Reisebericht .des Kapt. &. Green, Führer des Schiffes „Emin Pascha“,
L!/2.Sm ‚von den Tonnen entfernt war, konnten wir ein Boot mit einigen Leuten
Jicht am Strande bemerken. Ich setzte daher meinen Kurs fort; allein das Boot
kam nicht ab, auch nicht, als .wir die-erste Tonne erreicht hatten und back-
brafsten.. Als endlich das Boot längsseits lag und.ein Mann aus demselben das
Deck betrat, war. das ‚Schiff kaum eine Schiffslänge von der Tonne entfernt.
Das erste Wort, welches der Mann sagte, war: „Auf das Ruder, die Tonne ist
noch. nicht fertig, es .dauert zwei Stunden, bevor dieses geschehen sein wird; Sie
hätten am anderen Ende-der Insel beidrehen. müssen.“ Ich machte ihn darauf
aufmerksam, dafs, nachdem wir das Ostende der Insel in einem Abstande von
5 Sm dwars hatten, wir mit kleinen Segeln weiter gefahren seien und die Lootsen-
flagge seit dem Insichtkommen der Insel. geweht habe. Ferner wies ich darauf
hin, dafs.das leicht beladene Schiff rasch abtreiben würde, eine Trosse zum Fest-
machen an der Tonne bereit läge und: ein Boot zum sofortigen Herunterlassen
fertig sei, Alles war jedoch vergeblich; der Mann erwiderte einfach, das direkte
Festmachen an der Tonne sei nicht erlaubt, wenn. das Schiff nicht aufkreuzen
könne, so sei das nicht seine Sache. Selbstverständlich waren wir während dieses
Hin- und Herredens immer weiter abgetrieben, es mufste, da allein die Marssegel
standen, herumgehalst und, nachdem alle Segel gesetzt waren, versucht werden,
wieder aufzukreuzen. Der: als Lootse fungirende Mann. blieb zunächst an Bord.
Nachdem wir zwei Stunden abgestanden hatten, gingen wir über Stag, konnten
jedoch nur bis auf 1/2 Sm: an die Tonnen 'herankommen. Jetzt ging der Lootse
an Land, da es für heute doch zu spät war, und wir standen wieder südwärts,
Vorher theilte er mir noch. mit, dafs während. der Nacht auf der Insel ein Licht
aufgezogen würde. Bei unserer Rückkehr sollten‘ wir uns: solange luvwärts von
der Insel halten, bis die Flagge, die für gewöhnlich am Topp des Mastes weht,
von der Raanock gezeigt würde. Letzteres sollte ein Zeichen dafür sein, dafs
die Tonnen fertig wären, um das Schiff daran festzumachen. Unsere eigenen
Trossen würden nicht in Gebrauch kommen, sondern es würde uns eine Lrosse
von der Tonne entgegengebracht werden. Letzteres sowie. das Festmachen der
Leine an der Kette der Tonne nähme immer eine gewisse Zeit in Anspruch.
Es war meine Absicht, um Mitternacht wieder über Stag zu gehen, indessen
holte der Wind gegen diese Zeit soweit nördlich von Ost, dafs wir SE anliegen
konnten, während wir den ganzen Nachmittag nach SzO gesegelt waren. Unter
solchen Umständen konnte von Wenden keine Rede sein. Am folgenden Mittag, den
29. Mai, schien der Wind Neigung zu haben, wieder südlicher zu holen, und
gingen wir daher um 2'/2 Uhr nachmittags über den anderen Bug und ‚segelten
nordwärts. Gegen Abend schralte der Wind wieder weg, SO dafs wir nur NzO
vorliegen konnten.
Da das leicht beladene Schiff. selbst in dem schlichten Wasser noch eine
Abtrift von 1 Strich hatte, so war ein Aufkreuzen gegen eine so starke Strömung,
wie wir in der letzten Zeit gehabt hatten, nicht möglich. Es konnte daher
nichts Anderes übrig bleiben, als wieder südlich von 10° S-Br zu. gehen.
So Kreuzten wir fünf Tage lang. Die beobachteten Stromversetzungen
waren vom 28. zum 29. Mai S 87° W 21 Sm, vom 29. zum 30. S 67° W_18 Sm,
vom 30. bis zum 31. S 72° W 3 Sm und vom 31; Mai bis zum 1, Juni N 48° W
26 Sm. Um 10 Uhr 15 Minuten. vormittags, den 2. Juni, wurde endlich Malden-
Eiland wieder gesichtet, und zwar auf Nordwestkurs ungefähr einen Strich in
Lee voraus... Um 12 Uhr 15 Minuten stand das Schiff 3 bis 4 Sm südöstlich von
der Südostspitze der Insel. Ich legte hier das Grofsmarssegel back, um zu
warten, da die Flagge ‚nach immer vom Masttopp und nicht von. der Raanock
wehte. Gleich nach 1 Uhr wurde jedoch eine blaue Flagge an der Raanock
geheißst. _ Wir braßten jetzt wieder voll und steuerten bei einer leichten Briese
aus ESE mit einer Fahrt von 2!/s Knoten nach dem Westende der Insel. Etwas
nach 2 Uhr kam der Werltaufseher, Herr Howard, an Bord, 2 bis 3 Sm von
den Tonnen; um 3'/ Uhr holten wir das Schiff an eine derselben und machten
es fest. Von den drei hier liegenden Tonnen sind nur zwei mit Ankern versehen,
die dritte liegt an einer Kette, deren Ende am Lande befestigt ist. Schiffe, die
an der letztgenannten Tonne festgemacht sind, müssen daher auch ihre eigenen
Anker mit benutzen. Nach Aussage des Herrn Howard sind die beiden ersten
Tonnen auf einer Wassertiefe ‚von 128 m (70 Faden) verankert. Die Anker sind
‚wieder durch Ketten von 265 m (145 Faden) Länge mit einem. schweren Anker