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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Erste Reise -des deutschen- Fünfmasters „Potosi“, Kapt. R. Hilgendorf. 205 
veränderung des südwestlichen Windes. Erst als das Schiff bei dem. ganz 
allmählich hoch gestiegenen Barometer die Kanal-Mündung am 2. Januar 1896 
erreicht hatte, veränderte sich der mälsig gewordene Wind durch Süd nach SE 
und weiter nach Ost, „Potosi‘‘ war, was für diesen Meerestheil und diese 
Jahreszeit nicht selten vorkommt, aus dem Gebiete einer sich nach NO bewegenden 
Depression unmerklich in den Bereich eines Hochdruckgebietes gekommen, gegen 
dessen östliche Winde später in Kanal und Nordsee längere Zeit gekreuzt werden 
mufßte. So sehr befriedigend, wie dieser letzte im offenen Ocean liegende Theil 
von „Potosis“. Reise verlaufen war, so war dies drei Jahre früher von Kapitän 
Hilgendorf, damals als Führer des ebenfalls dem Rheder Laeisz gehörenden 
Viermasters „Placilla‘, doch noch besser gemacht worden. Es segelte dies Schiff, 
welches am 27. August 1892 in 43,5° N-Br und 31° W-Lg, 240 Sm Nord von 
Corvo, gestanden hatte, damals in 4 Tagen und 6 Stunden bis in Sicht von 
Lizard. Auf der ungefähr 1260 Sm großen Strecke war eine mittlere Schnelligkeit 
von 12,3 Knoten erzielt worden. Als „Potosi“ am Morgen des 2. Januar 1896 
Lizard erblickte, waren 68!/2 Tage seit der Abfahrt von Iquique vergangen. 
Die Strecke Linie --Lizard war in der ungewöhnlich kurzen Zeit von 18'/2 Tagen 
zurückgelegt worden und zwischen dem Zeitpunkte, dafs „Potosi“ den Kanal 
verlassen und zu ihm wieder zurückgekehrt war, waren nur fünf Monate und 
ein Tag verflossen. Es ist dies ein aufserordentlich günstiges Resultat, welches 
gar nicht so weit hinter den Leistungen gewöhnlicher Frachtdampfer zurücksteht. 
Die Durchsegelung von Kanal und Nordsee nahm später, da dort anhaltende 
Gegenwinde angetroffen wurden, noch .eine ziemlich lange Zeit in Anspruch, 
Dabei zeigte sich das Schiff als ganz aufserordentlich manövrirfähig; selbst an 
der engsten Stelle des Kanals, zwischen Varne und Dover, war „Potosi‘“ im Stande, 
mit gutem Erfolg aufzukreuzen. :Als das Schiff sich am 7. Januar nördlich vom 
Galloper befand, wurde jedoch ein sich anbietender holländischer Schleppdampfer 
angenommen, welcher „Potosi“ in vier Tagen nach Cuxhaven schleppte. Damit 
endete. dann die von so vielen mit der Schiffahrt in Verbindung stehenden 
Leuten mit lebhaftestem Interesse verfolgte Reise dieses gröfsten Segelschiffes 
der Welt. . 
‚Am 2. Januar, als „Potosi“ schon in den Kanal kam,. verliefs „Selene‘“‘ in 
26,5° N-Br und 42° W-Lg erst das Passatgebiet. Sie hatte darauf zunächst noch 
für Jängere Zeit gegen hoch nördliche Winde zu kämpfen und fand nicht eher 
yünstige Westwinde, als bis sie nördlich von den Azoren an die westliche und 
nördliche Seite eines. Hochdruckgebietes ‚gekommen. war. Es wurde dort ein 
höchster Barometerstand von 780 mm beobachtet. Nachdem „Selene‘“ später auf 
den Aufsengründen vor dem Kanal auch noch wieder durch leichte Ostwinde 
zurückgehalten worden war, gelang es ihr am 23. Januar, nach einer Reise von 
88 Tagen, die Kanal-Mündung zu erreichen. Die Reise war länger ausgefallen, 
als die „Potosis‘““; aber andere deutsche, von . den Salpeterhäfen kommende 
Schiffe, die um jene Zeit die Länge von Lizard überschritten, hatten noch viel 
längere, bis zu 120 "Tagen dauernde Reisen. 
Bericht der Deutschen Seewarte über die Ergebnisse der 
magnetischen Beobachtungen in dem deutschen Küstengebiete 
während des Jahres 1895. 
Die magnetischen Deklinationsbeobachtungen sind nach der für Wilhelms- 
haven ermittelten Periode auf das Tagesmittel reducirt worden. 
Hamburg. Die Beobachtungen sind von Dr. Hans Maurer bis zu seinem 
Weggange nach Deutsch-Ostafrika ausgeführt, wo er die Leitung des meteoro- 
logischen Netzes übernommen und magnetische Beobachtungen anzustellen hat. 
Für letzteren: Zweck gab die Direktion den bisher zu den Messungen an der 
Seewarte benutzten magnetischen Theodoliten Hechelmann No. 686 ‚leihweise 
mit. Seit dem. Oktober wurden die magnetischen Beobachtungen von Dr. Otto
	        
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