Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1896.
Aus dem Reisebericht des Kapt. G. Green, Führer des Schiffes
„Emin Pascha“.
Sturmböe an der Südküste von Australien.) „Emin Pascha“
befand sich am 14. Februar 1891 um 12 Uhr mittags auf einer Reise von
Friedrikstad nach Melbourne, nach der Loggrechnung auf 39° 7 S-Br und
143° 0’ O-Lg, und steuerte bei frischer nördlicher Briese, klarem Himmel und
fallendem Barometer Kurs auf Kap Otway. Um 1 Uhr nachmittags kam der
Wind bei vollkommen heiterer Luft und ohne die geringste vorhergehende
Warnung plötzlich in einem harten Windstofs, Stärke 9 bis 10, aus West,
Da wir alle Segel führten, legte sich das Schiff derart über, dafs das Wasser
in Lee über die Reeling trat. Glücklicherweise dauerte dieser heftige Wind-
stofs kaum länger als zwei Minuten; vorher Segel wegzunehmen, dazu fehlte
25 an Zeit. Ich bemerkte nur einen Augenblick vorher, wie der Wind über das
Wasser hinwegstrich, und befahl, die Fallen laufen zu lassen. . Bevor aber irgend
Jemand dazu kommen konnte, diesen Befehl auszuführen, brach auch schon die
Böe mit furchtbarer Gewalt über uns herein. Als einziges Anzeichen des Vor-
yanges wäre vielleicht der am östlichen Horizont aufsteigende weifsliche Dunst
anzusehen gewesen, der sich etwa eine halbe Stunde früher bemerkbar machte.
Freilich hatte das Barometer einen niedrigen Stand — um 12 Uhr mittags etwa
750 mm (red.) —, und da der Wind allmählich nördlich holte, so erwartete ich
eigentlich nur einen steifen Nordwestwind. Während einer Stunde hielt sich die
Windstärke auf 8 und nahm dann bei steigendem Barometer, welches um 1!/2* p
den Stand von 751,8 mm einnahm, langsam ab. Der von nun an rasch zu-
nehmende Luftdruck betrug um 2"p 752,8 und um 4"p 754,8 mm. Bald nach-
dem der Windstofs seine größte Heftigkeit verloren hatte, verzog sich der auf-
gekommene Dunst wieder, und die Luft klarte soweit ab, dafs wir die Küste
sehen konnten, auf die wir dann zusteuerten. In einem Abstande von 4 bis 5 Sm
arkaunten wir das Kap Moonlight, und um 5* 40” p wurde Kap Otway passirt.
Anmerkung: Der vorstehend erwähnte Sturm ist ebenfalls von den
Schiffen „Hercules“ und „Helene‘‘ beobachtet worden. Dem meteorologischen
Journal des erstgenannten Schiffes, welches auf einer Reise von Mauritius nach
Melbourne begriffen war, zufolge fand am 14. Februar 1891 morgens bei leichter
nördlicher Briese starke Thaubildung statt. Im Laufe des Vormittags nahm der
Wind die Stärke 5 an und holte auf NzW. Die Luft war sehr klar und drückend,
dabei keine Wolke am Himmel. Eine Menge Blüthenstaub, kleiner Insekten und
Heuschrecken kam an Bord geflogen. Um 12 Uhr mittags war der Schiffsort
nach Observation 39° 2‘ S-Br und 142° 23‘ O-Lg. Das seit 8 Uhr etwas gestiegene,
im Ganzen aber allmählich gefallene Barometer hatte einen Stand von 751,8 mm
(red.). Um 12* 15” p, nachdem das Barometer noch bis 750,5 mm (red.) gefallen
war, fiel ganz plötzlich der Wind aus Nord mit der Stärke 9 ein. Da alle Segel
gesetzt waren, holte das Schiff fast bis zum Kentern über. Glücklicherweise
gelang es, das Schiff zum Abfallen zu bringen, und als es vor dem Winde lag,
die nöthigen Segel zu bergen. Der Wind wehte mit der Stärke 10 aus Nord
amd schofs dann um 1 Uhr unter derselben Stärke durch West aus auf SW, um
aunmehr bald bis zur Stärke 4 abzuflauen. Auch jetzt war der Himmel noch
vollkommen wolkenlos.
Der Blankeneser Dreimastschoner „Helene‘‘, welcher nach Sydney bestimmt
war, stand, als sich das Unwetter ereignete, etwa 1 Sm von „Hercules“ entfernt.
Derselbe war nicht zum Abfallen zu bringen und verlor infolgedessen einen Theil
seiner Takelung. Er war genöthigt, um den erlittenen Schaden zu repariren, in
Melbourne einzulaufen.
„min Pascha‘‘ befand sich am Mittag des 14. Februar, nach den gemachten
Ortsangaben, etwa 30 Sm 0zS von „Hercules“ und „Helene“. Die Böe fiel auf
„Hercules‘‘ */4 Stunde früher ein als auf „Emin Pascha“. Man kann demnach an-
nehmen, dafs der Wirbelwind sich mit einer grofsen Geschwindigkeit — vielleicht
i) Siehe Annalen 1894, S. 171.