2092
Annalen der. Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1896.
gelegt. Als er geschnitten wurde, waren nur 20 Tage und 8 Stunden verflossen,
seit „Potosi“ sich in der Nähe von Ushant befunden hatte. Während dieser
Zeit war die Schnelligkeit des Schiffes nur ein einziges Mal auf weniger als
24 Sm in der Wache gesunken. 20° N-Br hatte „Potosi‘“ in 20° W-Lg am
11. August und 10° N-Br in 20,5° W-Lg am 16. August gekreuzt.
Am 20. August, etwa 20 Stunden früher, als „Potosi“ es that, war der
ebenfalls dem Herrn Laeisz gehörende Viermaster „Pisagua“, Kapt. C. Bahlke,
in 20,5° W-Lg von nördlicher in südliche Breite übergegangen. Dies nach
Valparaiso bestimmte Schiff, welches die Elbe-Mündung am 17. Juli verlassen,
hatte den Meridian von Lizard am 28. Juli überschritten und dann im offenen
Ocean ganz günstige Verhältnisse gefunden. In geringer Entfernung von 38° N-Br
in 16° W-Lg hatte der frische Wind am 2. August durch Nord gedreht und
später war er dann auch ohne Störung in den Passat übergegangen. Als die
ebenfalls die östliche Route einschlagende „Pisagua‘“ von diesem Winde bis zum
9. August nach 19,5° N-Br in 21,2° W-Lg geführt worden war, fand eine Unter-
brechung der Fahrt statt. Wie die kleine synoptische Karte des 12. August
zeigt, lag an diesem Tage über den Kap Verden eine flache Depression, deren
den Passat unterbrechende westliche Winde „Pisagua‘“ schon bei 20° N-Br antraf.
Von „Potosi‘“ war diese Störung auch beobachtet worden, und spricht sich
Kapt. Hilgendorf über sie in seinem Tagebuche, als der Luftdruck am 11. August
bei 19° N-Br auf 756,2 mm gesunken war, ganz zutreffend aus. Aber „Potosi“
blieb. Goch von der bei „Pisagua“ am 8. und 9. August herrschenden Mallung
verschont und verlor den Passat erst in Sicht der Insel Mayo, 3!/2 Breitengrade
südlicher, als es bei „Pisagua“ der Fall war. Den südwestlichen Monsun fand
dies Schiff später ebenfalls recht frisch und beständig. Von ihm geführt, segelte
es bis zum 18. August nach 4,2° N-Br in 14,2° W-Lg, dem östlichsten berührten
Punkte. Am Mittage dieses Tages hatten „Potosi“ in 5,2° N-Br und 16,6° W-Lg
und „Pisagua“ in 4,1° N-Br und 14,5° W-Lg ziemlich nahe bei einander gestanden.
Als „Pisagua‘“ am 20. August in 20,5° W-Lg die nördliche Halbkugel verliefs,
waren 23 Tage und 10 Stunden seit der Abfahrt vom Kanal vergangen.
Im Südatlantischen Ocean wurden beide Schiffe zunächst von frischem,
beständigem Passate begünstigt, doch dehnte sich dessen Gebiet nicht weit
südwärts aus. „Potosi‘“, welches Schiff in Ballast
segelnd, durch diesen Umstand der „Pisagua“
vielleicht mehr als es sonst der Fall gewesen sein
würde an Schnelligkeit überlegen war, segelte bis
zum 25. August mittags nach 13,8° S-Br in
31,5° W-Lg, während „Pisagua“ gleichzeitig
13,5° S-Br in 29,5° W-Lg erreichte. Schon am
26. August hörte der Passat bei beiden Schiffen
in der Nähe von 15° S-Br zu wehen auf. Es folgten
auf ihn leichte aus hoch südlicher Richtung wehende
Winde, bei denen „Potosi“ bis zum 31. August
nach 20,1° S-Br in 38,6 W-Lg und „Pisagua‘“ nach
19,7° S-Br in 36,1° W-Lg vorrücken konnte. Nach
dieser Zeit gewann „Potosi‘“ aber wieder bedeutend
gegen den Mitsegler. Am 1. September konnte
jenes Schiff bei kräftigem, sich allmählich von NE
durch Nord nach Süd verändernden Winde 216 Sm
1. „Potosi“, zurücklegen, während gleichzeitig „Pisagua“ nur
2, „Pisagua®, 115Sm gutmachte. Am 5. September war „Potosis“
Schiffsort 35,4° S-Br in 51,2° W-Lg und der von „Pisagua“ 29° S-Br in 44,6° W-Lg.
Von hier ab machte es „Pisagua‘“ bei wechselnden Winden wieder etwas besser
aus als „Potosi‘. Am 8. und 9. September überstanden beide Schiffe einen
heftigen Weststurm, bei dem „Potosi‘“, da bei diesem Schiffe der Wind südlicher
war als bei „Pisagua‘‘, für mehrere Wachen über Backbordshalsen segelte. Am
14. September mittags befand sich „Potosi‘“ in 50,9° S-Br und 64,2° W-Lg und
„Pisagua‘ in 47,2° S-Br und 61,1° W-Lg. Dieses Schiff überschritt den Parallel
von 50° S-Br in 64,5° W-Lg am .15. September. Die Strecke Aequator — 50° S-Br
war von „Potosi“ in 24 und von „Pisagua‘“ in 26 Tagen zurückgelegt worden.