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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1896.
yeschildert wurde; er wird durch die steil vom Meeresgrund sich erhebende
Insel St. Paul in zwei ungleich breite Theile zerlegt, einen südwestlichen kleineren
und verhältnifsmäfsig seichten Theil zwischen der genannten Insel und Kap
Breton-Insel — hier schwanken die Tiefen zwischen 160 m und 230 m, südwärts von
der engsten Stelle bleiben sie unter 200 m — und einen nordöstlichen, größeren
tiefen Theil zwischen St. Paul und Kap Ray .mit Tiefen von meist über 450 m.
Die hydrographischen Arbeiten wurden hier hauptsächlich vom 13. bis
31. August 1894 vorgenommen, mit einer kleinen Unterbrechung. Zwischen Kap
Ray und St. Paul nahm der. Dampfer drei Beobachtungsplätze ein, einen (I) auf
der Neufundland-Seite, 13 Sm westlich (magn.)!) von Kap Ray, einen (II) auf der
St. Paul-Seite, nämlich 10 Sm (magn.) nordöstlich dieser Insel, und einen (III)
mitten zwischen den beiden Punkten, also genau inmitten der eigentlichen Cabot-
Straise. Dazu kommt ein vierter Ankerplatz halbwegs zwischen Kap North (Kap
Breton-Insel) und St. Paul, also im schmalen Theil der Strafse. Die Plätze sind
auf der beigefügten Karte ınit den entsprechenden Nummern I bis IV eingetragen.
Betrachten wir die Verhältnisse im Haupttheil der Strafse, also in der
tiefen Rinne mit den Ankerplätzen I, II, IIT, so ergab sich, dafs im Allgemeinen
auf der Neufundland-Seite der Strom in den Golf hinein (I), auf
der St. Paul-Seite (11) heraus nach dem Ocean setzte, während in der
Mitte (III) Stromstille herrschte; ein für die Schiffahrt wohl zu beachtendes
Resultat.
Die Geschwindigkeit des bei I einströmenden Wassers schwankte zwischen
0,5 und 1,4 Knoten in der Stunde und die Richtung zwischen West und Nord,
meist nach NW (magn.). Ein Unterstrom wurde nachgewiesen bis zu 100, ja
vielleicht 200 m "Tiefe, er strömte nach NzW (magn.), also etwa 30° nördlicher
als der Oberflächenstrom. Zwischen 50 und 70 m Tiefe war seine Geschwindigkeit
44 bis 100% des Oberstromes, nie aber über 100%.
Der hinausgehende Strom (Station II) veränderte seine Richtung, nach
der er fliefst, ziemlich regelmäfsig von (magn.) SO nach SW und zurück nach SO,
so dafs man hierin wohl eine Aeußerung von Gezeitenwirkung erkennen mulfs.
Man sieht aber auch zugleich, dafs in der Cabot-Strafse, ganz im Gegensatz
zur Belle Isle-Strafßse, wirkliche konstante Triftströmungen, deren Ursache ja zu-
sächst unklar sein kann, vorhanden sind. Ueber die Unterströmung konnte an
Station II nichts ermittelt werden.
An Station I1I nun, mitten zwischen 1 und II, war, praktisch genommen,
Stromstille; die Wasserbewegung war sehr variabel und schwach, und wiederholte,
sorgfältige Beobachtungen zeigten aufserdem, dafs unterhalb von rund 40 m Tiefe
überhaupt keine irgendwie melsbare Geschwindigkeit vorhanden sei. Die in der
Cabot-Strafse ein- und ausgehenden zwei Strömungen lassen zwischen sich einen
von oben bis unten ganz bewegungslosen Streifen Wasser, grenzen also nicht
anmittelbar einander; wenngleich dieser Streifen vielleicht 5 Sm Breite kaum
erreicht. Auch dies ist eine vom hydrographischen Standpunkt aus bemerkens-
werthe Thatsache.
Es bleibt die Station 1V zwischen Kap North und St. Paul: hier, in der
kleinen Cabot-Strafse, lief das Wasser, in Uebereinstimmung mit der Richtung
auf Station II, nach SO hinaus, mit der beträchtlichen mittleren Geschwindigkeit
von 1,8 Knoten in der Stunde (1,4 bis 2,3 Knoten)!
Der in gleicher Richtung setzende Unterstrom dagegen hatte nur !/s dieser
Geschwindigkeit, schien aber bis zum Grunde (110 m) zu reichen. —
Die Temperaturen des Oberflächenwassers lagen im August zwischen
14,4° und 183°, Ende September zwischen 10° und 11,1° auf der Strecke
Kap North — St. Paul; in der Hauptstrafse (St. Paul — Kap Ray) war im August
die Oberflächentemperatur im SW etwa 15°, dagegen im NO, nach Neufundland
hin, nur 12,8°, Im grofsen Ganzen war also das Wasser nach der Kap Breton-
Insel hin beträchtlich wärmer als nach Neufundland hinüber.
Das beachtenswertheste Moment ist aber die vertikale Anordnung in der
Hauptstrafse; bis etwa 70, 90 m Tiefe nimmt hier die Temperatur stets ab (bis
auf + 0,6° und — 0,6° C), um dann wieder durchweg, selbst in den gröfsten
Tiefen von über 400 m, zu steigen bis ungefähr 4,5° C.
) Miksweisung = 28° West.