Schott: Beiträge zur. Hydrographie des St. Lorenz-Golfes, .
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yetragen wurde; das. Ganze, in eine bestimmte Tiefe versenkt, bot dem strömenden
Wasser eine so beträchtliche Oberfläche ‚dar, .dafs es und mit ihm die an der
Oberfläche schwimmende Boje vor dem Unterstrom ‚trieb, ;
Jede Boje trug nun aufserdem an ihrem oberen Ende einen aufrecht stehenden
Stab, ‚an welchem wiederum je zwei in einer Horizontalebene angeordnete, senk-
recht stehende Scheiben sich befanden, deren Abstand.genau bekannt war,. hier
— 15m. Es war somit möglich, jeden Augenblick. unter Zuhülfenahme eines
Rochonschen Mikrometers auf einfache Weise die Entfernung: der Boje vom
Schiff zu berechnen und also, unter Beachtung : der Zeitintervalle, auch noch unab-
hängig ‚von den elektrisch registrirenden Strommessern die Stromgeschwindigkeit
zu bestimmen, bezw. die Konstanten für die Stromapparate zu ermitteln. ;
Bei. den im. St. Lorenz-Golf herrschenden Witterungsverhältnijssen war: es
aber oft mifslich, immer‘ ein Boot «hinter den Bojen herzuschicken;, trotzdem
gewann man auf diese. Weise einige sehr gute Resultate, besonders in der Belle
Isle-Strafse. . In dieser Straße versuchte. man auch die Bewegungen. der Eisberge
für die Beobachtung der Strömungen zu verwerthen; doch war. ein großer Theil
dieser Bemühungen ohne Erfolg. Entfernte Berge trieben vielleicht noch weiter
weg als näher heran, oder Nebel brach ein; auch konnten die Berge am Grunde
sitzen, sei es ganz oder: zeitweise.. Waren mehrere Berge gleichzeitig in Sicht,
so hielt es schwer, die Identität der Einzelnen nicht zu: verlieren, da die
Bewegung fortwährend auch‘ ihr äufseres Ansehen verändert. Kurzum, man
gewann die Meinung, dafß es, von' einem einzelnen Standpunkt aus und ohne
exakte Messungen, kaum möglich -ist, diese Eistriften - in solcher Gegend zur
Bestimmung. der Strömungen zu verwenden,
Da die Temperatur des Wassers von der Oberfläche nach der‘ Tiefe ‘hin
in, der Cabot-Straße nicht gleichmäfsig abnahm, sondern eine „dichotherme“ An-
ordnung häufig vorhanden war, gebrauchte man in der Tiefe die Umkehrthermo-
meter, wie sie von Negretti-Zambra (London) konstruirt werden.‘ Auch
Bestimmungen des specifischen Gewichts wurden ausgeführt, mittelst Aräometer.
Meteorologische Beobachtungen endlich wurden ohne Unterbrechung während der
ganzen Dauer der Untersuchungsfahrten angestellt,
Die Belle Isle-Stralßse.
Diese Meeresstrafse hat auf 35 Sm ihrer Länge eine Breite von 10 bis 12 Sm
und ist ganz frei von Felsen oder Untiefen. Sie liegt in (magnetisch) Ost—West-
Richtung. Die Nordküste ist steil und das sie bespülende Wasser tief, die Süd-
küste ist niedrig, fällt aber auch schnell bis zu "Tiefen von etwa 50 m ab,
Nebeliges Wetter ist auch im Sommer häufig, der Nebel geht nie, wenn er ver-
schwindet, in die Höhe, sondern wird nur von günstigen Winden horizontal fort-
getrieben. Er liegt immer ganz dicht über dem kalten Wasser, ‚Alle Winde,
die (magnetisch) eine nördliche Richtung in ihrem. Namen mit haben, geben,
wenn überhaupt, die relativ gröfste Wahrscheinlichkeit, dafs der Nebel ihnen
weichen wird. ‚Daher klart auch die nördliche Seite der Strafse. immer zuerst
auf, und man kann den Schiffen somit empfehlen, sich bei der Durch-
fahrt daselbst zu halten. «u
Die weit verbreitete Angabe, dafs die Strömung in der Belle Isle-Strafse
beständig einwärts, vom Ocean in den. Golf hinein, setze, ist jedenfalls nicht
richtig; die Wasserbewegung ist vielmehr durchaus eine Gezeitenbewegung, ‚bald
nach Osten, bald. nach Westen. Gewifs treiben KEisberge mit der Strömung
herein, aber durchaus nicht immer, und wenn sie fehlen, kann man annehmen,
dafs ein vorwiegend zum Ocean hinaus setzender Strom augenblicklich herrscht
oder in letzter Zeit geherrscht hat. Es gelangt überhaupt nur ein.kleiner Theil
der bei Belle Isle in Sicht kommenden Eisberge in die Straße selbst; nach vier-
jährigen Beobachtungen auf dem Leuchtthurm gehen nur 20 Berge in die Strafse,
wenn 100 gleichzeitig im offenen Ocean südwärts treiben. An den schmalsten
Stellen, etwa von Forteau Bay bis Wreck Bay, bleiben .die gröfsten Tiefen immer
noch unter 100 m (siehe die Karte), und es können daher Eisberge von mehr
als 20 m Höhe im Allgemeinen die Strafse nicht passiren; der gröfste Berg, der
im Sommer 1894 gesehen wurde und auf der Höhe von Chateau Bay am Grunde
festsaßs, mals über Wasser: Länge 237 m, Breite 87 m, Höhe: 31,5 m.
Ann. d, Hydr. etc., 1896, Heß V,