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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1896. 
zum 10. April auf unserem Ankerplatze. Um 1'/z Uhr morgens am letztgenannten 
Tage gingen wir bei leichtem nördlichen Zuge mit Eintritt der Ebbe wieder 
ankerauf. Um 6 Uhr morgens passirten wir die Heads. Der anfänglich sehr 
leichte Wind frischte zwar am Nachmittage etwas auf, er hielt sich aber nördlich, 
und die Luft war warm. Am 11. April um 4 Uhr morgens bekamen wir das 
Feuer von Wilson Promontory in Sicht. Am Vormittage frischte der Wind rasch 
auf und holte etwas westlicher mit heftigen Böen und etwas Regen. Am Nach- 
mittage flaute der Wind wieder ab, schwankend zwischen WNW und WSW. Um 
2 Uhr 35 Minuten wurden die Kent-Inseln passirt. 
Auf die südwestlichen Winde, welche uns während der ersten Tage 
aufserhalb der Bass-Strafse begünstigt hatten, folgten anhaltende Winde aus dem 
östlichen Halbkreise, welche die Reise sehr verzögerten. Erst in der Nacht vom 
26. zum 27. April wurde die Nordwestspitze von Neu-Seeland in einem Abstande 
von 70 Sm passirt. Am 28. und 29. wurde die Reise durch stürmische südwest- 
liche Winde, mit denen wieder etwas Süd. angeholt wurde, gefördert, und am 
30. April der Meridian von 180° in 332° S-Br bei leichter westsüdwestlicher 
Briese gekreuzt. Am 2. Mai gelangten wir zu unserer südlichsten Breite — 
ungefähr 36,0° — in 174,2° W-Lg,, dann ging es allmählich wieder nach Norden. 
Von etwa 34,4° S-Br in 165,7° W-Lg am 6. Mai, bis 22,2° S-Br in 151,7° W-Lg 
am 17. Mai, wehten stets, mit Ausnahme von zwei Tagen, in denen der Wind 
südwestlich holte, südöstliche Winde. Alsdann war die Windrichtung vorwiegend 
nordöstlich und östlich. Um 12'/2 Uhr mittags den 24. Mai kam die Flint-Insel 
in Sicht, und um 2 Uhr hatten wir die Mitte derselben in rw. 875° W 88 Sm 
entfernt, welche nach Findlay auf 11° 26‘ S-Br und 151° 48‘ W-Lg liegt. Durch 
gute Observationen berichtigten wir unsere Länge. 
Flint-Eiland ist eine niedrige, mit Buschwerk bewachsene Insel. Das 
Südende derselben ist etwa 15 bis 18 m hoch, das Nordwestende jedoch, von 
dem einige Klippen ziemlich weit abliegen, bedeutend niedriger. Am Südende 
der Insel scheint sich das Riff am weitesten landab zu erstrecken, und zwar 
in südöstlicher Richtung. Wir konnten, obwohl etwa 8 Sm vom Lande entfernt, 
deutlich die Brandung auf diesem Riffe sehen. Ungefähr recht in der Mitte der 
Insel stehen einige Bäume dicht zusammen, welche über das andere Buschwerk 
hervorragen und ganz das Ansehen der „Holländischen Mütze‘ bei Memel haben. 
Am 27. Mai um 12 Uhr mittags befand sich das Schiff auf 4° 6’ S-Br und 
154° 45' W-Lg. Der Wind war sehr leicht östlich und es daher zweifelhaft, ob 
wir Malden-Eiland noch vor Dunkelwerden erreichen könnten. Ich hielt es 
daher für sicherer, zu versuchen, uns bis zum nächsten Morgen östlich von der 
Insel zu halten. Ich legte das Schiff mit B. B.-Halsen nach Süden an den Wind, 
weil die in Melbourne von meinem Befrachter erhaltene gedruckte Segelanweisung 
besagte, dafs die westliche Strömung südlich von der Insel schwächer sein soll 
als nördlich von derselben. Um Mitternacht wendeten wir nordwärts. Das 
Wetter war böig und regnerisch. In den Böen, die die Stärke 6 hatten, war 
der Wind ENE, doch nach denselben holte er immer wieder auf Ost bis EzS 
zurück. Am nächsten Morgen bekamen wir Malden-Eiland von der Vormarsraa 
um 8!% Uhr im Sicht und steuerten darauf zu. 
In der vorerwähnten Segelanweisung von Australien nach Malden-Eiland 
heifst es in der Uebersetzung ungefähr wie folgt: „Ein nach Malden-Eiland be- 
stimmtes, von einem Hafen Australiens ausgehendes Schiff sollte seinen Weg im 
Norden von Neu-Seeland nehmen, die Three Kings-Inseln sichten und dann seine 
Länge in 30° bis 85° S-Br ablaufen. Wenn der Meridian von Malden-Eiland 
erreicht ist, steuere man, unter Berücksichtigung der westlichen Strömung, welche 
besonders nördlich von 10° S-Br stark auftritt, Nord auf. Ist der Wind beim 
Sichten von Malden-Eiland NE, so passire man, von Ost kommend, an der Nord- 
seite der Insel, ist der Wind dahingegen Ost oder SE, so segele man an der 
Südostseite entlang, bis man sich dem Ankerplatz auf etwa 1 Sm genähert hat. 
Auf das übliche Lootsensignal im Vortopp wird ein Boot abkommen, dessen 
Führer die erforderlichen Anweisungen bezüglich des Festmachens des Schiffes 
an der Vertäutonne ertheilt. Eine Trosse ist an Deck in Bereitschaft zu halten, 
am nöthigenfalls nach der Tonne ausgebracht zu werden.“ 
Ich richtete mich strikte nach diesen Anweisungen. Der Wind war. EzS, 
und ich lief daher dicht an der Südseite der Insel entlang. Als ich ungefähr
	        
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