154 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1896.
vorhergehenden Reiseabschnitt folgen, die dem Segelhandbuch der Seewarte
für den Indischen Ocean entnommen sind.
Von Rangun und Moulmain vor Mitte März ausgehend, setze man
den Kurs nach der Mitte des Zehngrad-Kanals und von hier weiter über 5° N-Br
und 90° O-Lg nach 0° Breite und 89° O-Lg. Von dort aus suche man recht nach
Süden zu gelangen, oder so viel Süd anzuholen, als sich bei der angetroffenen
Gelegenheit ermöglichen läßt. Nach Mitte März und bis Ende April suche
man ebenfalls durch den Zehngrad-Kanal oder, wenn dieses nicht ausführbar ist,
zwischen den nördlichen Nikobaren hindurch oder durch den Sombrero-Kanal
nach der Westseite der Inseln zu kommen, wobei man jedoch eine zu grofse
Annäherung an das Südende der Andamanen vermeiden sollte. Der Rest von
günstigem Nordostwinde, den man nicht selten zwischen 11° und 6° N-Br noch
antrifft, sollte benutzt werden, um noch einige Grad Länge anzuholen, so dafs
der Parallel von 5° N-Br in 90° O-Lg oder vielleicht besser noch in 89° O-Lg
überschritten wird. Es ist dies um so wichtiger, je später die Jahreszeit ist,
weil mit dem Fortschreiten dieser der Wind in der Nähe der Linie und südlich
derselben mehr und mehr eine südwestliche Richtung annimmt. Nachdem man
westlichen Wind erhalten hat, suche man nur Süd zu machen, ohne Rücksicht
darauf zu nehmen, ob man dabei etwas mehr oder weniger Länge wieder zusetzt,
bis man den Passat erfafst hat.
Von Bassein und Akyab steuere man zunächst etwas landabwärts und
setze dann im Februar den Kurs direkt nach dem für Rangun-Reisen angegebenen
Schnittpunkte von 5° N-Br. Im März und April empfiehlt es sich jedoch, zur
Vermeidung der Windstillen in der Mitte der Bai sich zunächst etwas näher den
Andamanen zu halten, so dafs der Meridian von 91° O-Lg nördlich von 10° N-Br
nicht überschritten wird, und erst dann westlicher hinaus zu steuern. Trifft man
bei Antritt der Reise den Wind westlich, so dafs die Route an der Westseite
der Andamanen nicht bequem eingehalten werden kann — welcher Fall besonders
auf Reisen von Bassein in der späteren Jahreszeit sehr oft eintritt, so nehme
man die Route an der Ostseite der Inseln, aber in guter Entfernung von den-
selben, östlich von Barren-Insel, und schneide den Parallel von 10° N Br nicht
westlich von 93° O-Lg. Des Weiteren verfahre man auf dem einen wie auf dem
anderen Wege, wie für Rangum angegeben,
Auf Reisen, die in den Südwestmonsun fallen, d. h. solchen, die im Mai
und den späteren Monaten bis September angetreten werden, sollte man
jede Gelegenheit, die sich in einem Südlichholen des Windes bietet, benutzen,
um Westlänge zu gewinnen. Ist der Monsun schon voll eingesetzt, so wird man
in der Regel genöthigt sein, nach der Ostseite der Andamanen zu gehen. Auch
hier sollte man keine Windänderung unbenutzt lassen, die eine gut westliche
Stellung zu erringen ermöglicht, und, wenn es angeht, schon nördlich von Grofs-
Nikobar nach der Westseite dieser Insel zu gelangen suchen. Von Rangun aus-
gehend, sollte man, mit der Ebbe aufkreuzend und während des Fluthstroms
ankernd, zunächst auf Lothgrund Luv zu gewinnen suchen, bevor man landabwärts
steht, es sei denn, dafs der Wind raum genug ist. einen Kurs westlich von Süd
zu gestatten,
In den meisten Fällen müssen die Schiffe, welche im Südwestmonsun östlich
der Inseln aufkreuzen, bis zur Durchfahrt südlich von Grofs-Nikobar gehen, bevor
sie nach Westen hinaus gelangen können. In den gebräuchlichen Segelhand-
büchern wird empfohlen, hier nahe der Sumatra-Küste zu gehen, wo eine der
gewöhnlichen Monsuntrift entgegengesetzte Strömung zu finden sein soll. In der
That wurde eine solche nach den eingegangenen Journalberichten hier auch ver-
schiedentlich beobachtet, mitunter mit der erheblichen Geschwindigkeit von
1’/s Knoten nach WNW und NW setzend, wodurch den Schiffen das Aufkreuzen
sehr erleichtert wurde. Wie aus weiteren Journalbemerkungen hervorgeht, sind
jene günstigen Umstände indessen keineswegs immer vorhanden, und diesen
zweifelhaften Verhältnissen gegenüber kann nur der Rath wiederholt werden,
dafs man, wenn es angeht, schon nördlich von Grofs-Nikobar nach Westen zu
gelangen suchen sollte. Trifft man aber dazu nicht die Gelegenheit, so ver-
suche man das Aufkreuzen unter Sumatra, halte sich dann aber dem Lande
möglichst nahe.