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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Berichte über Seebeben. 
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Wetter schön, See ruhig. Viele Mitsegler in der Nähe. Bark „Freya“, Kapt. 
C. Schnieders, von Hamburg nach Acapulco. 
; Ueber dieses Seebeben sind mehrere Berichte eingegangen, von denen die 
übrigen bereits an der oben bezeichneten Stelle veröffentlicht worden sind, 
2, Als das von Kapt. J. C. Kolderup geführte norwegische Schiff „West 
Australian“ sich um 11* 15” wahrer Ortszeit am Morgen des 19. November 1893 
in 1° 7/N-Br und 29° 18‘ W-Lg nahe bei der kleinen Felseninsel St. Paul befand, 
wurde dort ein leichtes Seebeben beobachtet. Die dadurch hervorgerufene Wir- 
kung war als ob das Schiff leicht über Felsenboden hinging. Es wehte zur Zeit 
leichter Südostpassat, bei dem das Schiff etwa 4 Sm in der Stunde nach Süd- 
wesien segelte. Das Wetter war schön und heiter. 
3. An Bord des in dem bei 25° S-Br gelegenen chilenischen Hafen Taltal 
ankernden deutschen Schiffes „Nesaia“, Kapt. H. Petersen, wurde um 3" morgens 
des 2. Oktober 1894 eine durch Seebeben verursachte starke Erschütterung des 
Schiffes beobachtet, die 10 bis 12 Sekunden dauerte. Die Leute der Besatzung 
wurden dadurch aus dem Schlafe geweckt. Gleich nach der ersten Erschütterung 
erfolgte noch eine zweite von geringerer Stärke und Dauer. 
4. Als das nach lquique bestimmte deutsche Schiff „Undine“, Kapt. 
H. Otto, sich ‚abends um 8" 45” des 3. September 1894 in 21° 0‘S-Br und 
70° 34 W-Lg befand, wurde dort ein leichtes Seebeben von 2 bis 3 Sekunden 
Dauer beobachtet, Das Schiff verfolgte zur Zeit bei leichtem Südwinde einen 
nordöstlichen Kurs, 
5. An Bord des um 9* morgens des 15. Mai 1895 in 5° 54 N-Br und 
33° 18‘ W-Lg stehenden deutschen Schiffes „Pestalozzi“, Kapt. J. E. Jensen, 
wurde ein 10 Sekunden anhaltendes Seebeben beobachtet. Es wehte zur Zeit ein 
frischer Nordostpassat, bei dem das Schiff mit 7 Sm Fahrt nach Nordwesten 
segelte. Das: Wetter war schön. 
6. Als sich das auf einer Reise nach Melbourne begriffene deutsche Schiff 
„H. Bischoff“, Kapt. B. J. Schwarting, um 7* 45" morgens des 22. August 1894 
im Südatlantischen Ocean in 32° 55‘S-Br und 24° 4' W-Lg befand, wurde dort 
sin etwa 25 bis 30 Sekunden dauerndes Seebeben beobachtet. Die Erschütterung 
schien sich von SSO nach NNW fortzupflanzen, und das Schiff erzitterte dadurch, 
als ob es über felsigen Boden hinwegginge. Gleichzeitig war ein Getöse hörbar, 
welches mit fernem Donner oder mit dem Geräusche, welches über das Verdeck 
gerollte Fässer verursachen, verglichen wurde. Es herrschte zur. Zeit ganz 
leichter Ostwind. bei gutem Wetter. 
7. Als sich das von Kapt. J. Wessels geführte deutsche Schiff „Hansa“ 
am 5. Februar 1892 in dem an der Südküste von Mexiko liegenden Hafen von 
Salina Cruz befand, wurden dort um 7 Uhr abends zwei kurze, ziemlich starke 
Erschütterungen des Schiffes beobachtet. Das diesen Vorgang bewirkende Erd- 
beben trat auch in Orten, die 20 Sm westwärts an der Küste liegen, und auch in 
Tehuantepec auf. 
8. An Bord des nach Singapore bestimmten deutschen Schiffes „Renee 
Rickmers“, Kapt. J. H. Westermeyer; wurde um 4" 45” morgens des 16. Februar 
1895 eine durch Seebeben verursachte Erschütterung des Schiffes bemerkt. Das 
Schiff befand sich damals in 4° 30‘ N-Br und 95° O-Lg in Sicht der südwestlichen 
Küste von Atschin. Es wehte leichte Briese aus NNW. ; 
Notizen. 
1. Ungewöhnlich schraler Passat an der Küste Brasiliens. Im 
Reisebericht des Schiffes „Sirene“, welcher im Maiheft des Jahrganges 1894 
der Annalen erschien, wurde berichtet, dafs dieses Schiff auf seinem Wege nach 
Süden Anfang Februar 1893 an der Küste von Brasilien den Passat ungewöhnlich 
schral für die Jahreszeit antraf, wodurch es zu längerem Kreuzen genöthigt 
wurde. Dafs das Schiff in diese üble Lage gerieth, wurde in erster Linie ver- 
schuldet durch die starke Strömung, welche es nördlich vom Aequator in vier 
Tagen, während welcher astronomische Beobachtungen nicht angestellt werden 
konnten, unerwarteterweise um 2° nach Westen versetzte. Südlich der Linie 
wurde am 1. Februar eine Versetzung von 44 Sm nach WSW und am 2. eine 
solche von 39 Sm nach W?%/4S beobachtet.
	        
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