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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1896. 
ein Schiff von 463 Reg.-Tons und 54 m Länge, machte bei mäfsiger Briese 
eine volle Schlingerbewegung von einer Seite zur anderen in 6 bis 7 Sekunden; 
bei einer solchen Periode wurde aber der Strommesser 0,6 bis 1m in vertikaler 
Richtung durch das Wasser gezogen. VUeberschritt die Wellenhöhe 1,5 m, so 
war das Rollen viel beträchtlicher, und es mufste für das richtige Funktioniren 
des Strommessers in der Weise Sorge getragen werden, daß der Apparat an 
einem Tau befestigt wurde, welches über eine große an einem Davit befestigte 
Rolle geführt und an der anderen Seite des Decks festgebunden war. An dem 
horizontalen, über dem Schiffsdeck liegenden Theil dieses Taues wurde ein Gewicht 
angebracht, welches bewirkte, dal das freie Ende des Taues bei jeder Schiffs- 
lage straff gespannt blieb. Die Drähte der elektrischen Leitung waren unab- 
hängig davon zum Instrument geführt. Bei jeder Umdrehung des Schalen- 
kreuzes wird der Strom geschlossen, die Umdrehungen werden durch ein von 
einem Elektromagneten bedientes Zählwerk registrirt. Der Kontakt findet 
in einer „Luftkammer“ statt; da es aber, besonders bei größeren Tiefen, sehr 
schwierig war, diese Luftkammer wirklich als solche zu erhalten, d. h. vor ein- 
dringendem Wasser zu schützen, so füllte man sie mit Oel, was sich in jeder 
Beziehung als praktisch erwies: es leitet genügend schlecht, um Kurzschlufs zu 
vermeiden, hält das Wasser ab und vermittelt auch die Druckausgleichung in 
beträchtlichen Tiefen. Da Seewasser ungleich besser als Frischwasser leitet, war 
es wesentlich, daß keine Verbundstellen oder andere Kontakte der Stromzuleitung 
dem Seewasser ausgesetzt waren, und es erwies sich nothwendig, die Zuleitung 
vollkommen zu isoliren, namentlich alle Verbindungsstellen vollkommen in Hart- 
gummi einzubetten. Es gelang auf diese Weise, den „Horizontalmesser“ zum 
Funktioniren zu bringen, dagegen erzielte man bei dem „Vertikalmesser“ infolge 
der grofsen Luftkammer und der vielen Verbindungsstellen trotz aller Mühe und 
Sorgfalt keinen Erfolg, und man mufste hier zu einem mechanischen Zählwerk 
greifen. — Als Batterie gebraucht man gewöhnlich Trockenelemente, doch sind 
sie zum andauernden Arbeiten nicht praktisch, da der Strom zu schnell nach- 
läfst. Man begegnet diesem Uebelstande wohl dadurch, dafs man mehr Elemente 
als nothwendig benutzt und einen Widerstand einschaltet, der von 1 zu 10 Ohm 
varlirt werden kann und damit die Stromstärke regulirt: aber es verlangt dies 
fortwährende Aufsicht. Batterien mit zwei Flüssigkeiten, welche unter gewöhn- 
lichen Bedingungen nur durch ihr verschiedenes specifisches Gewicht voneinander 
getrennt bleiben (Meidinger), kann man auch nicht gut benutzen wegen der 
leichten Vermischung beim Arbeiten des Schiffes; aber die gewöhnliche Zink- 
Kohle-Batterie (Bunsen) war ganz genügend, gab jedenfalls einen sehr stetigen 
und gleichmäfsigen Strom. 
Bei Strombeobachtungen, welche direkt für die Zwecke der Schiffahrt ver- 
wendbar sein sollen, ist die Forderung theoretisch berechtigt, dafs die Bestimmung 
der Stromrichtung und Stromstärke für eine Tiefe ausgeführt wird, welche der 
halben mittleren Eintauchung der Schiffe entspricht; es erwies sich aber als 
unthunlich, den Strommesser genau dort zu halten, weil er, da das Schiff meist in 
den Wind und quer zur Strömung gedreht vor Anker lag, in dieser Tiefe vom 
Kiel- und Saugwasser des Fahrzeuges selbst beeinflufst worden wäre. Daher 
versenkte man bei der Ermittelung der Oberflächenströmungen das Instrument 
überall und stets bis zu der "Tiefe von 5,4 m oder 3 Faden,!) wo es frei von 
jeder Wirkung des Schiffes auf die Wasserbewegung arbeiten und auch von Bord 
aus stets noch gut gesehen werden konnte. Wenn auch die Unterströmung 
gemessen werden sollte, so liefs man den Apparat erst in 5,4 m Tiefe 30 Minuten 
lang laufen, dann in der gewünschten Tiefe eine Stunde lang und dann nochmals 
in 5,4 m Tiefe während 30 Minuten; auf diese Weise konnte man die Schnelligkeit 
des Unterstromes immer in genaue procentische Beziehung zum Oberstrom setzen, 
Die Richtung endlich des Unterstromes schätzte man nach der Richtung, 
in welcher die Leine, an welcher der in der Tiefe befindliche Strommesser war, 
ausstand, oder auch auf folgende Art. Vom festliegenden Schiff aus liefs man 
zwei Bojen abtreiben, Die eine Boje trieb mit dem Oberflächenstrom; an der 
anderen hing ein aus zwei rechtwinklig sich durchdringenden, galvanisirten Eisen- 
blechen bestehender einfacher Apparat, der von einem leichten Holzrahmen 
) Der „Lansdowne“ ging nur 5,0 m tief,
	        
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