Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1896.
Stromverhältnisse (siehe Tabelle am Schluß). Der Strom setzte im
Durchschnitt N 30° O0, 0,5 Sm in der Stunde.
Mossamedes. Giraul Point-Feuer wurde am 1. Juni, 8" 45” p, gesichtet,
und 12 Uhr nachts wurde vor Mossamedes geankert. Beim Ansteuern der Stadt
wurden die Lichter derselben gleich nach dem Passiren von Punta Giraul
gesichtet. Das grüne und rothe Feuer auf der Landungsbrücke konnte jedoch
arst auf 1 Sm Abstand mit Sicherheit ausgemacht werden. Die Lichter sind
schwach und werden auch zeitweise durch die vorliegenden Küstensegler verdeckt.
Von den Häusern der Stadt hebt sich bei Nacht das Gouvernementsgebäude gut
ab. Ks steht höher als die übrigen Häuser, und auf den beiden Ecken des
Hauses nach See zu brennt eine helle weifßse Strafsenlaterne; die Signalstation
auf Punta Noronha (Lookout house) ist zur Zeit nicht besetzt, der Signalmast
zerfallen.
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3. Mossamedes — Port Nolloth.
Wind und Wetter. Mossamedes wurde am 4. Juni, 4" p, verlassen. Auf
der ganzen Reise bis zum 19. einschließlich in etwa 28,5° S-Br wurden nur Süd-
winde angetroffen, deren gröfste Schwankungen von SSE bis SSW gingen. Der
Wind wehte meist frisch, in zwei Perioden, vom 11. bis 14. und vom 16. bis 18,
stürmisch, mit starken Böen bis zu Stärke 8. Das Barometer zeigte fortgesetzt
einen ungewöhnlich hohen Stand. Letzterer ist nach den Angaben des „Africa
Pilot“ sowie nach den „Pilot Charts for the Atlantic Ocean“ in dieser Jahres-
zeit im Mittel 30 engl. Zoll = 762,0 mm. Der niedrigste Stand war, jedoch ab-
gesehen vom Tage des Verlassens von Mossamedes, 766,8 mm, der höchste
171,8 mm im Tagesmittel. Es konnte dreimal festgestellt werden, dafs bei
steigendem Barometer der Wind auffrischte, bei fallendem abflaute.
Zweimal, am 6. und am 16. Juni, fiel der höchste Barometerstand mit der
größten Windstärke zusammen, Am 12. dagegen war bei gröfster Windstärke (8)
der Stand 1 mm niedriger als am Tage vor- und nachher.
Der Thermometerstand war der Jahreszeit entsprechend.
Das Wetter war beim Verlassen von Mossamedes nebelig, jedoch bereits
vom 5. ab klar und sonnig, solange die Südwinde anhielten. Erst mit dem
Aendern des Windes am 20, Juni wurde die Luft unsichtig und machte sich
leichter Nebel besonders über Land bemerkbar. Am 20. morgens drehte der
Wind von SSE über Ost auf Nord und wehte andauernd aus dieser Richtung in
Stärke 1 bis 3 bis zum Abend. Wolkenbildung war vorher fast nur bei Sonnen-
antergang vorhanden, und verschwand dieselbe meist bald wieder. Die Luft war
dabei außerordentlich klar, und konnte man z, B. allnächtlich die auf- und unter-
gehenden Sterne bis in den Horizont beobachten. Nachts fiel stets starker Thau.
Stromverhältnisse (siehe Tabelle am Schluß). Durchschnittlich machte
sich während der Reise eine Strömung nach N 32° W, 0,6 Sm in der Stunde,
bemerkbar. Die Temperatur des Wassers an der Meeresoberfläche fiel am 14. Juni
in etwa 23° 10’ S-Br und 13° 40’ O-Lg von 17,4° C auf 14,5° C und blieb so mit
geringen Schwankungen nach oben und unten bis Port Nolloth.
Port Nolloth. Die Küste kam am 20., 6*a, mit Hellwerden auf etwa
25 Sm Abstand in Sicht, jedoch war die Luft so diesig, dafs Ortsbestimmungen
nach Peilungen nicht gemacht werden konnten. Gegen 8" 30®* a kamen die
Häuser von Port Nolloth in Sicht, und um 9* 55" a wurde auf der Rhede geankert.
Die Stadt besteht aus etwa 50 Gebäuden, die grau angestrichen sind und sich
deshalb schlecht vom Hinterlande abheben. Die Seezeichen wurden in Ueber-
einstimmung mit der Karte und dem „Africa Pilot“ gefunden. Der im letzteren
angegebene röthliche Fleck auf den Sandhügeln hinter Port Nolloth wurde nicht
gesehen, wohl infolge der schlechten Beleuchtung.
iootsen für den inneren Hafen sind zur Zeit nicht vorhanden, die Führer
zweier Schlepper, welche der „Cape Copper Company“ gehören, zeigen jedoch
auf Wunsch den Weg über die Barre. Der innere Hafen bei der Robbe-Iunsel ist nur
für Schiffe unter 10 engl. Fulß (3 m) Tiefgang benutzbar, Schiffe bis zu 15 Fuls
(4,6 m) Tiefgang können innerhalb der Barre in der Nähe der Tonne der Barre,
größere Schiffe müssen auf der Rhede ankern in etwa 40m Wasser. S. M. Schiff
„Hyäne“ ankerte in den Peilungen: Süd-Bake 80148, Nord-Bake NOzO; in 43 ın
Wasser, Grund schwarzer Schlick.