Schott: Beiträge zur Hydrographie des St, Lorenz-Golfes,
993
Gleichwohl konnten, : wie auch. aus dem Folgenden erhellen wird, .diese
Pegelbeobachtungen schon mehrfach bei der Untersuchung der Stromvorgänge im
Golf benutzt werden; —
Bei dem zweiten Hauptgegenstand der Forschungen, der Ermittelung "der
Wasserbewegungen, sind- viele. Einzelheiten der angewandten Methoden der
Strombeobachtungen 80 interessant, dafs «wir ‚einiges Nähere mittheilen wollen,
obwohl. die Methoden als solche nirgends eigentlich als neue bezeichnet werden
können, Fast ganz ausschliefslich sind Beobachtungen zu Grunde: gelegt, welche
vom verankerten Schiffe aus vorgenommen wurden, und man kann ja heutzutage,
nachdem Pillsbury von der Vereinigten Staaten-Marine ‚das viel. zu‘ wenig
bekannte und in der Ueberwindung von grofsen Schwierigkeiten einzig dastehende
Kunststück fertig gebracht hat, in mehreren Tausend Meter Tiefe zu ankern,
auch vielleicht die Forderung aufstellen, ‚dafs überall da, wo.e$ sich um plan-
mäfsige Erforschung von - Wasserbewegungen auf beschränktem Gebiet handelt,
die allein sichere Ergebnisse liefernde Methode, vor verankertem Schiff den
Strom nach Richtung und Stärke zu messen, angewendet wird. Im Gesammt-
bereich des St. Lorenz-Golfes ist. eine Maximaltiefe' von 572m gemessen; wie
die Karte (siehe Tafel 3) erkennen läfst, sind die größten durchschnittlichen Tiefen
(über 300 m) in einer 20 bis 30 Sm breiten Rinne: zu finden, welche bereits im
eigentlichen Mündungstrichter des St. Lorenz-Stromes beginnt und, zwischen der
Gaspe-Bucht und Anticosti hindurchziehend, nach der nördlichen Hälfte der Cabot:
Strafse (zwischen St. Paul-Insel und Kap Ray) sich ausdehnt, um so den offenen
Ocean zu erreichen. Südwestlich einer. Linie Gaspe-Bucht—Magdalen-Inseln—
St. Paul-Insel bleiben die Tiefen überall unter 100 m; diesem ausgedehnten, sehr
seichten Gebiete liegt, durch die schon erwähnte, von NW nach SO laufende, sehr
tiefe Rinne getrennt, ein mitteltiefes Gebiet im NO gegenüber, welches durch die
Labrador-Küste, Anticosti und die Westküste Neufundlands begrenzt wird und
eine Tiefe von 300 m wahrscheinlich. nirgends ganz erreicht, aber. auch anderer-
seits. tiefer als. 100 m ist. Ueber die Tiefen an- den engsten Stellen: :der zwei
Ausgänge des: Golfes, nämlich der Belle. Isle-Strafse und : der Cabot-Straße, ‚wird
nachher noch im Speciellen das Nöthige gesagt werden. .. ;
Wir ersehen aber hieraus, dafs hier fast überall ohne. zu grofse Mühe, in
den größeren Tiefen natürlich mit einigen besonderen Mitteln, geankert werden
konnte, doch bereitete die Bodenbeschaffenheit Schwierigkeiten ‚besonderer Art. So
ist. in der Belle Isle-Strafße der Grund offenbar ganz glatter Felsen, wahrscheinlich
polirt durch die Eisberge im Laufe der Zeiten, so dafs der Anker dort schlecht
greift; auch in der tiefen Cabot-Strafse ist der Boden: meist hart, obwohl auf der
Seekarte „mud“ verzeichnet ist, i . j N
Am wünschenswerthesten wäre es nun’ begreiflicherweise gewesen, gleich-
zeitig in der Belle Isle-Strafßse und in der Cabot-Stralßse für eine längere Zeit
Strommessungen anzustellen; doch war dies nicht möglich, da: nur ein Dampfer
zur Verfügung stand. Daher wurde im Juli und September 1894. in der Belle
Isle-Strafse gearbeitet, im August in der Cabot-Stralse. .* -
Die Beobachtungsplätze wurden, da man die Strömungen ganz -dicht unter
Land nicht: studiren wollte, sondern möglichst nur die grofsen, durchgehenden
Bewegungen, immer in einem Mindestabstand von Land von 3 bis 5 Sm, oft von
10 bis 20 Sm eingenommen. Sa .
Als Strommesser dienten nicht gewöhnliche Logs, sondern Apparate, deren
Umdrehungen auf elektrischem Wege gezählt werden konnten, und. zwar wurden
zwei Principien benutzt. Die eine Art. Strommesser besteht aus einer Reihe
von kleinen Schalen oder Eimern, -die genau wie die Schalen eines Anemometers
in einer Horizontalebene. sich drehen, die andere Art wird wie die Flügel’ einet
Schiffsschraube oder Windmühle, die in vertikalen Ebenen sich drehen, bewegt.
Beide Arten des Instrumentes haben eine Art Steuer,, welches den‘ Apparat
immer in den Strom hineindreht und somit die Richtung, aus der der Strom
kommt, anzeigt, Die „Horizontalmesser“ erwiesen sich, für die hier in Frage
kommenden Zwecke als die ‚vortheilhaftesten, da sie von den Wellen und der
vertikalen Bewegung, die durch das Rollen des Schiffes leicht , hervorgerufen
wird, am wenigsten beeinflufst wurden. Das verankerte Fahrzeug rollt’ fast
immer, da es meist zwischen Wind- und Stromrichtung sich legt, beide
Richtungen aber selten übereinstimmen. Der benutzte Dampfer „Lansdowne“