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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1896. 
NW und Nord, segelt am Vormittage des 18. Mai durch die Strafse Le Maire; 
starker Ebbestrom, der auf der Höhe von Kap Good Success im Zusammentreffen 
mit einer hohen südlichen Dünung eine sehr unruhige See aufwirft. Kap Horn 
in Sicht am 21. Mai. Westlich vom Kap herrscht erst ziemlich günstige Gelegen- 
heit mit Südwest- bis Südwind, vom 25. Mai an aber treten mehrere heftige 
Stürme aus Nord und NW auf, wodurch das Weiterkommen sehr erschwert wird, 
zumal die Bark, da ein Uebergehen der Ladung zu befürchten ist, ihre Segel- 
fähigkeit nicht zum Vollen ausnutzen kann. Sie überschreitet 55° S-Br in 
34° W-Lg am 26. Mai und 50° S-Br in 81,5 W-Lg am 2. Juni um 4*p. Dauer 
der Umsegelung 19 Tage und 17 Stunden. 
Bark „Potrimpos“, Kapt. O0. Schmidt, kreuzt 50° S-Br in 646° W-Lg 
ebenfalls am 13. Mai um 10" a, kommt von ihrer westlicheren Stellung aus schon 
am 16. Mai auf die Höhe von Kap St. John, gebraucht jetzt bis zur Länge von 
Kap Horn aber eine so viel längere Zeit, dafs sie dieselbe in 57° S-Br erst 
einen Tag nach ihrem Mitsegler, am 22. Mai, passirt. Hier bringt sie ihre etwas 
südlichere Stellung aber wieder in Vortheil, indem sie bei den südlichen und süd- 
westlichen Winden nicht so nahe am Winde zu halten braucht, und die Folge 
ist, dafs sie schon 3'% Tage vor „Banco Mobiliario“ nach 50° S-Br gelangt. 
„Potrimpos“ überschreitet 55° S-Br in 81° W-Lg am 24. Mai, 50° S-Br in 
33,9° W-Lg am 29, Mai um 1®°p und macht die Rundfahrt in 16 Tagen und 
3 Stunden. 
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Die hier aufgeführten Beispiele zeigen, dafs in den allermeisten Fällen das 
Schiff, welches den Weg durch die Strafse nimmt, gegen seine östlich von 
Staaten-Land passirenden Mitsegler im Vortheil ist. Die 32 Fälle von Ver- 
zleichungen gleichzeitiger Fahrten auf verschiedener Route, welche sich anstellen 
lassen, ergeben, dafs die durch die Strafßse gehenden Schiffe auf der Fahrt von 
50° S-Br nach 50° S-Br gegen ihre Mitsegler in sieben Fällen zusammen 21 Tage 
and 23 Stunden verloren, dagegen in 25 Fällen zusammen 108 Tage und 10 Stunden 
gewannen. Wird der Verlust von dem Gewinn abgezogen, so bleibt für die 
32 Fälle ein Restgewinn von zusammen 86 Tagen und 11 Stunden, was also für 
die Route durch die Straße einen Durchschnittsgewinn von 2 Tagen und 
17 Stunden giebt. 
Der Vortheil, den die Strafse Le Maire bei der Umsegelung von Kap 
Horn von Ost nach West bietet, ist demnach so grofs, dafs er nicht vernach- 
Jässigt werden darf, und ein Schiffsführer sollte deshalb jede sich darbietende 
günstige Gelegenheit wahrnehmen, um sich dieses Vortheils zu versichern. Am 
Ausgange der Strafse steht er den herrschenden westlichen Winden gegenüber 
von vornherein ungefähr 60 Sm weiter luvwärts, als wenn er um Kap St. John 
herum geht. Dann ist es auch in den meisten Fällen leichter, von dort aus bis 
zur Länge von Kap Horn zu gelangen, als dieselbe Anzahl Längengrade weiter 
östlich gut zu machen, weil man hier mehr der am Kap vorübersetzenden 
Gegenströmung ausgesetzt ist. So kann es denn leicht kommen, dafs das Schiff, 
welches durch die Strafßse gegangen ist, mit einsetzendem südwestlichen Winde 
seine Rundfahrt vollenden kann, während das rund Staaten-Land kommende noch 
nicht weit genug vorgeschritten ist, um diese Gelegenheit benutzen zu können, 
and erst nach dem zweiten oder dritten Umlaufen des Windes nach Norden gelangt. 
Bemerkenswerthe Stürme. IX. 
Von Prof. Dr. W. J. VAN BEBBER. 
Sturm vom 4. bis zum 7. Dezember 1895. . 
Eine der hervorragendsten Witterungserscheinungen im Jahre 1895 ist der 
Sturm vom 4. bis zum 7. Dezember 1895. Vor Allem ausgezeichnet ist derselbe 
durch seine grofse Heftigkeit, durch seine lange Dauer und aufserordentlich 
grofse Ausbreitung und durch seine argen Verwüstungen zu Wasser und zu Lande, 
namentlich im südlichen Nordseegebiete, wo vielfache Schiffsunfälle sich ereigneten
	        
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