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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Bemerkungen über Port Pirie, Spencer-Golf (Australien), und die Banka-Strafse. 201 
kurzen Zeit von 20 Tagen erreicht wurde, macht Kapt. Leopold ‘die folgende 
Bemerkung: Ueber die Reise vom Spencer-Golf bis zur Banka-Strafse ist nichts 
Besonderes zu berichten. Nach meiner Ansicht ist‘ für die weitere Fahrt nach 
Norden im Nordostmonsun der Weg durch die Banka-Strafse leichter und besser 
als der durch die Gaspar- oder die Karimata-Strafse, besonders, wenn man darauf 
Bedacht nimmt, sich bis nach Karang-Brom-Brom an der: Banka-Seite der Strafse 
zu halten. Fast in jeder Nacht weht Landbriese von der Banka-Küste; dazu 
ist der Strom in dieser Stralse regelmäfsiger als in den. beiden anderen genannten 
Straßen. Von Karang-Brom-Brom bis zur Frederik Hendrik Shoal mufs dann 
die Sumatra-Seite genommen werden, weil man dort zwischen der 4- und 8 bis 
9 Faden-Linie passende Wassertiefen mit gutem Ankergrund und gewöhnlich einen 
aus dem Palembang-Flusse kommenden günstigen Strom :vorfindet. ‘ Der einzige 
Umstand, der in der Banka-Strafse das Durchsegeln zur Zeit. des Nordostmonsuns 
erschwert, ist. der, daß man nur‘ in der Nacht Kurs steuern kann und dabei 
durch die schweren Böen, die von Sumatra herüber kommen, oft genöthigt ist, 
alle Segel zu bergen. Hat man etwa bis zu der Insel Linga im Norden der 
Banka-Strafse aufgearbeitet, so mufß. man nach der Borneo-Küste hinüberhalten, 
Bei Windstille muß man ankern, um nicht durch: den stark nach der Gaspar- 
und. Karimata-Straße setzenden Strom vertrieben zu werden. Unter der Küste 
von Borneo wird wieder mit Land- und Seebriese weiter gearbeitet, bis man die 
Api-Strafse passirt ist. Von hier bis zum Kap St. James folge man der An- 
weisung des „Segelhandbuches für den Indischen Ocean“, Seite 683, und anderen 
bekannten Segelanweisungen, 
Erste Reise des deutschen Fünfmasters ‚„Potosi“, 
Kapt. R. Hilgendorf.. 
Es ist in den letzten Jahren die Tendenz gewesen, die Segelschiffe, da 
denselben Befrachtungen mit kleineren Ladungsposten und Stückgütern durch die 
Dampfer fast gänzlich genommen sind, für den Transport von Massengütern und 
zur Verbilligung der Betriebskosten in immer gröfßeren Dimensionen herzustellen, 
Auch deutsche Rheder haben in den letzten Jahren Segelschiffe aufserordentlicher 
Größe erworben. Das gröfste davon, zugleich auch das gröfste zur Zeit existirende 
Segelschiff der Welt, ist das von Kapitän R. Hilgendorf geführte fünfmastige 
Schiff „Potosi“, welches auf der Werft von Fr. Tecklenborg in Geestemünde 
für den Hamburger Rheder F, Laeisz erbaut worden ist. 
. Der in Ballast geladene, 3853 Registertonnen grofse „Potosi“ verliels am 
26. Juli 1895 die Weser-Mündung. Ein kräftiger Dampfer schleppte das Schiff 
von dort in‘ vier Tagen bis zur Insel Wight, wo die Schlepptrosse losgeworfen 
und die Reise des nun auf sich allein angewiesenen Schiffes unter Segel fortgesetzt 
wurde, Am 1. August befand sich „Potosi“ in der Nähe von Ushant, von wo 
bei frischen westlichen Winden, die von einem damals über dem mittleren Theile 
von Westeuropa liegenden Hochdruckgebiete herrührten, nach Süden gesegelt 
wurde. Als am 4. August das Kap Finisterre gesichtet wurde, lief der Westwind 
raumer; er ging bald in den im Sommer an der portugiesischen Küste vor- 
herrschenden Nordwind über, und aus diesem entstand später ohne Störung der 
Passat.‘ Die polare Passatgrenze läfst sich, da der Wind schon bei 41° N-Br 
durch Nord drehte, kaum feststellen. Das in rascher ununterbrochener Fahrt 
nach Süden. eilende Schiff hielt sich, nachdem 30° N-Br in 18° W-Lg am 8. August 
geschnitten worden war, östlich von den Kap Verden und erreichte dort am 
12, August die in 16° N-Br und 22° W-Lg liegende äquatoriale Passatgrenze, 
Der sich nach rechts verändernde mäfsige Wind nahm dort eine hoch südliche 
Richtung an und lief während der nächsten Tage durch Süd nach West. Zwischen 
12% und 8° Nord war seine Richtung eine nordwestliche, südlich von letzterer 
Breite dagegen wieder eine südwestliche. Es wurde dann mit Steuerbordshalsen 
gesegelt, bis am 18. August 5,4° N-Br in 16° W-Lg erreicht worden war. Hier 
wurde gewendet und nun bei dem allmählich nach Süd und SSE laufenden Winde 
die Jetzte Strecke bis zu dem in 24,8° W-Lg überschrittenen Aequator zurück- 
Any. 8. Hvdr. ete.. 1896. Haft V.
	        
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