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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie and Maritimen Meteorologie, Januar 1896. 
wieder an der Tonne festgemacht. Der Werftaufseher erzählte mir, daß am 
15. Juni mittags eine so hohe Brandung gelaufen sei, dafs die Landungsbrücke 
eine bedeutende Beschädigung erlitten habe. ‚Emin Pascha‘ würde, wenn er 
nicht geflüchtet wäre, unfehlbar an den Strand getrieben sein. Man sieht also, 
dafs selbst in dieser Jahreszeit (dem südlichen Winter) die Lage eines Schiffes 
an der Tonne bei der Malden-Insel nicht immer eine sichere ist. 
Die Festmachetonnen bei der Malden-Insel liegen auf einer Tiefe von 
650 Faden, nicht, wie behauptet, auf 70 Faden, und haben einen Spielraum von 
30 Faden. Man liegt daher bei westlichem Winde dem Lande um 60 Faden 
näher als bei östlichem Winde und hat im ersteren Falle nur 6'/2 Faden Wasser 
unter dem Heck. Bei starkem Seegange würde alsdann das Hintertheil des 
Schiffes sich schon recht in der Brandung befinden. 
Nach einer Aussage des Verwalters von Malden-Eiland, der schon seit 
30 Jahren in gleicher Eigenschaft auf den verschiedenen Guano-Inseln dieses 
Theiles des Stillen Oceans thätig ist, soll man in Malden-, Howland- und Baker- 
Eiland regelmäßig alle zehn Jahre einmal stürmisches Wetter mit westlichen Winden 
erwarten können, und zwar besonders in den Monaten November bis April. 
Beispielsweise war dieses nach den eigenen Beobachtungen des Verwalters von 
November 1867 bis April 1868 auf der Baker-Insel, 1887/88 in denselben Monaten 
auf Malden-Eiland der Fall. Während des letzten Zeitraumes strandeten infolge 
des stürmischen Wetters zwei Schiffe an der Malden-Insel. Vollkommen sicher 
vor schlechtem Wetter mit westlichen Winden ist man zu keiner Zeit, allein zur 
Zeit des südlichen Winters ist ein solcher Witterungszustand äufserst selten, 
dabei sind die westlichen Winde alsdann leicht und höchstens von einer zwei- 
tägigen Dauer. 
Einiges über Santos. 
Von Kapt. J. ZıMDA®S, Führer des Schiffes „Aurora“, 
Geschrieben im September 1893.) 
Santos hat mit Recht wegen seines gesundheitsschädlichen Klimas einen 
schlechten Ruf. Die Reinigung der Strafen ist sehr mangelhaft, und auch das 
Hospital läfst, was Reinlichkeit anbelangt, viel zu wünschen übrig, Ein Uebel- 
stand ist ferner, dafs die Gesundheitsbehörde nicht, wie dies in Rio de Janeiro 
geschieht, einen Dampfer mit einem Arzt im Hafen verkehren läfst, um die 
Gesundheit der Schiffsmannschaften zu überwachen und Erkrankte sofort von Bord 
zu nehmen. 
Die verhältnifsmäfsig gesundeste Zeit des Jahres ist die kalte Jahreszeit, 
einschlielsend die Monate Mai bis September. Im Oktober wird der Gesundheits- 
zustand schon zweifelhaft, und Januar, Februar und März sind die schlimmsten 
Fiebermonate. Während dieser drei Monate sollte Santos soviel als möglich von 
Schiffen vermieden werden. Indessen kommen auch in der kalten Jahreszeit, wie 
z. B. während unserer Anwesenheit vom 26. Juli bis zum 16. September 1893, 
Todesfälle am Gelbfieber vor, Santos für irgend eine Jahreszeit als fieberfvei zu 
erklären, ist demgemäfs unzulässig. 
Um sich möglichst vor dieser gefährlichen Krankheit zu schützen, hüte 
man sich vor Erkältung, vermeide so viel als angängig Regen- und Nachtluft, 
nehme leicht verdauliche Kost, esse nicht zuviel Früchte und unterlasse vor 
allen Dingen jedwede Ausschweifung. Das Deck sollte nicht mit dem Flufswasser, 
sondern nur bei Hochwasser vor dem Eintritt der Ebbe gewaschen werden. 
Alle Wohnräume sollten jeden Morgen mit frischem Wasser und Karbolsäure 
gereinigt werden, vornehmlich aber die Klosets. Da die meisten Schiffe während 
ihrer Entlöschung an einer Brücke oder an der Kaje liegen, so ist das Anland- 
gehen der Leute schwer zu verhindern, es sollte aber soviel als möglich 
beschränkt werden. Bei Niedrigwasser kommen die an der Kaje und den Brücken 
liegenden Schiffe auf Grund, und es verbreitet sich alsdann ein ekelhafter 
moderiger Geruch auf denselben. Desertionen der Mannschaften sind an der 
\ Siehe diese Annalen, Jahrg. 1894, S. 112 und 429.
	        
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