van Bebber: Bemerkenswerthe Stürme. IX.
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den Befestigungsarbeiten bei Olhörn gemachten Aufschüttungen und Bestickungen
gingen theils verloren oder wurden beschädigt. Der Deich an der Wyker Strand-
promenade stand vor dem Deichbruch, wurde aber durch hineingelegte Sandsäcke
erhalten. Die Rishamlücke: auf Amrum, die durch Vernachlässigung der Dünen
zur: Dänenzeit entstanden ist, gewährte dem Wasser Einlafs. Hier wie auf Sylt
führte die Fluth große Massen Dünensand in die Tiefe. Jedenfalls aber zeigt
diese Fluth aufs Neue, daß eine Vermehrung und Verstärkung der. Schutzwerke
im Bereiche der Inseln und Halligen ein nothwendiges Werk ist, das keinen
Aufschub leidet. ; .
Hamburg, den 7. Dezember, Trostlos sieht es augenblicklich am Hafen
aus, da fast alle Kellerräumlichkeiten unter Wasser stehen. Während viele
Inhaber dieser Kellerlokale, gröfstentheils kleine Geschäftsleute, sich daran gemacht
haben, das Wasser herauszuschöpfen oder herauszupumpen, haben Andere aus
Verzweiflung das bis an die Thürklinke voll Wasser gelaufene Lokal abgeschlossen
und sich so wie sie von dem Ereignifs überrascht wurden, entfernt. In den
letzten 24 Stunden haben sich fast alle Elemente vereinigt, um, wie es scheint,
für Hamburgs Bevölkerung ein schauriges Koncert zu veranstalten. So haben in
dieser kurzen Zeit Donner, Blitz, Regen, Schnee und Sonnenschein gewetteifert,
um sich mit dem heulenden Sturm zu einem schaurigen Tumult zu verbinden.
Auch in Altona hat das Unwetter grofsen Schaden angerichtet. Nachdem
sich im Laufe des gestrigen: Abends der am Tage recht heftig tobende SW
gelegt hatte, begann der Sturm - mit Beginn der Mitternacht wieder stärker zu
werden. Gegen 4 Uhr brach ein von Regen-, Schnee- und Hagelböen begleitetes
Gewitter los, und mit großer Schnelligkeit stieg der Elbstrom. Es währte nicht
lange, so trat das Wasser in der Gegend vom Fischerplatz bis zur St. Pauli-Grenze
über das Ufer; es überfluthete die Elbstraßse bis zu den Eisenbahnschienen.
“ Die Folgen des Hochwassers und Sturmes lassen sich erst jetzt, nachdem der
Sturm nachgelassen und der Wasserstand der Elbe wieder ein normaler geworden ist,
recht übersehen. Verschiedene mit Kohlen beladenen Schuten, welche im Altonaer
Hafen lagen, sind durch die Gewalt des Sturmes vollgeschlagen und unter-
gegangen. Während in der Stadt an den Uferwerken und Befestigungen nur ein
geringer Schaden angerichtet worden ist, bilden die Ufer weiter elbabwärts und
zwar schon bei den Vororten Altonas ein trostloses Bild. Meterhoch ist dort
Reith, Tang etc. angehäuft, das durch die Wellen dort angeschwemmt ist. Stellen-
weise -haben sich fußtiefe Löcher im Erdreich gebildet. Die Wege am Strande
entlang sind vorläufig nicht zu passiren. In Uetersen hat das Hochwasser grofse
Verwüstungen angerichtet, indem die Pinnau Alles überfluthete. Auch Lockstedt
ist sehr hart betroffen worden, dort hat die Stör vielen Schaden angerichtet.
In Elmshorn sind die fast fertigen städtischen Kanalisationsarbeiten von dem
eingedrungenen Wasser theilweise zerstört worden. Auch aus anderen Städten
unserer Provinz liegen Nachrichten vor, nach welchen dort grofse Verheerungen
angerichtet sind. Sehr hart sind auch. die Städte Glückstadt und Rendsburg
betroffen, .
Marne, den 9. Dezember. Das schreckliche Unwetter hat hier bis in die
Nacht von Sonnabend auf Sonntag angehalten. Der Sturm trieb das Wasser bis
hoch an die Seedeiche, so dafs die Wogen den Kamm bespritzten. Sämmtliche
Sommerköge wurden überfluthet. Der Deich‘ des Kleindieksanderkoogs wurde
stark beschädigt; auch der Seedeich im Friedrichskoog hat an einigen Stellen
Beschädigungen davongetragen. Am Wasserdeiche wurde ein Baum vom Blitz-
strahl zerschmettert, die Krone vom Sturm über das Dach des Hauses geschleudert,
sämmtliche -Fensterscheiben zertrümmert und Fensterkreuze eingedrückt. Auch
in dem Moritzschen Gewese sind Fenster zertrümmert; von der Erschütterung
schwankten die Mobilien; -die Thüren im Wohnhause und in der Scheune sprangen
auf. Ein heftiger Blitzstrahl fuhr bei Rösthusen in den Fufssteig und rifs ihn
auf; In Kattrepel wurde unweit des Schulhauses ein‘ Baum getroffen. Die
niedrig belegenen Ländereien stehen unter‘ Wasser. Beim Kleindieksanderkoog
ist das Wrack eines Schiffes mit Holz angetrieben und auf der Süderpiepe ein
grofses Schiff festgerathen.
— Flensburg, den 7. Dezember. Seit vorgestern herrscht hier ein orkan-
artiger Sturm, der in der letzten Nacht die gröfste Stärke erreichte; grofse Ver-
heerungen sind angerichtet. Aus allen Gegenden der Provinz laufen Hiobsposten