Darmer: Einiges ‘über das Seezeichen- und Beleuchtungswesen in Schweden, 131
Durch das umgekehrte Erwägen bestimmt man die Lichtstärke, wozu er-
forderlich ist, dafs ein Feuer auf einem gegebenen Abstand mit einer sicheren
Wahrscheinlichkeit gesehen wird.
Bei den meisten schwedischen Feuern beruht die Leuchtweite indessen
auf ‘der Höhe des Leuchtfeuers über der Wasseroberfläche und nicht auf der
Lichtstärke, welche so grofßs ist, dafs das Feuer im Allgemeinen gesehen wird,
wenn das Licht sich aus dem Horizont erhebt oder darunter verschwindet. Wo
das Verhalten nicht so ist, ist die Sichtweite berechnet für eine Leuchtweite der
Lichteinheit auf 7 km und scheint mithin auf diesem Abstand in 65 Fällen von
hundert. Bei dieser Sichtbarkeit leuchtet dasselbe Licht an Frankreichs Küsten
in hundert Fällen nur .55 Mal, so dafs die schwedischen Feuer unter günstigeren
Umständen brennen. Bei geringerer Sichtweite nähern sich die beiden Mittel-
kurven für Schweden und Frankreich, so dafs sie bei einer Leuchtweite von 5 km
für eine Lichteinheit so gut als zusammenfallen.
Charakteristisch für die schwedischen Gewässer ist ferner, dafs die Sichtweiten
in dem halben Jahr November bis April bedeutend geringer sind, als in dem
Sommerhalbjahr. In Frankreich dagegen zeigt nur der Herbst, die Zeit vom
Oktober bis Dezember, eine nennenswerthe geringere Sichtigkeit, als das übrige
Jahr. : Gleichwohl mufßs zugegeben werden, dafs die Zweitheilung des Jahres nicht
ganz angemessen ist, denn der April muß zu den mehr sichtigen Monaten gerechnet
werden, wodurch eine etwas unvortheilhaftere Kurve für November bis März
entstehen mufßs. Die Mittelkurve: bleibt natürlich dieselbe.
Allard hat nachgewiesen, dafs die Sichtigkeit für verschiedene Theile der
französischen Küste ungleich ist. Am klarsten ist die Atmosphäre im Mittelmeer,
am wenigsten klar im Englischen Kanal.
Die Figuren 8 und 9, Tafel 2, welche die Halbjahreskurven für die West-
küste Schwedens angeben, bezeugen, dafs die Sichtigkeit vom November bis April
nicht unbedeutend geringer ist als an den übrigen Küstenstrecken. Die Sichtigkeit
im anderen Halbjahr ist ungefähr dieselbe. Die Jahreskurve für die Westküste
wird daher auch etwas unvortheilhafter als die entsprechende Kurve für die
ganze Küste.
2 Ist die Lichtstärke eines Feuers unbekannt, weiß man aber, wie viel Mal
ein Feuer auf einem gegebenen Abstand sichtbar gewesen, so kann man mit
Anwendung dieser Sichtbarkeits-Kurven die wahrscheinliche Lichtstärke bestimmen,
Allard hat diese Methode: zur Bestimmung des Lichtverlustes benutzt, welcher
durch eine rothe Färbung des Feuers entsteht, aber das Resultat ist wenig zu-
friedenstellend. Eine Zusammenstellung der in Schweden gemachten Beobach-
tungen hat nicht bessere Resultate ergeben.
Die Ursache hierzu beruht sicherlich, wie Allard feststellt, zum Theil
in der Beschaffenheit des. rothen Lichtes, aber es scheint auch, da[s sie derselben
Methode zugeschrieben werden muß. Wie aus der Tabelle A hervorgeht, kommen
große Abweichungen zwischen den verschiedenen Mittelwerthen und Mittelkurven
vor (m —n), ohne dafs eine geringe Veränderung in der Sichtigkeit bedeutende
Veränderungen in der Lichtstärke herbeiführt.
Ist das Licht, dessen Stärke man wissen will, sehr schwach, tritt dagegen
ein anderes Verhalten ein. Fig. 1 Tafel 1 zeigt nämlich, dafs in diesem Falle
gine relativ unbedeutende Vermehrung in der Lichtstärke eine wesentlich ver-
mehrte Leuchtweite bei derselben Sichtigkeit herbeiführt und dafs eine relativ
große Veränderung in der Sichtigkeit eine sonderlich grofse Veränderung in der
Lichtmenge nicht erheischt, um dieselbe Leuchtweite aufzunehmen.
Es muß also möglich sein, bei Gliederung der Beobachtungen, welche
bei den schwedischen kleinen Feuern, die ohne Bewachung brennen, angestellt
sind, eine recht gute Vorstellung zu erhalten, wie sie Dienst thun, Die wenigen
Beobachtungen, welche angestellt, sind zusammengebracht in Tabelle B. Für die
sieben Feuer, welche mit Linsen sechster Ordnung versehen sind, erhält man
eine mittlere Leuchtstärke von 5,8 Bec Carcel, so dafs man bei Bestimmung der
Leuchtweiten dieser Feuer von 5,5 Bec Carcel ausgeht.