Schott: Beiträge zur Hydrographie des St, Lorenz-Golfes, ‘999
Die Ursache’ dieser vertikalen Temperaturvertheilung 1äfst sich noch nicht
mit Bestimmtheit ermitteln, solange die Gebiete von der Cabot-Strafße bis zu
den Gewässern zwischen Anticosti und Gaspe Bay nicht genauer untersucht sind;
denn jedenfalls haben wir es hier zum Theil, d. h. soweit Südoststrom in Frage
kommt, mit Abflufswässern des St. Lorenz-Stromes zu thun. Dafür sprechen auch
die übrigens nicht eben zahlreichen Bestimmungen des Salzgehaltes des Meer-
wassers, die hier ausgeführt wurden. Rechnet man die englische Norm SE
um in die deutsche Norm SP (durch Addition von 0,00085 bei Salzgehalten
von 30°%oo an aufwärts in genügender Genauigkeit), so sind die von Dawson
mitgetheilten Werthe die folgenden: no
Speecifisches
[Gewicht, bezogen] Salzgehalt
g 1360 } in 9%
auf 1756
Zwischen Kap Ray
A, und
St, Paul-Insel
B.
Zwischen St. Panl-
| Insel und
Kap Breton-Insel
Oberfläche, Durchschnittswert]!.
Oberfläche, in Station 1I[
75m Tiefe, in Station IIE
Oberfläche, Durchschnittswertl
Oberfläche, in” Station IV
75 m Tiefe, in. Station IV
1,0250
1,0250
1,0262
1.0236
1,0228
1.0258
832,8
32,8
34,3
30,9
29,8
33,8 (! ?)
Hiernach ist in der Hauptstrafse, d. h. dem zwischen St. Paul und Kap
Ray gelegenen Theile, das Meerwasser durchweg etwas salziger als in dem_süd-
westlichen schmalen Strafsentheil, und dies entspricht durchaus den ermittelten
schon angegebenen Wasserbewegungen sowie der Wasserfarbe. Letztere war nämlich
im Haupttheil der Strafse die gewöhnliche (blaue?) Farbe, mit.etwas milchiger
Trübung, westwärts von St. Paul aber bräunlich, bei Kap North schliefslich
ziemlich so braun als das Wasser des „Ottawa“-Flusses. Auffällig ist nur die
verhältni(smäfsig hohe Salinität auf Station IV in der Tiefe von 75 m, was schlecht
zu der allerdings nicht ganz sicheren Beobachtung passen will, dafs dort von
oben bis unten die Strömung in gleicher Richtung nach dem Ocean hinaussetzte.
Hier muls und wird fernere Beobachtung mit Vortheil ansetzen, besonders auch
mit Rücksicht auf die auffallende Anordnung der Temperaturen, die übrigens
Beispiele genug anderwärts findet, z. B. in den höheren südlichen Breiten
(cf. „Challenger“), in unserer Ostsee u. 8. W.. ;
‚_. Dawson legt Gewicht auf die Bemerkung, dafs ein kalter Unterstrom
die Cabot-Straße in der Richtung zum Atlantischen Ocean jedenfalls nicht passire,
ein Strom, der erwartet werden müfste, wenn die Theorie von einem konstanten
kalten Weststrom in der Belle Isle-Straße begründet wäre, was sie ja nicht ist,
Die vorliegenden Berichte schliefsen, unter Hinweisen auf das, was nun-
mehr als Wichtigstes zu thun bleibt, mit ungefähr folgenden Ausführungen:
; „In der Belle Isle-Strafse besteht ja wohl, obschon die Wasserbewegungen
in der Hauptsache Gezeitencharakter besitzen, eine kleine Differenz zu Gunsten des
nach Westen einflielgenden Wassers, besonders im Frühling und Sommer, Aber dieser
Einflufs auf den Golf als Ganzes kann nicht grofs sein, wenigstens nicht auf die
Temperatur, die im Frühling sowieso über dem ganzen Gebiet äufserst niedrig
ist. Wohl aber mag ein für längere Zeit in der Belle Isle-Strafse nach West und
SW setzender Strom dahin wirken, daß die in der Cabot-Strafse zum Ocean hin-
aussetzende Strömung besonders kräftig auftritt, was durch die Beobachtungen
bestätigt wird. Man thut jedenfalls. besser, an eine solche Beziehung zu
denken, als daran, dafs die kräftigen Südostströme. der Cabot-Strafse im Frühling
auf der St. Paul- Seite der genannten. Straße von den Schmelzwässern . des
St. Lorenz-Stromes und seiner Nebenflüsse herrühren könnten. Man vergegen-
wärtige sich nur, dafs eine durch die Belle Isle-Strafse setzende Südwestströmung
selbst nur von: 0,5 Knoten. in der Stunde eine 40 mal gröfsere Wassermenge dem
Golf zuführt als der Abflufs des St. Lorenz-Stromes zwischen Montreal und dem
St. Peter-See zu liefern vermag.