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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1896.
Da es der südliche Sommer war, wehie der Südostpassat nur selten mit
befriedigender Stärke. Ohne dafs sich Bemerkenswerthes ereignete, wurde die
Strecke längs der brasilianischen Küste zurückgelegt und 30° S-Br am 27. Dezember
erreicht. Hier vollzog sich der erste Rundlauf des bisher nördlichen Windes
durch West nach Süd und dann wieder durch Ost nach Nord, dem am 30. Dezember
vor der La Plata-Mündung ein zweiter folgte. Längs der patagonischen Küste,
wo sonst gewöhnlich vermittelst nordwestlicher Winde eine rasche Fahrt südwärts
arzielt wird, waren die Winde sehr veränderlich. Am 3. Januar 1895 überstand
„Adolf“ in 43° S-Br einen Südweststurm von kurzer Dauer, dem wieder ver-
änderliche Winde vorzugsweise aus West bis Südwest und stets begleitet von
einem hohen südlichen Seegange folgten. Am 5. und 6. Januar herrschte in
45° S-Br gänzliche Stille, die sich am 7. Januar, nachdem für einige Wachen
umlaufende Briese geweht hatte, wiederholte. Darauf folgten für einige Tage
mäßige nördliche Winde, mit denen 50° S-Br am 9. Januar nach 25tägiger Fahrt
von der Linie erreicht wurde.
In der Nacht vom 10. zum 11. Januar kam Staaten-Land in Sicht. Tags
vorher war es stark nebelig gewesen; später trat Stille und Mallung ein, und
darauf kam ein Sturm aus Südwest. Infolgedessen konnte Kap St. John erst
am Abend des 12. Januar bei nordwestlichem Winde umsteuert werden. Südlich
von Staaten-Land war die Gelegenheit westwärts zu kommen recht schlecht.
Westliche Winde führten „Adolf“ zuerst in hohe südliche Breiten, wo der Wind
dann gewöhnlich Westnordwest war. Am 17. Januar wurde in 59,5° S-Br und
71° W-Lg ein schwerer Sturm aus Nordwest überstanden, aber auch dann trat
noch keine günstige Wendung ein, und am 19. Januar befand „Adolf“ sich noch
zuf derselben Länge. Es folgten dann mäfsige, aber sehr veränderliche Winde
aus nördlicher Richtung, mit welchen am 21. Januar 78° W-Lg erreicht wurde.
Nachdem dann wieder ein volles Etmal in Mallung und Stille verloren gegangen,
setzte endlich am 22. Januar der lang ersehnte südliche Wind ein, womit das
Barometer, das seit sechs Tagen einen aufsergewöhnlich tiefen Stand gehabt
hatte, zu steigen begann. Die Windstärke erlaubte eine gute Segelführung, so
daß 50° S-Br in 80° W-Lg am 24. Januar wieder überschritten werden konnte.
Von 50° S-Br im Atlantischen Ocean hatte die Rundfahrt 15'/2 Tage gedauert,
vier Tage weniger als das Mittel, aber sechs Tage länger als auf voriger Reise.
Von günstigen südwestlichen, westlichen, mitunter auch für kurze Zeit
aordwestlichen frischen Winden begleitet, wurden dann, nordwärts steuernd,
mehrere recht gute Etmale erzielt und bis nördlich von 28° S-Br sehr gute
Durchschnittsdistanzen eingehalten. Am 1. Februar stellten sich in 27° S-Br
jedoch Stillen und Mallungen ein, wodurch wieder längerer Aufenthalt entstand.
Erst am 6. Februar gelang es, mit fortwährend flauen Winden die Bai von Iquique
zu erreichen. Auch vor der Einfahrt wurde es wieder ganz still, so dals die
Hülfe eines Bugsirdampfers in Anspruch genommen werden mufste. Die Reise-
dauer betrug ab der Tyne 87, ab Lizard 75 Tage.
Ueber Rio de Janeiro und Paranagqua.,
Bericht des Kapt. C. SCHOEMAKER vom Schiffe „Pacifie“;
Rio. Auf der Reise von Boulogne nach Rio de Janeiro wurde am
11. Februar 1891 um 8 Uhr abends Kap Frio in einem Abstande von ca 16 Sm
passirt. Der Wind war NE 8. Um 11 Uhr kam das Fener der Insel Raza, in
der Kimm WNW peilend, in Sicht, worauf wir kleine Segel machten. Von 12 Uhr
bis 8 Uhr morgens den 12. Februar herrschten flaue veränderliche Winde und
Stillen. Hierauf kam eine leichte westliche Briese durch, die allmählich auf-
frischte und südlicher holte, je mehr wir uns dem Lande näherten. Um 12 Uhr
mittags peilte die Insel May N%/4W und Redonda W*/25. Wir segelten mit einer
mäßigen Briese dem Eingange des Hafens zu und ankerten um 2 Uhr 15 Minuten
nachmittags eben innerhalb vom Fort Lage auf einer Wassertiefe von 25m
(14 Faden). Vom Achterdeck aus peilte das Fort Lage SzW und Fort Sta. Cruz