Jedenfalls wird der. Einflufs des St. Lorenz-Stromes: auf die Strömungen
im St. Lorenz-Golf im Allgemeinen viel zu hoch angeschlagen. , ;
; Mit Beziehung auf den inneren Golf bleiben die wichtigsten, anscheinend
immer wirksamen Regulatoren die zwei in entgegengesetzter Richtung die Cabot-
Strafse passirenden Wasserbewegungen, welche im Einzelnen oben‘) beschrieben
worden sind.“ ;
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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1896.
Nachtrag. Soeben geht mir der neueste Bericht, derjenige. über die
Thätigkeit im Jahre 1895, zu. Indem ich mir vorbehalte, hierauf, voraussichtlich
im Anschluß an noch weiter folgende Mittheilungen über hydrographische Arbeiten
in dieser Gegend, später genauer einzugehen, füge ich nur gleich dies an, dafs
im Sommer 1895 hauptsächlich in der Gegend zwischen Gaspe-Bucht und Anticosti
die Untersuchungen stattfanden, weil man hier, nach den Befunden im südwest-
lichen Theil der Cabot-Strafse zu schliefßsen, die Abflufswässer des St. Lorenz-
Stromes erwarten. durfte.
In der That hat sich ergeben, dafs — wie dies auch schon die Seekarten und
Segelanweisungen betonen — hier, eine Bewegung - des Oberflächenwassers nach
SO durchaus überwiegt; 5 Sm .vom Lande, auf der Höhe von Fame Point,
konstatirte Dawson am 5. Juli eine Maximalgeschwindigkeit von 2,8 Knoten
in der Stunde. Aber auch hier wurde, ganz abgesehen von anderen, ganz Vor-
übergehend auftretenden Richtungen direkt auf oder von Land. weg, einmal für
längere Zeit ein genau entgegengesetzt gerichteter Strom, also ein Nordweststrom,
konstatirt in den Tagen vom 27. zum 31. Juli; die größte stündliche Geschwindig-
keit betrug dabei allerdings nur 1,4 Knoten.
Also auch hier darf der Schiffsführer nicht ganz unbedingt auf, Südost-
versetzung. rechnen. — ; ; . ı
Hinsichtlich‘ der so wichtigen Belle Isle-Straßse wird in diesen neuesten
Mittheilungen nochmals wieder der Gezeitencharakter der Strömung ausdrücklich
hervorgehoben und gesagt, dafs also hier ein Schiff‘in jeder Richtung (nicht
blofs bei der Fahrt nach Westen) sein gegifstes Besteck überlaufen kann. Ganz
neuerdings eingetretene Schiffsverluste, z. B. die Strandung des Dampfers „Mexico“
auf Belle Isle, erfolgten, als das Fahrzeug nach Osten segelte, und während der
Führer auf den Weststrom rechnete, doch von einem Oststrom über die geloggte
Distanz hinausgeführt wurde. Sch.
Photoagraphische. Küstenvermessung.
Nach einem Aufsatz vön. Prof ‚I. THOULET in der „Revue Maritime et Coloniale“ (Dezemberheft 1895)
bearbeitet von Kant,-Lieut. a. D. G. WISLICENUS.
Unter dem Namen „Metrographie oder photographische Planaufnahme“
hat der französische Oberst Laussedat in verschiedenen. Abhandlungen eine
Methode beschrieben, deren Prinzip er schon 1850 erfunden und mit der „camera
lucida“ angewendet hat; seine Methode ermöglicht, Karten sehr. schnell und hin-
reichend genau zu zeichnen. Diese Vermessungsmethode beginnt in Frankreich
bekannter zu werden; in Deutschland ist sie als „Photogrammetrie“,- in Italien
als „Phototopographie“ ebenfalls- bekannt. In Kanada hat man mit gutem Er-
folge auf diese Weise grofse Gebiete aufgenommen, die während eines grofsen
Theiles des Jahres der Kälte wegen unzugänglich sind. Die Methode hat den
Vortheil, dafs man sich schnell an Ort und Stelle das nöthige Material sammeln
und die Bearbeitung des Materials in Ruhe an anderer Stelle vornehmen kann.
Diese ziemlich weitläufigen Methoden haben Prof. Thoulet auf. den Gedanken
gebracht, in einfacherer Form die Photographie zur Lösung solcher Aufgaben
der Küstenvermessung zu benutzen, die mit den gewöhnlichen‘ Mitteln stets
Schwierigkeiten «bereiten, z. B. die Veränderlichkeit der-Sände in: vielen. Fluß-
mündungen, Solche Treibsände, deren Lage häufig wechselt, sind auch in sonst
out bekannten Gewässern eine beständige Gefahr für die Schiffahrt, Wenn sie
1y Siehe S. 9298.