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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1896. 
Stärken, angetroffen. Um den stärkeren Passat zu bekommen, steuerte ich bis 
zum 23. Juni mit Westsüdwestkurs bis auf 10° 45‘ S-Br und 94° 28’ Länge, wo 
der Passat bis Stärke 6 wehte. Auf diesem Breitenparallel wurde dann rw. West 
entlanggefahren und auf der ganzen Fahrt ein guter Passatwind in den Stärken 6 
bis 4 angetroffen. Von 66° 18‘ Länge liefs ich Kurs direkt auf Port Mahe nehmen, 
und flaute der Passatwind bis nach Mahe allmählich ab. 
Luftdruck und Temperaturverhältnisse. Die.Luft und das Wasser 
stimmten überein mit den Tafeln des von der Seewarte in Hamburg heraus- 
gegebenen „Atlas zum Segelhandbuch für den Indischen Ocean“ (Titel B. IX, 125). 
2. Strom. Die Passatströmung wurde angetroffen, wie sie nach den 
englischen „Wind and Current Charts“ zu erwarten war, zum Theil etwas geringer. 
3. Ansteuerung und Einsegelung, Die Ansteuerung der vorliegenden 
Inseln ist einfach, ebenso die Einsegelung in den Hafen von Victoria. Die Bojen 
im Hafen sind gut zu sehen, besonders die Moorings-Bojen, der Leuchtthurm 
abenfalls. Letzterer kann mit dem Thurm an Land (siehe „Nachrichten für 
Seefahrer“ 1892, No. 1700) nicht verwechselt werden, da der Thurm an Land 
abgebrochen ist. 
Im inneren Hafen ist Platz für zwei Schiffe, die Einfahrt ist nach den 
gut sichtbaren Steinpricken zu beiden Seiten der Rinne einfach. MHandelsschiffe 
vermooren sich vor der langen Landungsbrücke und machen mit dem Heck an 
Land fest. Englische Kriegsschiffe, die im inneren Hafen lagen — „Cossack“ 
und. „Brisk“. —, lagen zwischen den Steinpricken. vermoort. Zum Anweisen des 
Ankerplatzes kommt ein englischer Hafenmeister nach dem Passiren der Insel 
St. Anne an Bord. S. M. S. „Marie“ mußte im äufseren Hafen ankern, weil 
die beiden englischen Kreuzer im inneren Hafen lagen. 
B. Von den Seychellen bis Aden. 
1. Wind und Wetter, Am 7. Juli verliefßs ich mit schwachem Südost- 
passat Port Victoria, und schon am 8. ging der Wind über Süd auf SW über, 
am von 55° O-Lg in der Stärke 4 bis 6, in der Straße zwischen Kap Guardafui 
and Sokotra bis Stärke 9 zu wehen. Nach dem Runden von Kap Guardafui 
wurde es bald still. 
Im Golf von Aden wehte es aus westlicher und südwestlicher Richtung, 
Stärke 1 bis 7, nur vom 10. auf den 11. war es zeitweise still. 
Die Lufttemperatur, welche im Durchschnitt 26° C betragen hatte, fiel am 
Kap Guardafui auf 22,8%, bald nachdem die Wassertemperatur von 24,4° bis auf 
18,5° gesunken war. Nach dem Runden von Kap Guardafui stieg die Luft- 
jemporatur auf 26°, im Golf von Aden auf 30°, die Wassertemperatur auf 26,5° 
and 31° €, 
2. Strom. Die Stromverhältnisse waren nicht ganz regelmäfsig, wohl 
eine Folge davon, daß der Südwestmonsun noch nicht in seiner ganzen Stärke 
wehte. Am 8. ergab das Mittagsbesteck eine Stromversetzung von 18,6 Sm nach 
553° W, am 9. S 73° O0, 8,4 Sm. 
Die Passage durch die Strafse von Sokotra wurde durch unregelmäßig 
setzenden, zum Theil sehr starken Strom aufserordentlich erschwert, andererseits 
wieder dadurch erleichtert, dafs sowohl ein Mittagsbesteck wie Abends ein gutes 
Sternenbesteck genommen werden konnte, entgegen den Angaben des Segel- 
handbuches. So ergab ein um 4* 30” p genommenes Besteck eine Stromversetzung 
von 24 Sm nach Ost und 10 Sm nach Nord in 4,5 Stunden. S. M. S. „Marie“ 
passirte in diesen Stunden die Stelle, wo sich die Südwestmonsun-Strömung bei 
Ras Hafun in einen ostnordöstlichen und einen nördlichen Arm theilen soll (nach 
der „Current Chart etc.“). Die Stromstärke war also bedeutend stärker, als in 
der Karte angegeben. 
Ohne ein gutes Besteck, nach dem man mit Sicherheit die bei Guardafui 
vorliegende Bank anlothen kann und zwar, wenn dies nachts geschehen soll, bei 
anbrechender Dunkelheit genommenes Besteck, dürfte es selbst bei sonst klarem 
Weiter schwer fallen, die Kontrole über den Schiffsort in der Passage zu 
behalten. Trotz der mondhellen Nacht wurde die afrikanische Küste beim 
Runden des Kaps nicht gesichtet. Hat man bei der Bank angelothet, so kann 
man aus weiteren Lothungen ersehen, wenn der westliche Kurs eingeschlagen 
werden kann, da etwa 3 Sm nordöstlich vom Kap über 100 Faden (kein Grund) 
Wassertiefe ist.
	        
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