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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1896. 
Schiffe im Sommer so beträchtlich, dafs die Resultate der neuesten hydrographischen 
Arbeiten im Bereiche der Gewässer des St, Lorenz-Golfes hier eine Besprechung 
verdienen. Sie verdienen dieselbe auch vom wissenschaftlichen Standpunkte um 
so mehr, als sie nach einem einfachen, aber äufserst klaren Plan von Seiten der 
kanadischen Regierung, bezw. dem „Department of Marine and Fisheries, Ottawa“, 
durchgeführt werden. Es handelt sich hauptsächlich um die Gewinnung von Beob- 
achtungen an zweckmäfsig vertheilten Pegelstationen und von Beobachtungen über 
Strömungen, seien sie wirkliche Triftströmungen oder Gezeitenströmungen, an der 
Oberfläche und ‚in den tiefen Schichten bis zum Grunde. Nebenbei ergeben sich 
sehr interessante Aufschlüsse über die vertikale Temperaturvertheilung in ver- 
schiedenen Querprofilen des Golfes sowie Notizen über die Eisverhältnisse, speciell 
das Verhalten der grofsen Eisberge in der Belle Isle-Straßse. 
Die verantwortliche Ausführung der Arbeiten liegt in den Händen 
W. Bell Dawsons (Engineer in charge of Tidal-Survey), dessen sehr gütigem 
Entgegenkommen der Verfasser der folgenden Zeilen die bisher erschienenen 
Berichte verdankt, und nach dessen schriftlicher Mittheilung die Untersuchungen 
auch im vergangenen Jahre 1895 weiter fortgesetzt worden sind. Das Folgende 
stellt die Ergebnisse aus den Jahren 1890 bis 1894 dar. Der Umstand, welcher 
wohl hauptsächlich die thatkräftige Inangriffnahme dieser Untersuchungen bewirkt 
hat, ist der relativ sehr grofse Verlust, den die Schiffahrt alljährlich hier durch 
Strandungen erleidet, indem ganz unkontrolirte, starke und’in Richtung schwankende 
Strömungen sehr vielfach vorherrschend sind, welche bei sehr hänfig nebeliger Luft 
eine genaue Besteckführung sehr erschweren. Der in den Jahren 1870 bis 1887 
eingetretene Schaden an Werth wird von Dawson auf etwas mehr als 50 Millionen 
Dollar angegeben, der Verlust an Menschenleben auf 43081 — 
Was zuerst die Anlage der Pegelstationen anlangt, so unterscheiden sich 
die dabei verwendeten selbstregistrirenden Fluthmesser, nach der gegebenen 
Beschreibung zu urtheilen, nicht wesentlich von den an einigen deutschen Küsten- 
plätzen in Dienst befindlichen Fluthautographen.!) Es war an den kanadischen 
Küsten aber meist sehr schwer, die Schwimmerbrunnen und überhaupt die gesammte 
Anlage gegen die oft ganz fürchterliche Gewalt der Winterstürme zu schützen; 
auch mufsten natürlich Vorkehrungen gegen das KEinfrieren getroffen werden. 
Die Sachlage ist ja dort viel ungünstiger als an den europäischen Küsten, weil 
die meisten dieser Pegelstationen im Winter ganz unzugänglich sind und eine 
Störung des Werkes im Winter den Ausfall von  Bechacbtonsen während vieler 
Monate nach sich zieht. Die Hauptkosten verursachte meist die Herstellung der 
horizontalen Zuleitungskanäle, wenn die Station, um sie gegen den Seegang zu 
schützen, etwas landeinwärts angelegt werden mufste. Bemerkenswerth ist noch, 
dafs neben dem eigentlichen Schwimmerbrunnen noch eine zweite vertikale Röhre 
zur Kontrole eingerichtet wurde, an welcher auch die täglich zweimal vorzu- 
nehmenden Notirungen des absoluten Wasserstandes stattfinden. I 
‚ Die bisher errichteten Fluthpegel befinden sich an den folgenden Stellen, 
welche auch auf der beigefügten Karte eingetragen sind: 
in St. John, N. B. (Fundy Bay), also aufserhalb des St. Lorenz- 
Golfes; 
auf der Insel St. Paul in der Cabot-Strafse; . 
auf der Magdalen-Insel im südwestlichen Theil des St. Lorenz-Golfes 
(nur zeitweise in Betrieb); 
an der Südwestspitze der Insel Anticosti; 
bei Father Point, auf dem rechten Ufer des Stromes (Lootsenstation 
in etwa 48° 31‘ N-Br und 68° 28‘ W-Lg); 
5. in Quebec; 
7. in der Belle Isle-Straße, auf der Westseite der kleinen Forteau Bay. 
Die bisher gewonnenen Registrirungen genügen noch nicht ganz, um 
Gezeitentafeln für diese Gewässer herauszugeben, zumal auch in St. John N. B., 
wo ältere Beobachtungen vorliegen, doch eine neue Nulllinie angenommen werden 
mufste, weil es sich nicht mit Sicherheit ermitteln ließ, auf welches Niveau die 
älteren, zur Zeit der „Admiralty surveys“ gemachten Beobachtungen bezogen sind. 
1) Siehe z. B. diese Zeitschrift, Jahre. 1883. S. 263: 1886. 8. 465 ff. 
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