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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Darmer: Einiges über das Seezeichen- und Beleuchtungswesen in Schweden. 127 
jemals vollkommen durchsichtig. oder ganz und gar lichttödtend wird. Man 
mufs daher zuerst die Gesetze kennen, nach welchen das Licht abnimmt, wenn 
man sich bei einer gegebenen Sichtigkeit von der Lichtquelle entfernt, um danach 
zu erforschen, wie sich die Sichtigkeit an den Orten verhält, an welchen sich 
die Feuer befinden. 
Wenn ein Lichtbüschel einen leeren Raum durchdringt, vermindert sich 
seine Stärke in umgekehrtem Verhältnifs zu den Quadraten des Abstandes, Durch- 
läuft er eine Luftschicht, so vermindert sich seine weitere Lichtstärke infolge 
der Absorption des Lichtes. Je größer die Absorption ist und je weitere Strecken 
der Lichtbüschel durchdringt, desto größer wird diese Verminderung. Diese 
Gesetze, deren Formeln etwas schwer zu behandeln, findet man dargestellt in 
Reynauds berühmten „meEmoire sur ]l’6clairage et le balisage des cötes de France“ 
1864 und Allards „memoire sur lVintensite et la portee des phares“ 1876. Sie 
sind graphisch veranschaulicht auf Tafel 1 durch die Figuren 1, 2 und 3, von 
welchen die Nummern 2 und 3 der erstgenannten Arbeit entnommen sind. Die 
Lichtstärke der Feuer in französischen Lichteinheiten oder Bec Carcel, überein- 
stimmend mit 10 englischen Normalkerzen, sind abgesetzt auf der Abscissen-Achse, 
die Leuchtweiten in Kilometern auf der Ordinaten-Achse, Die Sichtweiten sind 
dargestellt durch die ungleichen Kurven. In jeder Kurve ist die festgestellte 
Sichtweite da bezeichnet, wo das Bec Carcel-Licht für ein normales Auge in dem 
vom Beobachtungsorte in Kilometern gegebenen Abstand, welchen die Kurve an- 
giebt, aufhört sichtbar zu sein. Weiß man nun, wie weit die Lichteinheit in 
einem gegebenen Augenblick ‚scheint, so kann man aus den Figuren ersehen, wie 
weit ein Leuchtfeuer von bekannter Stärke bei demselben Anlafs gesehen wird. 
Sieht man beispielsweise eine Lichteinheit auf 7,0 km, so werden 100 Einheiten 
26 km und 200 Einheiten 30 km weit gesehen werden können. 
Diese Figuren zeigen, dal bei klarem Wetter, wenn die Leuchtweite einer 
Lichteinheit grofs ist, ein relativ geringer Zuwachs an Lichtstärke eine bedeutende 
Vermehrung der Leuchtweite des Feuers herbeiführt, und dafs bei schlechter Sicht, 
wenn die Leuchtweite der Lichteinbeit unbedeutend ist, starke Lichtstärke für 
ein nennenswerthes Vermehren der Leuchtweite eintreten mufß, sowie daß bei 
intensivem Nebel die Leuchtweite so gut wie unverändert bleibt, wie sehr die 
Lichtstärke auch zunimmt. . . 
Wenn demnach die Sichtweiten der Feuer von der Durchsichtigkeit der 
Atmosphäre so wesentlich abhängen und diese stetig wechselt, so ist.es unmöglich, 
im voraus für eine gegebene Gelegenheit die Sichtweite eines Feuers zu bestimmen 
oder auf Grund von der Lichtstärke, mit welcher ein Feuer scheint, seinen Abstand 
von. demselben zu bestimmen. Aber sobald man die Ursachen für den ständigen 
Wechsel erwägt, findet man für jede Gegend periodisch wiederkehrende Mittel- 
werthe, welche wenig ändern. Mit Hülfe. dieser‘ Mittelwerthe kann man die 
Wahrscheinlichkeit berechnen, welche man bei einem gegebenen Abstand hat, 
ein Feuer zu sehen zu bekommen oder mit anderen Worten, wie viele im Mittel 
von denjenigen das Feuer ausmachen, welche es bei diesem Abstande zu einer 
gewissen Zeit passiren werden. Bei den schwedischen Feuern sind regelmäfsige 
Beobachtungen der benachbarten Feuer seit 1871 angestellt worden. 
Seit 1886 wurde nach französischem Vorthun das dahin verändert, dafs unter den 
bisherigen Aufzeichnungen in den Feuerjournalen noch vermerkt werden mufste, 
ob und welche Feuer vom inneren Laternenraum während der ganzen Wache 
sichtbar waren und. welche nur zeitweise sichtbar blieben. Diese Beobachtungen 
wurden alsdann zu gleicher Zeit auch in der freien Luft von der Galerie des 
Thurmes um 9 Uhr abends, um Mitternacht und um 3 Uhr morgens angestellt. 
Die Aufzeichnungen wurden in besondere Formulare eingetragen, auf welchen 
namentlich für jede Nacht anzugeben war, ob ein benachbartes Feuer zu .den 
vorgeschriebenen Zeiten gesehen worden ist oder nicht. 
Alle diese Aufzeichnungen für die Zeit von 1886 bis. 1893 sind eingegangen 
und daraus Mittelwerthe für- Februar bis April, Mai bis Juli, August bis Oktober, 
November bis Januar und für das ganze Jahr berechnet worden. .. 
Diese Mittelwerthe zeigen an, wie viele Male bei der ganzen Anzahl der 
Beobachtungen oder wie oft bei einem Theil der Beobachtungszeiten die Luft so 
klar war, dafs das beobachtete Feuer am Beobachtungsort gesehen werden konnte 
oder mit anderen Worten, die Sichtbarkeit ist ebenso grofs gewesen. oder größer
	        
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