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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

204 ; Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1896, 
westlichen Viertel. Am‘ 12. November kreuzte „Potosi‘“ in 83,5° W-Lg bei 
frischem nordöstlichen Winde 50° S-Br, und am 15. November gelangte „Potosi‘“ 
in Sicht von Diego Ramirez. Es waren bis dahin nur 21 Tage seit der Abreise 
von Iquique verflossen. Die Strecke von 20,2° S-Br in 73,6° W-Lg bis Diego 
Ramirez war sogar in 16 Tagen durchsegelt worden. Dabei war eine gröfsere 
Windstärke als 7 kaum beobachtet worden. 
Am 16. November, nur einen Tag nach „Potosi‘, befand sich die von 
Kapt. Israel geführte Bark „Selene“ ebenfalls in Sicht von Diego Ramirez. 
Ihre von Tocopilla am 27, Oktober angetretene Reise, welcher ein drei Monate 
dauernder Aufenthalt an der Küste voranging, hatte einen ganz ähnlichen Verlauf 
wie den von „Potosi“ genommen. „Selene“ hatte während der drei ersten 
Reisetage sogar noch an Breite verloren, und erst bei dem am 30. Oktober durch- 
kommenden Passat nahm auch ihre Reise einen raschen Verlauf. 
Im Südatlantischen Ocean verlor „Selene‘‘, während der ersten dort 
zugebrachten Tage, gegen „Potosi“ bedeutend. Am 17. und 18. November war 
die bei ihr herrschende Windrichtung wohl eine günstige, die Windstärke war 
jedoch eine geringere als 2, Bei „Potosi‘“ wehte dagegen der Westwind gleichzeitig 
frischer. Am 20. November kreuzte „Potosi‘“ 50° S-Br in 52,4° W-Lg, und am 
21. November that das Gleiche auch „Selene“ in 53,5° W-Lg. Bis soweit hatte 
sich „Selene‘“ gegen ihren grofsen Mitsegler sehr gut gehalten. Auf dem weiteren 
Wege nach Norden gewann „Potosi‘“ aber bedeutend. Am 22. November legte 
das Schiff bei stürmischem Südsüdwestwinde 301 Sm zurück, während „Selene“, 
die übrigens an diesem Tage keine größere Windstärke als 5 beobachtete, nur 
234 Sm gutmachen konnte. Am Mittage des 29. November war der Schiffsort 
von „Potosi“ 26,2° S-Br in 23,3° W-Lg und der von „Selene‘““ 34,1° S-Br in 
30,4° W-Lg. Frische, vom 27. bis 29. November wehende, hoch nördliche Winde 
hatten „Potosi‘“ nach diesem ungewöhnlich weit östlich liegenden Punkte gedrängt. 
Nach dem 29. November wurden beide Schiffe durch schwache hier vorherrschende, 
sich zwischen NNW und NNE haltende Winde aufgehalten. Doch dauerten sie 
bei „Potosi‘“ nur noch drei Tage, worauf sich aus ihnen am 2. Dezember, in der 
Nähe von 24° S-Br und 24° W-Lg, der Südostpassat entwickelte. „Selene‘“ hatte 
gegen sie jedoch eine ungewöhnlich lange Zeit zu kämpfen, bis es am 13. Dezember 
bei 18° S-Br und 26° W-Lg gelang, das Gebiet des Südostpossats zu betreten. 
Zur gleichen Zeit befand sich „Potosi“, welchesSchiff übrigens am 7. und 8. Dezember 
unweit von 17° S-Br auch noch wieder ganz leisen nordöstlichen Zug beobachtet 
hatte, schon in 3,2° S-Br und 29,8° W-Lg. Am 14. Dezember, 29 Tage später 
als die Länge des Kaps Horn verlassen worden war, ging „Potosi‘“ in 29,5° W-Lg 
von südlicher in nördliche Breite über. „Selene“ ihat dies in 29,5° W-Lg am 
20. Dezember, für sie waren 34 Tage zur Zurücklegung der Strecke Kap Horn 
—Aequator erforderlich gewesen. 
Im Nordatlantischen Ocean ging der Uebergang des Südost- in den Nordost- 
passat bei den Mitseglern in ganz günstiger Weise von Statten. „Potosi“ beob- 
achtete dabei nur für zwei Wachen, „Selene“ dagegen während eines Tages leisen 
Zug und Mallung. Jenes Schiff wurde später auch von kräftigerem Passate 
begünstigt als dieses. Zur polaren Passatgrenze gelangten „Potosi‘“ in 25,5° N-Br 
und 38° W-Lg am 22. Dezember und „Selene“ in 26,5° N-Br und 42° W-Lg am 
2. Januar 1896. Auf dem von diesen Punkten ab noch vorliegenden Reiseabschnitte, 
wurde „Potosi“ gegen ‚,Selene‘‘ aber schliefslich in ganz besonderer Weise 
begünstigt. Nachdem jenes Schiff nördlich vom Passatgebiete zwei Tage durch 
leisen Zug zurückgehalten worden war, stellte sich bei ihm am 25. Dezember ein 
rasch auffrischender Südwind ein, der von einem von Westen herkommenden 
Tiefdruckgebiete verursacht wurde. Von 27,5° N-Br in 38,5° W-Lg ab nahm die 
Reise bei dem beständig aus südwestlicher Richtung wehenden stürmischen Winde 
einen sehr günstigen Verlauf, Die angenähert 2100 Sm grolse Strecke bis Lizard 
wurde, mit einer mittleren Schnelligkeit von 11 Knoten, in 8 Tagen zurückgelegt. 
Während dies geschah, war „Potosi“ allem Anscheine nach gar nicht aus dem 
Bereiche einer und derselben, sich nach Nordosten bewegenden, Depression 
herausgekommen. Als der frische Wind am 25. Dezember einsetzte, zeigte der 
seit dem vorhergehenden Tage abnehmende Luftdruck auf 759,0 mm. Und als 
zwei Tage darauf das Barometer mit 744,6 mm seinen niedrigsten Stand erreicht 
hatte, und das Glas nun wieder zu steigen begann, erfolgte doch keine Richtungs-
	        
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