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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

138 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1896. 
die zu oft übereilt als bewiesene Grundzüge angenommen werden. Anstatt ein 
ungefüges Gebäude auf Sand zu errichten, lafst uns versuchen, einen Eckstein zu 
legen, worauf man etwas aufbauen kann, genau genug, um Wissenschaft genannt 
zu werden. 
Im Winter sollten die grofsen Hochdruckgebiete, die unsere Kältewellen 
bilden, ebenso gründlich erforscht werden. — — 
Untersuchungen der höheren Schichten können ausgeführt werden durch 
einen Zug von mehreren Drachen, die selbstthätige Instrumente tragen, durch 
Fessel-Drachenballons, die man bei zunehmender Windstärke dem Zenith immer 
näher und näher bringen kann, oder durch den Aufstieg geübter Beobachter in 
Freiballons. Wir müssen nach der Vollendung von Einrichtungen und Instrumenten 
streben, die in nicht ferner Zeit uns gestatten, dem, der die Wettervorhersage 
ausgiebt, gleichzeitige meteorologische Verhältnisse in grofsen Höhen und über 
einem weiten Gebiet in Karten darzubieten. Herr Mc Adie in Washington hat 
jüngst mit Drachen einige gute Beobachtungen in Höhen von 1000 bis 2000 Fulfs 
300 bis 600 m) erhalten. 
Eine planmäfsige Untersuchung der höheren Luftschichten, mit einer Fort- 
setzung der von Professor Bigelow begonnenen Studien über erdmagnetische 
Kräfte, inducirt durch das sonnenmagnetische Feld, wird in den nächsten zwei 
Jahren vorgenommen und fortgeführt werden, und wir hoffen, dafs befriedigende 
Ergebnisse für den Praktiker und den Theoretiker erzielt werden. 
Der Herr Staatssekretär für Landwirthschaft ist mit allen Richtungen der 
Forschung einverstanden, die nach dem Gesetz über die Aufgaben des Wetter- 
amtes zulässig sind und nützliche Ergebnisse versprechen.“ 
Nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Wettervorhersage 
in den Vereinigten Staaten wird dann noch darauf hingewiesen, dafs weniger die 
kleinen als die grofsen und bedeutenden Aenderungen im Wetter zu berücksichtigen 
sind, wofür sich die Bevölkerung besonders interessirt. Zum Schlufßs wird als 
Beispiel der Anwendung von Erfahrungssätzen ausgeführt, dafs bei der Vorher- 
sage von Frost die Feuchtigkeit oder Trockenheit des Bodens eine sehr wichtige 
Rolle spielen. Wenn bei zwei sonst gleichen Wetterlagen ein Temperaturfall 
erwartet werden darf, hängt das Eintreten oder Ausbleiben von verderblichem 
Frost zum grofsen Theil davon ab, ob das betreffende Gebiet innerhalb der vor- 
hergegangenen 24 Stunden Regen gehabt hat, sei es auch noch so wenig, oder 
starke Dürre. Im zweiten Falle sinken die Temperaturen wohl 10° F (5'%° C) 
niedriger als im ersten. 
So weit der Vortrag. 
Da die jährlichen Ausgaben des Amtes im vierjährigen Durchschnitt 1891/95 
8349 522 Doll. (3,4 Millionen Mark) betrugen, so stehen dem Leiter des amerika- 
nischen Wetteramtes allerdings Summen zur Verfügung, wie man sie in Europa 
für Zwecke wissenschaftlicher meteorologischer Forschung, namentlich aber für 
die Ausübung des praktischen Wetterdienstes, nicht kennt. 
Man darf mit Spannung der Ausführung und den praktischen Resultaten 
der geplanten kühnen Erforschung der oberen Regionen von Sturmgebieten ent- 
yegensehen. 
Der Segelhandbuch-Atlas des Stillen Oceans.) 
Der Atlas schliefst sich seinen Vorgängern vom Atlantischen (1882) und 
Indischen Ocean (1891) nach Mafsstab, Ausführung und Inhalt an. Für das Netz 
gilt auch hier das Verhältnifs 1: 56 000000 oder 5° des Aequators = 1 cm, Es 
reicht von 61° N-Br bis 60° S-Br, 120° O-Lg bis 60° W-Lg. Da der Atlas des 
{ndischen Oceans zwischen 32° N-Br und 60° S-Br bis 155° O-Lg reicht, der des 
Atlantischen bis 100° W-Lg, so ist Gelegenheit geboten, auf den je zwei Atlanten 
gemeinschaftlichen Gebieten die Fortschritte in 14 oder 5 Jahren zu verfolgen. 
1) Deutsche Seewarte, „Stiller Ocean“. Ein Atlas von 31 Karten, die physikalischen Ver- 
hältnisse und die Verkehrsstrafsen darstellend. Mit einer erläuternden Einleitung und als Beilage 
zum „Segelhandbuch für den Stillen Ocean“. Herausgegeben von der Direktion. Hamburg. 
L. Friederichsen & Co. 1896. Preis Mk. 925.
	        
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