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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1896.
gewesen ist sowohl in Jahren mit grofser Deklination, wie 1876, 1892, 1894
und 1895, als in solchen mit kleiner, wie 1880, 1883, 1886, und in beiderlei
Jahren auch gelegentlich verschwunden oder umgekehrt worden ist, wie 1884,
wo die Deklination klein, und 1859, 1873, und 1874, wo sie grofs war.
Die Frage, ob synodischer oder periodischer Monat, tritt indessen zunächst
zurück gegen die Hauptfrage, ob ein Mondeinflufs überhaupt außer Zweifel
gesetzt werden kann. Die Anzahl vom rund 30 bis 80 Mondumläufen, welche
jeder der obigen Zahlenreihen zu Grunde liegt, ist zwar gröfser, als bei den
meisten solchen Arbeiten benutzt worden ist, genügt aber doch noch nicht, um
den Zufall mit Sicherheit auszuschliefsen. Für die Gruppirung der hohen und
niederen Barometerstände an einzelnen Stationen nach dem Mondlaufe steht
erheblich mehr Material zur Verfügung, da hier von einigen Stationen mehr als
100jährige Beobachtungen bereits in extenso veröffentlicht vorliegen. Die von
mir eben erst begonnene Untersuchung in dieser Richtung hat bisher so viel
gezeigt, dafs die von Seemann und Meyer für die letzten Monate des Jahres
gefundene Periode, deren Rückführung auf die Schwankungen in der allgemeinen
Druck vertheilung durch die oben angeführte Ordnung der Isobarentypen gelungen
ist, sich auch in den seitdem verflossenen Jahren sehr deutlich gezeigt hat, und
sich auf den Faröern sowohl, als in Petersburg, als selbst in Wien und Lesina
im gleichen Sinne abgespielt hat wie in Hamburg; nur fallen im Süden die
Wendepunkte der monatlichen Barometerperiode merklich früher als im Norden.
Im 19jährigen Mittel 1875 bis 1893 ist sie an allen diesen Orten sehr deutlich
zu erkennen; die nothwendig zu erwartende Kompensation liegt also aufserhalb
Europas. Dagegen bleibt noch das bereits in den Seemannschen Zahlen hervor-
tretende Räthsel ihrer Verwischung und selbst kräftigen Umkehrung in vielen
Jahrgängen vor 1875 bestehen und mahnt zur Vorsicht. Vor Hinwegräumung
dieses Hindernisses würde eine allfällige praktische Verwendung der aus den
Jahren seit 1875 gewonnenen Thatsachen für die Wetterprognose verfrüht sein.
Diese Thatsachen aber bestehen, kurz zusammengefafst, in einer je nach
der Jahreszeit verschiedenen abwechselnden Verschiebung des hohen Luftdrucks
auf das europäische Festland (Isabarentypus K) und auf dessen Peripherie im
Südwest und Ost (Typus P) im Laufe eines Monats in einmaliger Schwankung; also
nicht etwa in einer halbmonatlichen Periodieität, wie sie nach Analogie der
Spring- und Nippfluthen manchen grundlosen Wetterprognosen schon jetzt zu
Grunde gelegt wird.
Entwickelung der elektrischen Beleuchtung an den Küsten
Frankreichs.
Von Korv.-Kapt. z. D. DARMER, Küstenbezirks-Inspektor für Ost- und Westpreufsen,
Nach der vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Frankreich zur
Erläuterung der französischen Ausstellung der Leuchtfeuer in Chicago heraus-
gegebenen Schrift „Notices sur les appareils d’6clairage‘“ hat die Entwickelung
der elektrischen Beleuchtung der französischen Küsten in der nachstehend auf-
geführten Weise stattgefunden: Ä
A. Ursprüngliche Organisation, Programm von 1882.
Die elektrische Beleuchtung wurde nach einem von Allard, derzeitigem
Chef-Ingenieur des Beleuchtungswesens, aufgestellten Programm durch Gesetz
vom 3. April 1882 beschlossen, Nach diesem Programm sollten 46 Leuchtthürme
mit elektrischem Licht nahe in gleichem Abstande so an den Küsten entlang
aufgestellt werden, dafs diese, ausgenommen bei Nebel und Unsichtigkeit der
atmosphärischen Luft, von einem ununterbrochenen Lichtgürtel eingefafst werden.
, Dieses Beleuchtungssystem beruht auf den gleichen Grundsätzen, welche das
Leuchtfeuer-Komitee schon im Jahre 1823 aufgestellt hatte, als zum ersten Male
eine methodische Beleuchtung der französischen Küsten in Aussicht genommen
worden war. Diese Grundsätze sind allgemein anerkannt und seitdem fast in
jedem Lande zur Ausführung gebracht worden.