Wallis-Eiländ (Uea).
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Wallis-Eiland (Uea).
Von Kapt. H. DREYER, Führer des Schiffes „Neptun“,
‚Auf unserer Reise von Apia nach Wallis-Eiland sichteten wiram 13. August
1892 um: 6'/2 Uhr morgens, nach Verlauf von 4 Tagen, die genannte Insel in
mw. WzN, und um 10 Uhr drehten wir nahe vor der Einfahrt, die Insel Nuku-
Atea in einem Abstande von 8/2 Sm mw. NW peilend, bei.‘ Es wehte ein mäßiger
Ostnordostwind; der Eintritt des Hochwassers sollte um 11®° 50” stattfinden.
Da kein Lootse herauskam, und um nicht in dem westwärts setzenden. Strom bei
der Insel vorbeigetrieben zu werden, kreuzten wir luvwärts von der Passage ost-
wärts auf. Um 5 Uhr nachmittags standen wir wieder dicht vor der Kinfahrt,
woselbst Herr P. Rassmussen, ein Bekannter von mir, mit dem Lootsen, einem
Kanaken, an Bord kam. Da der Wind zu schral.war, um das Einsegeln zu
gestatten, mufsten wir bis zum nächsten Morgen draufsen warten, und während
der Nacht ab- und anliegen. Um 6 Uhr morgens am 14. August wehte ein
frischer, von Regenböen begleiteter östlicher Wind. Wir hielten ab nach der
Einfahrt bei der Insel Fenua Fu und passirten letztere um 8 Uhr. An der Süd-
ostspitze der Insel Nuku-Atea ‚mufsten wir einen Gang auf B-B.-Halsen machen
and segelten alsdann durch die Westpassage nach dem Ankerplatze von Mua, wo
wir eine halbe Kabellänge im Westen.der Insel Nuka Fetau, auf einer Wasser-
tiefe von -12,8 m (7 Faden) um 9. Uhr morgens ankerten. ;
Die Inseln Uea oder Wallis und Futuna stehen unter französischem Schutz.
Neben der französischen Mission befindet sich auf der erstgenannten Insel ein
französischer Resident, an den. alle Schiffe über 30 Registertonnen Gröfse 50 Francs
Lootsengeld, einkommend. und ausgehend zusammen, zu entrichten haben. Die
eine Hälfte dieser Summe bekommt die Königin, die andere Hälfte der Lootse.
Anderweitige Hafenabgaben werden nicht erhoben. Der Lootse, wie schon gesagt,
ein Kanake, ist wenig zuverlässig und kommt nur bei ruhigem Wetter in seinem
kleinen Kanoe bis zur Insel Fenua Fu aufserhalb der Einfahrt. Wenn etwas
Seegang vorhanden ist, so kann-man hier. vergebens auf ihn warten. Bei einem
Wind südlicher als ESE darf man es (allerdings nur mit der Fluth) wagen, nach
der Specialkarte und unter Zuhülfenahme der Beschreibungen in den Segelhand-
büchern, auch ohne Lootsen einzusegeln. Von der Enge bei der Insel Fenua Fu,
bis man das Riff von Nukutea geklart hat, ist der Kurs NOzO. mw. Von hier
bis zum Ankerplatz von Mua ist ein verläfslicher Ausguckmann auf der Marsraa
ein sicherer Führer, da sämmtliche Korallenstellen an der Färbung des Wassers
erkennbar sind, Weil der Wind selten südlich genug ist, um weiterhin das
Auholen der Ostpassage zu ermöglichen, so thüf man am besten, von vornherein
seinen Kurs nach der auch-in der.Karte bezeichneten Westpassage zu nehmen,
Die‘ geringste Wassertiefe auf dieser Route beträgt zwischen den beiden zu
passirenden Korallenbänken, innerhalb des Sailrock, 5,5 m (3 Faden) bei Niedrig-
wasser zur Springzeit. Das Hochwasser tritt mit Neu- und Vollmond bei der
Insel Fenua Fu um 6* 40”, bei Mua um 7* 0” ein. Der Hub des Wassers be-
trägt zur Springzeit 1,8 m (6 Fufs), zur Taubenzeit 1,1 m (3,5 Fufs). Die Ebbe-
strömung habe ich in der äufsersten Passage zur Springzeit zu 6 Knoten, zur
Taubenzeit zu 3 bis 4 Knoten gefunden, die Fluth läuft weniger stark. Mit dem
Winde von Ost kann man einsegelnd bis zur Südseite der Insel Nuku- Atea
gelangen und daselbst auf einer Wassertiefe von 31m (17 Faden) ankern. Von
hier muß man alsdann bis. zum Ankerplatz aufwarpen, was allerdings auf dem
tiefen Wasser eine beschwerliche Arbeit ist. ,
Die Wallis-Insel steht hinsichtlich des Anbaues und der Bodenerzeugnisse
hinter den meisten anderen näher bekannten Inseln der Südsee ‘weit zurück.
Die :Eingeborenen. sind träge, schmutzig ‚und. im. höchsten .Grade diebisch. Die
männliche Bevölkerung zeigt im Allgemeinen ein auffällig unzufriedenes, abstofsendes
Wesen gegen sämmtliche Weilfse; sobald sie Gelegenheit finden, stehlen sie ein
Boot, desertiren in demselben und nehmen. ihre Frauen mit. Sie fliehen in der
Nacht von der Insel und gehen auf gut Glück in See; wo sie oftmals elendiglich
amkommen. Als wir mit der Verschiffung unserer Ladung begonnen hatten;
war am Morgen nach.der zweiten Nacht das große Segelboot meines Abladers.