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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1896. 
Am 5. April 1891 gingen wir von Rio de Janeiro in See. - Die Land- 
briese holte, als wir weiter vom Lande kamen, allmählich durch West nach Süd 
und erlangte aus letzterer Richtung am folgenden Tage die Stärke 6 bis 7. Die 
darauf folgenden flauen südlichen bis südöstlichen Winde förderten die Reise nicht 
sonderlich; erst am Abend des 9. April befanden wir uns in einem Abstande von 
etwa 25 Sm rw. Ost vom Feuerthurm der Insel do Mel. Hier wurde das Wetter 
regnerisch, und es setzte ein voller Sturm aus SE ein, der eine hohe See ver- 
ursachte. Da wir das Feuer noch nicht gesichtet hatten, so konnten wir unter 
den obwaltenden Witterungsverhältnissen nicht zusetzen, sondern mufsten wieder 
von der Küste abliegen. Der Sturm nahm noch an Stärke zu, in den Böen bis 
10 und selbst 11, und war von elektrischen Entladungen und strömendem Regen 
begleitet. Dieser Sturm, in dem das Barometer seinen hohen Stand nur um 4 mm 
änderte, dauerte bis zum 10, April 12 Uhr nachts. Alsdann nahm der Wind 
ab und holte östlicher. Da das Schiff zur selben Zeit etwa 7 Sm SSO von 
Queimada Grande stand, so konnten wir unsern Bestimmungsort auf B. B.-Halsen 
anholen. Am 11. April um Mittag war der Schiffsort etwa 40 Sm Ost vom Mel- 
Feuerthurm, weil-aber der Wind sehr flau war, kamen wir an diesem Tage nicht 
mehr in den. Hafen. Am anderen Morgen waren wir nahe vor der Barre; es 
war weder eine Tonne zur Bezeichnung der Einfahrt noch ein Lootsenfahrzeug 
zu sehen, doch entschlofs ich mich, nach meiner Specialkarte, herausgegeben von 
der britischen Admiralität, einzusegeln. Zu diesem Zwecke wurde zunächst der 
Feuerthurm in mw. NW gebracht und dann gerade auf denselben zugesteuert. 
Dabei stellte sich bald heraus, dafs der Strom nördlich setzte, und wir, um einen 
Nordwestkurs über den Grund einzuhalten, einen Strich westlicher steuern mufsten, 
Obgleich aufserhalb der Barre die See ziemlich hoch ging, war auf derselben 
doch nur sehr wenig Seegang vorhanden. Unter fortwährendem Lothen, wobei gerade 
mit Niedrigwasser Tiefen von 4 bis 4!/2, ja sogar 5 Faden.und nur einmal so 
wenig als 3 Faden gefunden wurden, segelten wir bis auf eine Entfernung von 
etwa 3% Sm an den Leuchtthurm hinan. Hier wurde der Kurs auf das Fort 
gesetzt, von dem dwars ab eine rothe Tonne zur Kennzeichnung eines Felsens 
Liegt. Als der Leuchtthurm passirt war, kam ein Lootse in einem grofsen Kanoe 
an Bord. Die Tonne, welche nach meiner Karte aufserhalb der Barre liegen 
sollte, war, wie schon gesagt, nicht auf ihrem Platze, sondern lag bei Bixo auf 
dem Strande, ebenso die Tonne, welche SSW von den Balcas-Klippen gelegen hatte. 
Bei der Annäherung an das Fort lasse man die kleine Tonne an seiner 
B. B.-, die Balcas-Felsen, welche aus dem Wasser hervorragen, an seiner St. B.- 
Seite. In einem Abstande von ungefähr !/z Sm segle man dann entlang der Küste 
der Insel Mel, bis die Westspitze derselben Süd peilt. Von hier geht der Kurs 
auf die Nordwestspitze der Insel Cotinga. Beim Näherkommen wird man dann 
die Stange erblicken, welche den nördlich dieser Landspitze gelegenen Felsen 
bezeichnet. Nachdem diese Stange !/a Sm passirt ist, muls geankert werden, um 
den Besuch der Gesundheits- und Zollbehörde an Bord zu erwarten. Beim KEin- 
segeln mufß man sich — worauf der Lootse mich besonders aufmerksam machte — 
vor den Bänken in Acht nehmen, welche das Fahrwasser nördlich der Insel Mel 
an seiner Nordseite begrenzen und nicht durch Tonnen markirt sind. 
Nachdem das Schiff einklarirt worden war, erhielten wir die Order, weiter 
flufsaufwärts nach dem Platze Port do Pedro II, woselbst alle Güter (mit Aus- 
nahme von Salz) gelöscht und die auszuführenden geladen werden, zu segeln. Den 
hier in den Fluß hineingebauten vier hölzernen Brücken zum Anlegen der Schiffe 
verdankt der Platz die Bezeichnung Hafen. Die Brücken sind übrigens in sehr 
beschädigtem Zustande und nur 4,5 m (15 Fufs) breit. Die Schiffe müssen recht 
vor das Ende derselben, mit dem Kopfe nach Westen, gelegt werden. Dieses 
ist nur bei der Ebbe ausführbar, und Einem, der zum ersten Male hierher kommt, 
ist zu empfehlen, sich dabei eines ortskundigen, namentlich genau mit den 
Strömungsverhältnissen betrauten Mannes zu bedienen. Wenn das Schiff nicht 
richtig vertäut wird, so steht zu befürchten, dafs die Achterbefestigungen durch 
die Fluthströmung losreißsen und das Schiff herumschlägt. Dieses wiederfuhr 
einem schwedischen Schoner als wir noch auf dem Strome lagen. Um das Schiff 
an die Brücke zu legen, läßt man es von einem Ankerplatz oberhalb der Brücke 
mit der Ebbe abwärts treiben, bis man sich der Brücke bis auf 60 Faden genähert 
hat, läfst dann den Anker fallen und steckt soviel wie nöthig Kette aus. An 
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