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Oberflächenströmungen im südwestlichen Theile der Ostsee.
Die Strömung setzte während der angegebenen Zeit
nach:
mit einer Geschwindigkeit im Etmal von:
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Wie man sieht, machte der gewöhnlich angenommene Abfluls des Wassers
der Ostsee nach der Nordsee hin, der eine vorwiegende Bewegung nach West
and Nordwest hervorrufen müfßste, sich hier nicht bemerkbar, vielmehr setzte
die Strömung, entsprechend dem Vorherrschen westlicher Winde, sowohl der
Häufigkeit als der Stärke nach zumeist, nach Südost. Südliche Strömungen
kamen häufiger vor als nördliche und waren auch von durchschnittlich gröfserer
Stärke. Ueber drei Fünftel derselben erreichten eine grölsere Geschwindigkeit
als 6 km, während von den nördlichen Strömungen mehr als die Hälfte unter
ökm blieb. Die gröfste gefundene Strömung war S60° E 30000 m, beobachtet
am 29, Dezember 1885, bei starkem Sturm aus Westsüdwest.
Meistens war die Strömung nur von geringer Stärke, so dafs sie in zwei
Drittel aller Fälle weniger als 10 km (5,4 Sm) im Etmal betrug. Hiernach könnte
man zu der Annahme gelangen, dafs dieselbe praktisch nur von geringer Be-
deutung sei. Demgegenüber mufßs aber bemerkt werden, dafs unter gewissen
Umständen, nämlich bei anhaltenden starken Winden, wie sie besonders im Herbst
and Winter oft vorkommen, die stetige Versetzung nach derselben Richtung
sich doch leicht zu einem solchen Betrage summirt, dals ihre Nichtberück-
sichtigung einem Schiffe, dessen Besteck mehrere Tage hindurch nicht berichtigt
werden Konnte, entschieden gefährlich wird; zumal in dem verhältnifsmäfsig
engen Fahrwasser der Ostsee, Zum Belege führen wir aus der Beobachtungs-
reihe nur folgende Beispiele von Stromsummen au: vom 14, bis 18. August, in
5 Tagen 79,5 km (42,9 Sm) nach SE; vom 21. bis 24, September, in 4 Tagen
58,7 km (31,7 Sm) nach ESE; am 26, und 27, November, in 2 Tagen 38,8 km
(20,9 Sm) nach NW; vom 1. bis 9, Dezember, in 9 Tagen 143,7 km Ce Sm)
nach SE; vom 28. bis 31. Dezember 1885, in 4 Tagen 80,6 km (43,5 Sm) nach
SEzE; vom 18. bis 21. April 1886, in 4 Tagen 61,8 km (33,4 Sm) nach NW.
Ferner muß man auch bedenken, dafs die vorliegenden Messungen in einer
Tiefe von 5m angestellt worden sind. Die Mitte der Wasserschicht, in welcher
die Schiffe schwimmen, liegt bei einem durchschnittlichen Tiefgange der letzteren
von 4 bis 5m aber nur 2 bis 2% m unter der Oberfläche, und es ist wohl an-
zunehmen, dafs hier die durch den Wind hervorgerufene Strömung eine erheblich
gröfsere sein kann.
Die Strömungen bei veränderlichen Winden.
Nach dem, was wir hier gefunden haben, mufs an den Tagen, wenn der
Wind nicht beständig ist, die für das ganze EKtmal sich ergebende Strömung
sich als das Resultat der verschiedenen Winde, welche im Laufe des Tages
geherrscht haben, darstellen. Diese Voraussetzung findet sich bei der Be-
trachtung der derartigen Fälle in dem Verzeichnisse in der That auch fast
immer bestätigt, Fast immer steht die Gesammtströmung mit der zu erwartenden
Gesammtwirkung der aufgetretenen Winde in guter Uebereinstimmung. Wenn
einer der Winde an Dauer oder Stärke gegen die übrigen erheblich vorwiegt,
so zeigt sich die Strömung fast stets von diesem am meisten beeinflufst, in so
fern, als ihre Richtung der Richtung dieses Windes am nächsten liegt. Es mufs
hervorgehoben werden, dafs dies nicht nur der Fall, wenn der vorwiegende
Wind der zuerst. wehende, sondern auch, wenn er der neu einsetzende ist, denn
dies liefert einen weiteren Beweis dafür, wie rasch der Einflufs des Windes auf
die Strombewegung des Wassers sich fühlbar macht. Bei der Fülle von Bei-
spielen in der vorliegenden Beobachtungsreihe dürfte es nicht nothwendig sein,