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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1896, 
Die Oberflächenströmungen wurden im Juli und September 1894 auf 
einer quer über die Strafse gelegten Linie etwa 6 Sm nordöstlich vom Leucht- 
thurm auf Amour Point untersucht; die Tiefen sind hier von der Nordküste ab 
auf eine Entfernung von etwa 3 Sm am gröfsten, nämlich etwa 125 m, im übrigen 
Theil (8 Sm) nur 80 m. Der Dampfer ankerte an jedem der drei Beobachtungs- 
plätze (im September waren es nur zwei) für einen oder zwei Tage; gleichzeitig 
wurde in Forteau Bay an der daselbst errichteten Pegelstation!) die Höhe der 
Gezeiten beobachtet: 
Wie überall, so war auch hier die Zeitdauer, während der der Strom in 
der einen oder anderen Richtung setzte, in hohem Grade vom Winde abhängig. 
Nehmen wir zunächst nur die Beobachtungen, welche offenbar den normalen Ver- 
hältnissen am besten entsprechen, so ergiebt sich, dafs der Strom von Osten, 
also der Weststrom, an der Nordseite der Strafse etwas länger läuft als an 
der Südseite, und umgekehrt der ausgehende Strom an der Südseite etwas 
länger als an der Nordseite. Aufserdem scheint an der Nordseite der West- 
strom stärker zu sein als der Oststrom, während auf der Südseite beide Strom- 
richtungen ungefähr gleiche Geschwindigkeit zeigten. 
Auf der Südseite besteht also im Ganzen eine gröfsere Regelmäfsigkeit 
der Gezeitenbewegung als auf der Nordseite. Die gröfsten Geschwindigkeiten 
überschreiten übrigens unter normalen Umständen nie 2 Knoten in 
der Stunde, Meist läuft der Strom (in jeder Richtung) ein klein wenig mehr 
als 1 Knoten in der Stunde, 
Der Unterschied zwischen Hochwasser und Niedrigwasser überschreitet 
nicht 1,5 m. Nach den Beobachtungen von insgesammt 28 Tagen stellen sich 
im Mittel für diese engste Stelle der Belle Isle-Strafse die Beziehungen zwischen 
Monddurchgang, Hoch- und Niedrigwasser und Flutk- und Ebbestrom folgender- 
mafsen, wobei der Meridiandurchgang des Mondes auf 60° W-Lg bezogen ist. 
Zeit in Stunden und Minuten nach des Mondes Durchgang: 
Hochwasser 
Niedrigwasser 
Kenterung vom | Kenterung vom 
eingehenden ausgehenden 
kum ausgehenden zum eingehenden 
Strom | Strom 
gb 47m | 150 45m | 1ıba7m | 7m 39m 
Mittlerer Zwischenraum nach Hochwasser 
Ih 40m 
Mittlerer Zwischenraum nach Niedrigwasser | ih 483m 
Da nun ferner nach Dawson hier kein merkenswerther Unterschied zwischen 
Springfluth und tauber Fluth statthat, kann man 9" 47” als ordinäre Hafenzeit 
betrachten. Fluthstrom läuft von Osten, wie die Tabelle zeigt, noch etwa 
1%4 Stunden lang nach Hochwasser, Ebbestrom von Westen ebenso lange nach 
Niedrigwasser. 
Gegenüber diesem regelrechten Verlauf des Gezeitenstromes wurden auch 
Perioden beobachtet, während deren eine Richtung durchaus vorherrschend war, 
so in den Tagen vom 16. bis 19. Juli ein Oststrom während 19 Stunden täglich, 
der nur für 5 Stunden täglich von einem Weststrom abgelöst wurde, so um- 
gekehrt in den Tagen vom 5. bis 8. September : ein konstanter Weststrom, wo- 
bei gleichzeitig etwa ein Dutzend Eisberge in die Strafse trieb. Dabei war in 
der erstgenannten Zeit die Maximalgeschwindigkeit des (Ost-) Stromes 2,44 Knoten, 
in der zweiten Periode diejenige des (West-) Stromes aber 3,15 Knoten. An- 
scheinend sind die Windverhältnisse für solche Störungen in erster Linie mafsgebend, 
jedoch sind die Beziehungen nicht ohne Weiteres klar, und es soll erst später nach 
genauer Prüfung des Materials versucht werden, sie im Einzelnen festzulegen; 
so können die Windverhältnisse des offenen Oceans, z. B. im Gefolge von tiefen 
Depressionen, welche über Neufundland ziehen, wahrscheinlich auch in dieser 
Beziehung einen Einflufs ausüben. 
+ Siehe S. 29V.
	        
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