu erklären, den. der
englische Konsul O’Neil in Rouen 1892 seiner Regierung meldete: obgleich die
untere Seine jährlich von 5000 bis 6000 Schiffen. (im Jahre 1891 verkehrten auf
ihr 5986 Schiffe mit 2454 000.t Ladung und 70725 Mann. Besatzung) befahren
wird, so ist doch nie eine Karte der Seine-Mündung veröffentlicht worden, und
die Kapitäne können sich keine Angaben über die genauen Verhältnisse ver-
schaffen, Es sei dabei auf die Bemerkungen über bewegliche Sände im Seine-
Fluthbecken auf Seite 154 des II. Theiles (französische Küste) des „Segelhand-
buchs des Englischen Kanals“ verwiesen, die erkennen lassen, wie günstig eine
Methode wäre, mit der man die Lage.der: trockenfallenden Sände schnell und
genügend. genau bestimmen könnte.
In vielen Fällen wird. man zum Theil wenigstens diese Schwierigkeiten
mit Hülfe der Photographie überwinden können, Es genügt, während einer
Tide, womöglich bei Springtide, von Zeit zu Zeit, je nach der Schnelligkeit des
Steigens oder Fallens des Wassers, photographische Aufnahmen der trocken-
hegenden Bänke zu machen; gleichzeitig muls man bei jeder Aufnahme mit dem
Loth die Wassertiefe eines stets unter Wasser bleibenden‘ Punktes messen, Man
bekommt : auf ‚diese‘ Weise eine . Reihe verschiedener Umrisse der Bänke ‚oder
Linien gleicher Wassertiefe in Bezug auf die bestimmten bekannten Tiefen. ‘ Mit
diesen Linien kann man also die Form der Bänke genau darstellen. Nur die
stets unter Wasser bleibenden Untiefen kann man so nicht bestimmen, aber für
diese gewinnt man umsomehr Zeit für die Auslothung, wenn man die trocken-
fallenden Theile photographisch bestimmt.
„... Das ‚photographische Verfahren mufs folgenden Bedingungen genügen:
Die photographischen . Aufnahmen; ..die. an Bord von Schiffen gemacht werden
sollen, müssen Momentaufnahmen sein; aus jeder einzelnen. Aufnahme muß man
die. 'Tiefenlinie auf die. Seekarte zeichnen können, deren Bild. die. Aufnahme: ent-
hält; das Verfahren darf keine Basismessung erfordern.
.. ..Die Grundformel der perspektivischen Projektion und zugleich auch der
Metrophotographie ist folgende: W
Es sei das Auge in O, so ist.O also: das Projektionscentrum; ferner sei
EF ein Gegenstand. von der Höhe H, dessen Bild in der Entfernung OP = b
vom Auge die Größe AB = h haben muß, 0G =D
ist der senkrechte Abstand des Gegenstandes. Da OP
zenkrecht auf AB,. so ist P der sogenannte Augenpunkt
der Projektionslehre.. Offenbar’ist . .
= oder b = LS
Ganz ‚ähnlich gestaltet ‚sich der Vorgang bei
der photographischen Aufnahme; an Stelle des. Auges
tritt die Linse des Objektivs,. die ein. umgekehrtes
Bild des. Gegenstandes auf die Milchglasplatte oder Pie, 1
auf die eingesetzte photographische Platte in der ; MR ;
Kammer des Apparates wirft. Bei allen: Aufnahmen ‘von Küstenansichten wird
das Objektiv. auf einen fernen Punkt eingestellt, wobei‘ also das Bild im Brenn-
punkt.der Linse.entsteht. (Streng genommen, liegt das Bild erst bei unendlich
grofsem: Abstande des Gegenstandes im. Brennpunkte, aber es entfernt. sich bei
der Annäherung des Gegenstandes nur unmerklich aus dem Brennpunkte, solange
der Abstand grofß bleibt, wie noch -gezeigt werden soll.) ©
z