L92 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1896,
der Nordsee und westlichen Ostsee, der 23. an der Nordsee, der 9. und 10. an
der Ostsee, der 14. und 25. an der westlichen Ostsee, sowie der 3., 18., 19. und
22, an der östlichen Ostsee. Ausgebreitete Gewitter traten ein am 22. an der
östlichen Nordsee und westlichen Ostsee, am 25. an der Nordsee und Schleswig-
Holsteinschen Ostseeküste, sowie am 26, an der Ostsce ostwärts bis Pommern.
Heiteres Wetter trat über ausgedehntem Gebiet am 24. und 25, an der
westlichen Ostsee auf. Weitverbreiteter Nebel wurde am 20. und 24. an der
Nordsee und östlichen Ostsee, am 21. an der Ostsee, sowie am 25. bis 27. und
30. an der östlichen Ostsee beobachtet.
Stürmische Winde von grofser Verbreitung traten zunächst am 3. an der
Nordsee und westlichen Ostsee aus Süd-—SW, meist Stärke 7 bis 8, auf, als ein
von Nordwesten her der nördlichen Nordsee zuschreitendes tiefes Minimum sein
Gebiet über ganz Europa ausbreitete. Stärkere und zum Theil schwere Stürme
aus SW bis NW hatte die Küste in den Tagen vom 6. bis 8., 11. bis 12. und
16. bis 17. zu bestehen als tiefe Minima in östlicher Richtung über Südschweden
vorüberzogen. Endlich traten an der östlichen Ostsee und deren mittlerem Theile
am 30. und 31. stürmische Winde aus NE, meist Stärke 8, auf, infolge der
Wechselwirkung einer Depression über Südosteuropa und eines von Nordost-
europa über Skandinavien vorbuchtenden Hochdruckgebietes.
Wenngleich die Luftdruckvertheilung im März viele Aenderungen erfuhr, so
bot doch die europäische Wetterlage in ihrem Verlaufe wenig Abwechselung, da
mehrfach ähnliche Wetterlagen auftraten.
Bis zum 8. behauptete zunächst eine im Nordwesten liegende und nach
Centraleuropa buchtende tiefe Depression ihre Herrschaft über die Küste; tiefe
'Theilminima zogen ostwärts über Südschweden am 2. und 7. Im Rücken des
letzteren drang am 8. hoher Druck von der Biscaya-See und von Finnland vor,
so dafs die Depression im Nordwesten zurückgedrängt wurde, indem sich ein
SW—NE gerichteter Rücken hohen Druckes über Centraleuropa bildete, welcher
am 9. und 10. vorwiegend trockenes Wetter bedingte.
Doch bald gewann wieder eine Depression im Nordwesten ihren Einflufs,
und am 11. bis 13. zog ein- neues tiefes Theilminimum von der Nordsee in
östlicher Richtung über Südschweden. Nachdem am 14. eine ziemlich gleich-
mäfsige Luftdruckvertheilung über Centraleuropa bestanden hatte, nahte abermals
eine Depression im Nordwesten und behauptete ihre Herrschaft über die Küste
bis zum 19.; wieder zog am 16. und 17. ein tiefes Theilminimum ostwärts über
Südschweden, gefolgt am 18. und 19. von einem Ausläufer niedrigen Druckes,
der, von Regenwetter begleitet, vom Kanal her durch Nordwestdeutschland nach
dem Rigaschen Busen schritt. Am 20. drang hoher Druck von der Biscaya-See
und von Osten her nach Centraleuropa vor, und es folgten nun bei hohem Druck
über Centraleuropa bis zum 25, meist trockene, theils heitere, theils neblige,
warme Tage, bei vorwiegend leichten südöstlichen und östlichen Winden.
Vom 26. bis 28. war die Witterung abermals durch eine Depression im
Nordwesten beherrscht; ein Theilminimum schritt in diesen Tagen von der Irischen
See durch Nordwestdeutschland nach Pommern, am 27. in der Nordsee vereinzelt
stürmische Winde aus NW-—Nord, Stärke 8, hervorrufend, in Wechselwirkung
mit einem von der Biscaya-See stark vordrängenden Hochdruckgebiet. Als am
28. hoher Druck von NE her sich über Skandinavien ausbreitete, zog das Minimum
wieder westwärts und verschwand über Nordwestdeutschland, während eine
Depression von Südosten her sich über Centraleuropa ausbreitete und ein Rücken
hohen Druckes, von England bis Finnland reichend, zur Entwickelung gelangte,
so dafs die Depression ım Nordwesten zunächst ihren Einfluß verlor.
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