Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1896,
Der Passat setzt am 20. Dezember auf 26,6° S-Br und’ 5° O-Ly ein, ist
aber sehr flau, insbesondere zwischen 13° und 18° W-Lg und zwischen 30° W-Lg
und der Küste.
Reisedauer bis 20° O-Lg 65, bis Santos 39, zusammen 104 Tage, j
S. 4366. Bark „Irene“, Kapt. H. Schumacher, 1895 März 20 von Rangun
nach Rio de Janeiro. .
Die Bark erhält den Passat am 5. Juni in 26° S-Br und 7,5° O-Lg, läuft
aber später in 0° Länge wieder aus demselben heraus und hat in der Folge den
Wind sehr flau, obgleich sie nördlich von 17° S-Br geht.
Dauer der Reise bis 20° O-Lg 67, bis Rio 38, im Ganzen 105 Tage.
Kapt. Schumacher schreibt: „Unsere Reise von Kap Agulhas nach Rio
ist viel zu lang. Wir hätten, glaube ich, besser gethan, gleich für St. Helena
zu steuern und dann auf 15° S-Br entlang zu segeln. Dann hätten wir wohl
ein paar Tage weniger gebraucht. Der Passat war aber auch zu schlecht. Diese
Reisen vom Kap der Guten Hoffnung nach Brasilien sind wohl noch nicht oft
gemacht worden. Man findet sie wenigstens in keinem Buche beschrieben und
hat somit gar keinen Anhalt. Der „Oberon“ ist noch nicht hier, und so fehlen
noch mehrere Schiffe, die vor uns die Reise angetreten haben. Kin Engländer,
der am 12. März von Rangun gesegelt war, kam heute, am 6. Juli, nach einer
Reise von 116 Tagen hier an.“
„Irene“ hatte bei der flauen Passatbriese stets sehr hohen Luftdruck, ein
Zeichen, dafs sie sich nahe der polaren Passatgrenze befand. Der Kapitän ver-
muthete deshalb wohl richtig, dafs er weiter nördlich mehr Wind angetroffen
haben würde.
Bark „Este‘‘, Kapt. J. Wentorf, 1895 März 28 von Rangun nach Rio
de Janeiro.
Der Passat setzt am 13. Juni auf 29° S-Br und 8° O-Lg ein, weht anfänglich
ziemlich frisch, aber von 22,6° S-Br und 2° W-Lg an fortwährend sehr flau, aus-
genommen auf der kurzen Strecke von 20° S-Br und 7° W-Lg bis 18,4° S-Br und
15° W-Lg. Die Bark geht nicht über 18° S-Br hinaus; sie hätte weiter nordwärts
wohl eine bessere Gelegenheit angetroffen.
Reisedauer bis 20° O-Lg 67, bis Rio 46, zusammen 113 Tage.
Bark „Bille“, Kapt. J. Korff, 1895 April 13 von Rangun nach Santos.
Die Bark kommt in 25° S-Br und 4° O-Lg in frische Südostbriese, erhält
in 22° S-Br und 2° W-Lg aber wieder Mallung, Stille und westliche Winde, die
bis 17,2° S-Br und 11° W-Lg anhalten. Der dort wieder einsetzende Passat
bleibt, mit Ausnahme weniger Tage, bis zum Ende der Reise flan. Die Bark
hält sich auf dem gröfsten Theile der Ueberfahrt zwischen 17° und 18° S-Br,
was in diesem Falle wohl noch nicht nördlich genug war.
Dauer der Reise bis 20° O-Le 71. bis Santos 42, im Ganzen 113 Tage.
Unter den zwölf aufgeführten Reisen findet sich keine, die auf der direkten
Route gemacht worden ist. Es ergiebt sich also kein Anhalt zur Beurtheilung
der Brauchbarkeit derselben; wenn man jedoch in Betracht zieht, dafs die von
Santos und Rio ostwärts nach dem Indischen Ocean bestimmten Schiffe, deren
Route ziemlich mit dem direkten Wege zusammenfällt, die Strecke bis 20° O-Lg
in der kurzen Zeit von durchschnittlich nur 23 bezw. 24 Tagen zurücklegen, ')
so muß man doch wohl zu dem Schlusse gelangen, dafs die Windverhältnisse
auf dieser Strecke für eine Fahrt nach Westen meistens ungünstig sein werden.
Der Weg ist ja bedeutend kürzer als der durch das Passatgebiet, und ein Schiff,
welches denselben einschlägt, bat, wenn es ausnahmsweise eine günstige Gelegenheit
antrifft, die Chance, eine aufsergewöhnlich rasche Reise zu, machen. In den
allermeisten Fällen dürfte jedoch der Versuch, direkt durchzusteuern, hier, ebenso
wie auf der ähnlichen Fahrt von Süd-Australien nach dem Kap der Guten Hoffnung,
mifslingen und das Schiff über kurz oder lang durch widrige Winde doch noch
gezwungen sein, den Passat aufzusuchen.
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) Von 17 Reisen hatte die kürzeste eine Dauer vom 17, die längste eine solche von
ıayen.