Reisebericht des Kapt. G. Green, Führer des Schiffes „Emitı Pascha“.
Die meteorologischen Verhältnisse von Malden-Eiland im Juni
und Juli 1891. Kapt. Green hat während seiner Anwesenheit in Malden-
Eiland, vom 9. Juni bis 21. Juli 1891, mit Ausnahme der Tage vom 15. bis
18. Juni, an denen er seine Station verlassen mufste, täglich um 8 Uhr morgens
und’ 8 Uhr abends die: an Bord üblichen meteorologischen Beobachtungen an-
gestellt, im Ganzen an 76 Stunden. Nach denselben war der Wind ausschliefslich
aus einer Richtung zwischen NE und SE. Am Morgen des 15. Juni wird aufserhalb
der gewöhnlichen Beobachtungszeit über einen Nordnordwestwind berichtet. Von
den 76 gemachten regelmäfsigen Beobachtungen ergaben 48, also nahezu zwei
Drittel, die Richtung Ost, nur. je einmal war der Wind Süd bezw. SSE, zweimal
NE und je zwölfmal ESE und SE. Die Stärke des Windes war meistens mäfsig,
ungefähr 4 der Beaufort-Skala, aus südlicher Richtung jedoch nur leicht. In den
Böen erreichte der Wind die Stärke 6. .
Nach den 76 Beobachtungen betrug der für 0° Temperatur und .auf den
Meeresspiegel reducirte mittlere Luftdruck 759,6 mm, für 8 Uhr morgens 759,8
und für 8 Uhr abends 759,5 mm. Die Schwankungen bewegten sich zwischen
762,7. und 758,2 mm. .
Die mittlere Temperatur der Luft betrug um 8 Uhr morgens 27,4°, um
8 Uhr abends 26,9°, die der Meeresoberfläche war zu beiden Zeiten 27,2° C.
Die höchste beobachtete Lufttemperatur betrug 28,9° um 8 Uhr morgens, die
niedrigste 26,2° € um 8 Uhr abends.‘ .;
Die mittlere Bewölkung erreichte den geringen Grad von 3,1; am Morgen
war dieselbe etwas stärker als am Abend. Ganz wolkenloser Himmel ist im
Ganzen zweimal, vollständig bedeckter nur .einmal notirt. . Die Cumuluswolke war
fast allein vertreten, vereinzelt kamen Cu-s und Nim und ganz selten. Cir vor.
Es herrschte im Allgemeinen das gewöhnliche Passatwetter mit gelegent-
lichen kurzen, von mehr oder weniger Regen begleiteten Böen. Unter den
39 Beobachtungstagen waren 9 Regentage, d. h. solche Tage, an denen es längere
oder kürzere Zeit regnete.
Die Brandung am Strande erreichte trotz: der wiederholt beobachteten
hohen Südsüdwestdünung, in der das Schiff manchmal stark arbeitete, meistens
keine grofse Höhe. Abgesehen von den vier Tagen — vom 15. bis 18. Juni
einschliefslich —, während welcher „Emin Pascha“ ‘des stürmischen Wetters
wegen seinen Platz verlassen hatte, kamen nur drei Brandungstage, an denen
nicht geladen werden konnte, vor. .
Am Morgen des 15. Juni war der Wind nach NNW geholt; infolgedessen
war das Schiff herumgeschwait, so daß es mit dem Heck in beunruhigender Nähe
der Brandung lag. Um 7 Uhr rief der Verwalter uns von der Landungsbrücke
zu, klar zu machen, um in See zu gehen. Der Werftaufseher kam gleich darauf
in einem Boote mit 10 bis 12 Mann an Bord, um unsere Kette loszuschäkeln
und uns beim Setzen der Segel behülflich zu sein. Um 9 Uhr verliefsen wir die
Tonne, nachdem wir zuvor durch Trossen, welche von ‚vorne und hinten auf der
Tonne befestigt waren, das Schiff dwars zum Winde: gelegt, die Segel gesetzt
und vollgebrafst hatten. Der Wind war noch immer NNW, bei böig aus-
sehender Luft. :
.. Als wir einige Seemeilen vom Lande frei waren, wurde nach Osten gesteuert.
Der Luftdruck, welcher um 8 Uhr morgens 760,4 mm hetragen hatte, war um
8 Uhr. abends auf 761,2 mm (red.) gestiegen. Während der folgenden Nacht holte
der Wind westlich, wurde aber sehr flau, so dafs nur eben Steuer im Schiff blieb,
wobei auch eine hohe südwestliche Dünung ‚störend mitwirkte. Am 16. Juni
herrschte leichte Mallung mit böigem Wetter; später trat vollständige Windstille
ein. Am Mittag war der Schiffsort 4° 20‘ S-Br und 154° 39‘ W-Lg, Strom in
dem letzten Etmale S 55° W 12 Sm. Die Windstille hielt während des Nach-
mittags. an, bis gegen 5 Uhr ‚leichte Böen aus ENE mit Regen durchkamen. Wir
steuerten mit diesen bei dem Winde nach SE. Nachts lief der Wind auf NE.
Am Nachmittag. des 17. Juni holte.der Wind wieder östlicher, weshalb um
5 Uhr nordwärts gewendet: wurde. Am 18. Juni um 5'/2 Uhr morgens befand
sich das Schiff auf 4° 32‘ S-Br und 154° 36’ W-Lg bei EzN-Wind, Stärke 4. Um
8 Uhr morgens hatte das Barometer denselben Stand wie am Ahend vorher,
nämlich 760,2 mm. Um Mittag bekamen wir die Malden-Insel in Sicht, und um
51/2 Uhr nachmittags war das Schiff, nach einer reichlich dreitägigen Abwesenheit.