156 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1896.
antrifft, gehören dem System östlich wandernder Luftdruckmaxima an, und man
hat deshalb am meisten Aussicht, den Wind vorwiegend östlich zu behalten,
wenn man sich nördlich hält, während man in höherer Breite, an der Südseite
der Zugstraße der Maxima, westliche Winde zu erwarten bat. "Trifft man den
Passat so steif und schral wehend, dafs man auch die hier empfohlene Route
nicht ohne Beeinträchtigung der Fahrgeschwindigkeit einhalten kann, so sollte
man in der Erwartung, daß bald genug flauere und raumere Briese folgen wird,
noch westlicher abhalten und, wenn es sein mufs, nördlich von Mauritius und
Reunion passiren. Es ist ein häufiger und viel zur Verlängerung der Reise
beitragender Fehler von Schiffsführern, dafs sie nicht genügend Rücksicht auf
die Veränderlichkeit des Windes nehmen und, statt durch einiges Abhalten vom
Kurse die günstige Gelegenheit gehörig auszunutzen, gegen jeden Wind ankneifen.
Diese Praxis hat in engen Gewässern ihre Berechtigung, in der großen Fahrt
ist sie aber keineswegs angebracht.
Sollte der angetroffene stürmische Passat der Verbote eines Orkans sein,
so kann das empfohlene Abhalten noch die weitere günstige Folge haben, dals
man diesem entgeht, indem derselbe, bevor er das Schiff erreicht hat, auf seiner
Bahn nach Süd und SE umbiegt. Diese sogenannten Mauritius-Orkane kommen
am häufigsten in den Monaten Dezember bis April vor. Die Schiffe, welche auf
der Fahrt nach dem Kap von denselben betroffen werden, haben den Wind bei
Beginn des Sturmes gewöhnlich aus der Südostpassatrichtung. Ihr Verhalten
mufs sich nach der Breite, in der sie sich befinden, und nach der beobachteten
Windänderung richten. Steht man noch in verhältnifsmäfsig niedriger Breite,
wo ein westliches bis südwestliches Fortschreiten des Centrums wahrscheinlich
ist, so drehe man auf Backbordhalsen bei und warte den Vorübergang des
Sturmes ab, der sich durch das Steigen des Barometers und das Nordöstlichholen
des Windes anzeigt. Wenn man dann seinen Kurs wieder aufnimmt, sollte man
sorgfältig das Barometer beobachten, ob dasselbe auch wieder fällt, damit man
nicht von Neuem in den Sturm hineingeräth. Hat man dagegen schon eine
höhere Breite als 20° S erreicht, wo ein Umbiegen der Sturmbahn nach Süd und
SE zu erwarten ist, so dürfte es rathsamer sein, den gewöhnlichen Kurs nach
WSW bis SW möglichst lange fortzusetzen. Wird der Wind so schwer, dafs
man diesen Kurs nicht mehr einhalten kann, und bleibt er zugleich aus derselben
Richtung, oder holt er inzwischen östlicher, so drehe man auf Backbordhalsen
bei. Holt der Wind südlicher, so dafs man aus diesem Grunde abhalten muß,
so thue man dies so, dafs man den Wind immer noch einige Striche von Backbord
einkommend hält, und drehe dann auf Steuerbordhalsen bei, wenn der Wind
durch SSW gegangen ist. Bei Winden aus Ost und NE sollte man, wenn
man sich in 20° oder einer südlicheren Breite befindet, vorsichtig sein und auf
Backbordhalsen beidrehen, wenn das Fallen des Barometers die Annäherung an
das Orkancentrum anzeigt. Mit dem Winde aus dem westlichen Halbkreise steht
man an der ungefährlichen Seite der Cyklone. Man kann in dieselbe unter
gewöhnlichen Umständen nur hineingerathen durch die eigene Fortbewegung des
Schiffes, und da der Wind ohlnedies dem Kurse entgegen ist, verliert man keine
Zeit, wenn man das Schiff beilegt und den Abzug des Sturmes abwartet.
Uebrigens wächst der Südostpassat des Indischen Oceans sehr oft zu einer
stürmischen Stärke an, ohne dafs es zu einem Orkan kommt. Das sichere Vor-
zeichen des letzteren ist das Fallen des Barometers,
Bei der Umsegelung des Kaps der Guten Hoffnung gehen die
Schiffe gewöhnlich auf der Höhe von Algoa-Bai in Sicht der afrikanischen
Küste. Es kann aber nicht schaden, vielmehr in den allermeisten Fällen nur
von Vortheil sein, wenn man schon früher sich derselben nähert. Der Wind
weht hier gewöhnlich nahezu längs der Küste aus Ost bis NNE, oder aus dem
Lande aus NW und SW, und ist also in dieser Beziehung mit der Annäherung
keine grofßse Gefahr verknüpft; doch sollte man so viel Abstand behalten, dafs
man bei einem gelegentlichen Südoststurm Raum zum Treiben hat, ‚Jedenfalls
hat man näher dem Lande mehr Vortheil von der Agulbas-Strömung; infolge-
dessen bewerkstelligen die von Sansibar kommenden Schiffe, welche von Kap
Santa Lucia in ungefähr 80 Sm Abstand längs der Küste steuern, die Umsegelung
auch durchweg in kürzerer Zeit, als die von Osten kommenden. Wenn man