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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1896, 
Aehnlich starke Strömungen fand auch das Schiff „Industrie“, Kapitän 
0. Kampehl, welches auf der Reise von Liverpool nach San Francisco die 
Aequatorialzone um dieselbe Zeit durchquerte. Das Schiff schnitt die Linie, 
ebenfalls am 31. Januar, ungefähr einen halben Grad östlicher als „Sirene“, in 
27,9° W-Lg, konnte aber selbst von dieser so viel günstigeren Stellung aus bei 
dem ungewöhnlich schralen Passat die Küste von Brasilien nicht auf einem Buge 
freisegeln. Ein dritter Mitsegler, der vor der Küste zu wenden genöthigt war, 
ist die Bark „Panamd“, Kapt. G. O0. Köster, welche die Linie am Mittage des 
1. Februar in 28° 55‘ W-Lg überschritt und wie „Sirene“ weit in Lee von 
Fernando Noronha passirte, während „Industrie“ noch soeben die Luvseite der 
[nsel klaren konnte, Letzteres glückte auch der Bark „Elisabeth Rickmers‘“, 
die am 31. Januar in 28° 30‘ W-Lg über die Linie ging, aber auch sie lief mit 
dem beständig schral aus SSE wehenden Passat gegen die Küste an und mufßste 
kreuzen. Erst in 7° 8-Br, bis wohin zu gelangen von der Linie aus durchweg 
sechs Tage in Anspruch nahm, erhielten die Schiffe den Wind so raum, dafs sie 
längs der Küste liegen konnten. Jedenfalls waren alle diese vier Mitsegler nicht 
so gut im Stande, Luv zu halten, wie ein fünfter, die Bark „Helios“, Kapitän 
®, Ostermann. Dieselbe kreuzte die Linie am selben Tage mit „Sirene“, 
„Industrie“ und „Elisabeth Rickmers“ und auch so westlich als in 28° 55‘ W-Lg, 
passirte aber trotzdem luvwärts von Fernando Noronha und lief erst in 7° 23‘ S-Br, 
welchen. Punkt sie in nur drei Tagen erreichte, gegen die Küste an. Nachdem 
sie nur vier Stunden auf St. B.-Halsen ostwärts gesegelt hatte, konnte sie einen 
Schlags das Land klaren. Das Schiff „Pampa“, Kapt. C. Steincke, welches 
ebenfalls am 31. Januar, aber in einer sehr östlichen Länge zwischen 25° und 
26° West die Linie überschritt, legte die Strecke von 0° bis 7° S-Br freilich in 
nur zwei Tagen zurück. 
2. Ueber Santa Rosalia, Unter-Kalifornien, und die Reise von 
dort nach San Francisco und Tacoma bemerkt Kapt. H. Frese vom Schiffe 
„Kalliope“ das Folgende: Ein frischer Passat brachte uns auf der Reise von 
Cardiff nach Santa Rosalia am 29, Juni 1891 nach 8,5° N-Br und 111,6° W-Lg. 
Hier setzten nordnordwestliche bis nordwestliche Winde ein, welche in 13,2° N-Br 
und 108,7° W-Lg ihr Ende erreichten. Mit den nun eintretenden leichten, von 
Stillen unterbrochenen südlichen Winden gelangten wir am 9. Juli nach 16,5° N-Br 
and 109,6° W-Lg, woselbst ein leichter Nordost- bis Nordnordostwind, anscheinend 
der Passat, einsetzte. Mit diesem oft von Windstillen unterbrochenen Winde 
erreichten wir endlich am 24, Juli Kap San Lucas. Im Golfe von Kalifornien 
war der Wind leicht und veränderlich aus allen Richtungen, am Tage aber vor- 
herrschend aus SE. Unter solchen Verhältnissen kamen wir erst am 29. Juli 
vor Santa Rosalia zu Anker. Die Abfertigung eines Schiffes hierselbst nimmt 
viel Zeit in Anspruch; wir benöthigten nicht weniger als 68 Tage, um 2208 Tonnen 
Kohlen zu löschen und Ballast wieder einzunehmen, Während dieser ganzen 
Zeit war das Wetter meistens schön, nur in einigen Nächten traten schwere Böen 
aus SE auf. Dieselben dauerten nur eine kurze Zeit, höchstens eine halbe 
Stunde, und waren selten von Regen begleitet. Sie können den Schiffen sehr 
yefährlich werden. Während unserer Anwesenheit erlitten die beiden englischen 
Schiffe „Engelhorn“ und „Lord Lyndhurst“ in einer solchen Böe am 6. August 
sehr starke Beschädigungen, die sich hier nur nothdürftig repariren ließen. Hin 
anderer grofser Uebelstand für die Schiffe besteht darin, dafs in Santa Rosalia 
außer frischem Fleische so gut wie gar keine KErfrischungen zu haben sind. An 
Gemüse kann man nur gelegentlich Kürbisse bekommen. 
Am 6. Oktober versegelten wir von Santa Rosalia nach San Francisco. 
Im Golfe trafen wir wiederum leichte veränderliche Winde, so dafs erst am 
12, Tage der Reise Kap San Lucas erreicht werden konnte, Von hier ab wurde 
die Reise bei leichten nordöstlichen bis nordwestlichen Winden auf einem . Kurse 
zwischen West und Nord fortgesetzt. Am 9. November befand sich das Schiff 
auf 34,5° N-Br und 131,8° W-Lg. Von hier segelten wir meistens bei leichten 
nördlichen Winden über St-B. nach Osten und erreichten San Francisco erst am 
28, November.‘, Hier wurde uns die Ordre zu Theil, nach Tacoma zu segeln, zu 
weleher Reise noch 11 Tage benöthigt waren. Die ganze Reise von Santa 
Rosalia bis Tacoma hatte demnach eine Dauer von 64 Tagen.
	        
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