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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1896, 
selbst. Lag Lüheck im Bereiche des Maximums oder innerhalb gradliniger Isobaren, 
so fand sich der niedrigste Luftdruck meist im Osten, seltener im Süden, noch 
seltener im NO. Von den wirklichen Sturmfluthen traten 5 zwischen Minimum 
and Maximum, 2 im Bereich des ersteren, keine in jenem des letzteren ein. 
Die höchste Fluth im betrachteten Zeitraum 1887 bis 1894 trat am 
25. November 1890 ein. Auf diese geht der Verfasser etwas näher ein und 
theilt in einer Tafel die Wasserstandskurven von Travemünde und Lübeck sowie 
vier synoptische Kärtchen mit, welche wir hier als lehrreiche Beispiele wieder- 
geben wollen. Der höchste Stand trat am 25. vormittags in Travemünde zwischen 
8 und 9 Uhr, in Lübeck (Struckfähre) zwischen 11 und 12 Uhr ein. Aus den 
Kärtchen erkennt man, dafs in Lappland hoher Luftdruck herrschte, Mittel- und 
Südeuropa aber von einem Gebiet niedrigen Druckes eingenommen wurden, in 
dem sich ein Wirbelceentrum am 24, und 25. von Deutschland nach Südrussland 
bewegte und auf dessen Rückseite am 25. ein zweites über Italien sich ausbildete, 
Erst nach 5a des 26. sank das Wasser rasch, nachdem der Wind von NE nach 
Ost umgegangen und von Stärke 8 bis 7, die er am 25, hatte, auf Stärke 4 ab- 
genommen hatte. 
Der zweite Aufsatz, über den wir zu berichten haben, steht im Central- 
blatt der Bauverwaltung, XV, No. 37, und stammt von Prof. M. Möller in 
Braunschweig. Er geht von dem Umstande aus, dafs der Höhepunkt einer 
Sturmfluth, d. h, der höchste Wasserstand, auch in Meeren ohne Ebbe und Fluth, 
wie die Ostsee, häufig nicht mit der gröfsten Windstärke zusammenfällt; das 
Wasser fällt bei fortdauerndem Sturm oder steigt bei Windstille, So pendelt nach 
starken Weststürmen, welche das Wasser von der Westküste Schleswigs nach 
Russland getrieben haben, bei plötzlich eintretender Windstille das Wasser zurück, 
schwingt infolge der lebendigen Kraft der einmal entstandenen Rückströmung 
über die Gleichgewichtslage hinaus und erzeugt Hochwasser in Flensburg. Ein 
plötzlich aufspringender Sturm besitzt dementsprechend eine höher empor- 
3chwellende Einflufslinie als ein langsam auf die gleiche Stärke anwachsender. 
„Es muls sich für eine Oertlichkeit ein Gesetz ergeben, um wieviel Stunden 
nach dem Beginn des Sturmes die Einflufslinie des Sturmes den Höchstwerth 
erreichen wird, wofern der Sturm nicht vorher nachläfst. Diese Zeitspanne 
scheint für Cuxhaven etwa 16 Stunden zu betragen. Daher wird sich im Vor- 
wege ermitteln lassen, ob der Höchstwerth der Sturm-Einflußlinie mit dem 
Niedrig- oder Hochwasser der Tide zusammenfallen wird, ob also die Gefahr 
minder grofßs oder sehr grofs ist. Eine genauere Behandlung der Aufgabe ist 
möglich, wenn man sich der Mühe unterzieht, die Einflufslinie einer jeden Wind- 
stärke zu ermitteln, und zwar für den Fall, dafs dieser Wind nur während einer 
gewissen Zeit, z, B. drei Stunden hindurch, weht. Durch Zusammenreihung der 
Theilwirkungen ergiebt sich alsdann für den Fall wechselnder Windstärken die 
wirklich in die Erscheinung tretende Einfluflinie.“ 
An einem willkürlichen Beispiel zeigt darauf Herr Möller die Art dieser 
Berechnung unter zwei Voraussetzungen: dafs der Sturm von der gegebenen Zeit 
an in voller Stärke fortdauern oder dal er plötzlicher Windstille weichen werde. 
Zwischen beiden Grenzen wird die wirkliche Bewegung des Wasserstandes wahr- 
scheinlich liegen. 
„Aus diesen Betrachtungen geht hervor, dafs man das Hochwasser eines 
Hafenortes, soweit es durch den Sturm allein bezw. durch Sturm und Tide gemeinsam 
arzeugt wird, auf eine ganze Reihe von Stunden im Voraus angenähert wird 
berechnen können, wenn man, der Anregung des Herrn Bubendey*) folgend, die 
Einflufslinien der Winde und Stürme für viele verschiedene Fälle aus den Pegel- 
beobachtungen ableitet.“ W. K. 
Berichte über Seebeben. 
Nach den im Jahrgang 1894 dieser Annalen, Seite 349, veröffentlichten 
sind bei der Seewarte noch folgende Berichte über Seebeben eingegangen. 
1. 1893 November 1 um 1*20”a auf 17° 27 N-Br und 26° 8‘ W-Lg ein 
ziemlich starkes Seebeben, welches ungefähr 6 Sekunden anhielt. Wind NE 3, 
1) In den auf Seite 103 des vorigen Jahrganges dieser Annalen erwähnten Aufsälzen führt 
Herr B. die Trennung der durch den Wind erzeugten Aufstauung von der Gestirnfluth dureh.
	        
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