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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Dinklage: Von den Reishäfen in Britisch Birma nach Brasilien. 153 
Die von den Schiffen im Mittel eingehaltene Route führt durch die 
Schnittpunkte 30° S-Br in 10,8° O-Lg, 0° Länge in 23,6° S-Br, 10° W-Lg in 
20,1° S-Br, 20° W-Lg in 19,3° S-Br, 30° W-Lg in 20° S-Br und 40° W-Lg in 
22,5° S-Br. Der gröfste Theil des Weges wurde demnach in ungefähr 20° S-Br 
zurückgelegt; die niedrigste angesegelte Breite schwankte zwischen 22,5° und 
16° S-Br. Die durchschnittliche Dauer der Fahrt von Kap Agulhas Höhe nach 
Rio de Janeiro ergiebt sich zu 365 Tagen, wovon 6,2 auf die Strecke von 
20° O-Lg nach 30° S-Br und 28,1 Tage auf die von 30° S-Br nach 40° W-Lg 
entfallen. Nach Santos dauerte die Reise durchschnittlich 1'/a bis 2 Tage länger. 
Die besten Resultate lieferten drei Reisen im September, Oktober und. November, 
deren Dauer im Mittel nur 29 Tage betrug, während sieben Ueberfahrten, welche 
im Mai und Juni angetreten wurden, durchschnittlich 40 Tage :in . Anspruch 
nahmen. Der Frühling scheint demnach die günstigste, Spätherbst und‘ Winter 
dagegen die ungünstigste Jahreszeit für diese Fahrt zu sein, N 
Wenn man bedenkt, dafs man auf der eingeschlagenen Route, mit Aus- 
nahme der allerersten Strecke, doch eine beständige günstige Gelegenheit er- 
warten sollte, so mufßs die benöthigte Reisedauer als eine sehr lange erscheinen. 
Zu der 2990 Sm langen Strecke von 30° S-Br und 10,8° O-Lg nach 225° S-Br 
und 40° W-Lg, wo der Passat herrschen sollte, gebrauchten die Schiffe nicht 
weniger als durchschnittlich 28,1 Tage, erzielten also ein mittleres Etmal von 
nur 106 Sm, und gar nicht selten kam es, wie die Tabelle zeigt, vor, daß sie 
auf 10° Länge 8 bis 10 Tage verbrachten, Dieser unbefriedigende Erfolg lJäfst 
sich nur dadurch erklären, dafs die Schiffe nicht nördlich genug gingen, um 
einer durchstehenden Passatbriese einigermafsen sicher zu sein. 
Das Passatgebiet des Südatlantischen Oceans erstreckt sich in der Nähe der 
afrikanischen Küste gewöhnlich sehr weit nach Süden, im Sommer oft bis zur 
Breite des Kaps und auch im Winter nicht selten bis nach 30° S-Br, Von dort 
verläuft seine polare Grenze jedoch nicht in westlicher, sondern zunächst in einer 
fast nordwestlichen Richtung, so dafs sie in 0° Länge etwa 5° bis 6° und auf 
der Mitte des Oceans etwa 8° bis 9° nördlicher liegt als in 10° O-Lg. Diesen 
Verhältnissen wurde von den Schiffsführern bei der Wahl der Route nicht 
gebührend Rechnung getragen. Nachdem sie, wie es fast immer geschah, nach 
der Umsegelung des Kaps schon auf ziemlich hoher Breite günstigen Südostwind 
erhalten hatten, steuerten sie, in der Erwartung, dal der Wind durchstehen 
würde, und mit der Absicht, den Umweg möglichst abzukürzen, fast alle zu früh 
westlich; infolgedessen liefen sie dann auch fast regelmälsig wieder aus dem 
Passat heraus und hatten nun längere Zeit mit Stille, Mallung‘ und Gegenwind 
sich abzumühen, ehe sie in nördlicherer Breite guten Wind wieder erhielten. 
Höchst wahrscheinlich würden die Schiffe diesen Aufenthalt vermieden haben, 
wenn sie gleich von vornherein, nördlicher gegangen wären. . 
Es ist freilich nun auch in Betracht zu ziehen, dafs, je nördlicher man 
weht, desto größer der Umweg wird. Indessen ist diese Wegverlängerung doch 
nicht so beträchtlich — sie beträgt für jeden Breitengrad, um den die Scheitel- 
breite der Route. nördlicher gelegt wird, etwa. 60 bis 65 Sm — als dafs sie 
durch gröfßfsere Fahrgeschwindigkeit nicht leicht wieder eingebracht werden könnte. 
Einen Anhalt zur Beurtheilung, wie man die Route zu nehmen hat, um 
sich einer einigermalsen beständigen Passatbriese zu versichern, giebt die nach- 
stehende Darstellung des Verlaufs der mittleren polaren Passatgrenze in den 
verschiedenen Jahreszeiten, die annähernd richtig sein dürfte, 
Die mittlere polare Grenze des Südostpassats schneidet: 
im 10° 0-Lg 0° Länge 10° W-Lg 20°W-Lg 140°W-Lg 
Jamar, Februar und März... . in 30°S-Br, in 25° S-Br, in 22,5°S-Br, in 22° S-Br, in 23,5° S-Br. 
April, Mai und Juni . . . .m 28°S-Br, in 21,5°S-Br, in 18° S-Br, in 17° S-Br, in 21° S-Br. 
Juli, Angust und September . in 27°S-Br, in 21,5°S-Br, in 20° S-Br, in 19° S-Br, in 21° S-Br. 
Oktober, November u, Dezember in 28°S-Br, in 23° S-Br, in 21,5°S-Br, in 21,5°S-Br, in 22° S-Br. 
Es erhellt aus diesem, dafs die Verschiebungen der Passatgrenze im Laufe 
des Jahres ganz beträchtlich sind und dafs bei der Projektirung der Route die 
Jahreszeit jedenfalls berücksichtigt werden mufs. 
Bevor auf Grund der vorhergegangenen Betrachtung bestimmte Rath- 
schläge für die Fahrt durch den Südatlantischen Ocean ertheilt werden, mögen 
hier, der Vollständigkeit wegen, zunächst einige Anweisungen für den 
Ann. d. Hydr. ete., 1896, Heft IV.
	        
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