102 Annalen der Hydrographie nnd :Maritimer Meteorologie, März 1896.
gleich ganz durch die Stralse kommen, während man, gegen die Fluth einsegelnd,
durch den starken Strom vielleicht-2. bis 3 Stunden an dieser gefährlichen Stelle
festgehalten und möglicherweise bei eintretender Windstille dem Riff in der Nähe
des Kaps zugetrieben wird. Meistens kommt- man: nach dem Eingang der Strafse
mit nördlichem oder westlichem Winde, Weht es aus diesen Richtungen stürmisch,
dann muß "zur Zeit des nördlichen Stromes, da letzterer der Wellenbewegung ‚ent-
gegensetzt ist, die See an jener Stelle besonders hoch und steil sein. Zur Bestim-
mung des richtigen Zeitpunkts giebt indessen, wie ich gefunden habe, die Be-
rechnung der Hochwasserzeit auf Grund der Angaben in den Karten nur einen’
geringen Anhalt. Man sollte daher, sobald man dem Lande‘ nahe genug . ge:
kommen ist, um den Schiffsort nach Peilungen genau bestimmen zu können, den,
Zustand der Gezeit nach eigenen Beobachtungen festzustellen suchen. Bekanntlich:
setzt der Fluthstrom durch ‘die Straße nach Norden und zugleich um Kap
St. John herum längs der Nordküste von Staaten-Land, wie auch längs der
Nordküste von Feuerländ nach Westen. Der Ebbestrom läuft entgegengesetzt,
in der Strafse südlich und an der Nordküste von Feuerland und Staaten-Land:
nach Osten. Die beste Zeit zum Ansegeln ist nun, wenn man findet, dafs der:
Strom nördlich von der Strafse nach Westen setzt. Man kann dann seine Fahrt
so einrichten, dafs man gegen die Zeit, wenn der Strom nach Osten bezw. Süderm
kentert, eine passende Stellung erhalten hat. Segelt man dagegen mit Oststrom
auf die Strafe zu, so ist höchst wahrscheinlich, dafs man von der günstigen
Strömung nicht ganz hindurchgeführt werden wird.“
Derselbe Kapitän bemerkt nach einer Reise von Montevideo nach Coronel,
auf welcher er die Strafse Le Maire wieder am 4. Juni 1871 passirte: 0
„Um Wiederholungen aus meinen früheren Reiseberichten zu vermeiden,
will ich bezüglich der Durchsegelung der Straße nur noch bemerken, dafs die-
selbe bei günstigem Winde und sichtigem Wetter zu jeder Zeit mit Sicherheit;
ausgeführt werden kann. Wesentliche Hülfe ist günstiger Strom, hier die Ebbe, :
welche nach meinen oft wiederholten Beobachtungen zur Zeit des Voll- und:
Neumondes- im Mittel um 7 Uhr (etwa 3 Stunden nach Hochwasser am Lande)
ihren: Anfang nimmt’). Der Strom erreicht in der Mitte der Strafse eine Ge-
schwindigkeit' von 2 bis 4 Sm :in der Stunde, ist aber in. der Nähe, des Landes;
besonders nördlich von Kap San Diego reißsender. Hier-habe ich iin‘ zü 3 bis‘
7 Sm’ gefunden.?) Der Ebbestrom scheint von kürzerer Dauer als der Fluthstrom:
zu sein, was jedenfalls von der Kap Horn-Strömung herrührt, die in’ der Richtung.
der Fluth setzt. | Eine zu grofse Annäherung an Kap San Diego mufß man ver-‘
meiden und ist, wenn der Wind es erlaubt, die Mitte der Straße zu ‘halter.?)
Bei‘ dickem und regnerischem Wetter sollte man die Strafse nicht “‘ansegeln,
sondern beilegen und bessere Gelegenheit abwarten. Hat man indessen bei Tage
schon Land gesehen und die Strömung beobachtet, so ist bei- sichtigem: Wetter“
und mit günstigem Winde die Durchsegelung auch zur Nachtzeit wohl möglich,
besonders wenn man den Eingang zur Strafse mit eintretender Ebbe erreicht;
Bei der Fluth. müfßste es schon so sichtig sein, dafs man zuverlässige Kreuz-
peilungen erhalten kann. Ob die Passage auch bei Gegenwind ausführbar ist,
wage ich nicht zu entscheiden. Jedenfalls müfste man sich dann entschliefsen,
eine Fluthzeit über in Good Success-Bai zu ankern.“
Zu der hier gegebenen Anweisung, zur Einsegelung in die Strafse den
Eintritt der Ebbe abzuwarten, macht Kapt.. K. Brünings vom Schiffe „C. H.
Wätjen“ in einem der Direktion der Seewarte kürzlich zugegangenen Schreiben
folgende Bemerkung.
„Wenn junge Kapitäne, die vorher noch nicht in der Gegend von Kap
Horn’ waren, jene Stelle in den im Uebrigen gewifs sehr‘ richtigen Anweisungen
. 1) Nach der Angabe von Kapt. Fitz Roy ist es in der Strafse Le Maire bei Neumond um‘
4 Uhr Hochwasser, aber der Fluthstrom läuft noch, ungefähr 2 Stunden länger, bis 6 Uhr. Damit.
stimmt die Angabe von Kapt. Niejahr sehr gut überein. 2 ©
2) Kapt. Hilgendorf von der Bark „Parsifal“ beobachtete am 11.Juni 1885 (Neumond)
nordöstlich von Kap San Diego nach genauen Peilungen den entgegensetzenden Fluthstrom von.
12h mittags bis 1 p zu 6, von 1b bis 2l p zu 5, von 2b bis 3h p zu 4 und von 3b bis 4 p zu 3 Sm;
(S. Annalen 1886, S. 181.) Kapt. Rieke von der Bark „Maria“ hatte am 7. Oktober 1881 7 Sm.
NO von dem genannten Kap ebenfalls eine Versetzung durch ‘den Fluthstrom von 14 Sm. im
3 Stunden, We a aan
3) Dasselbe empfehlen Hilgendorf und andere erfahrene Kapitäne. )