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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1896. 
sollen besonders im Winter, in den Monaten Juni, Juli, August und September, 
häufig aufıreten, und ist dann eine gute Achtervertänuung sehr nothwendig. Auf 
die Bugketten kommt keine Kraft, da der an der Küste entstehende Rückschlag 
der See dieser entgegenwirkt. Der Ankergrund hält trotz seiner felsigen Be- 
schaffenheit sehr gut, 
V’ie Strömung setzt gewöhnlich nach Norden, doch mitunter bei anhaltenden 
leichten Winden auch südwärts. Wegen der nördlichen Strömung und der ge- 
wöhnlich nur geringen Windstärke, ist es nicht rathsam, noch spät am Nach- 
mittage Anker auf zu gehen. Das englische Schiff „Thomas S Stove“ ging 
nachmittags 4 Uhr mit leichter Briese unter Segel; abends wurde es wie gewöhnlich 
still, und am nächsten Morgen befand sich das Schiff so dicht an dem Riff bei 
der Chomache-Spitze, dafs es ankern mußte an einer Stelle, von der es ohne 
Dampferhülfe schwerlich wieder fortkommen konnte. Glücklicherweise hatte der 
Agent, Kapt. Chase, eine kleine Dampfbarkasse zur Hand, mit welcher die 
wöchentliche Verbindung mit Iquique auferhalten wird, und die er dem Schiffe, 
3obald er es in seiner gefährlichen Lage wahrnahm, zu Hülfe schickte, und da 
es zu weiterem Glücke windstill blieb, war das kleine Ding im Stande, das 
Schiff frei zu schleppen. 
Außer der wöchentlichen Verbindung mit Iquique durch diese Dampf- 
barkasse hat Huanillos alle 14 Tage aus Valparaiso und dem Süden den Besuch 
gines Küstendampfers, von dem man Kartoffeln und Gemüse kaufen kann, aber 
natürlich nur zu sehr hohen Preisen. Für den Sack Kartoffeln mulste ich z. B. 
3 bis 10 Doll. zahlen. Fleisch ist täglich am Markte, aber obwohl die Schiffe 4 bis 
5 Cents mehr bezahlen wie die Leute am Lande (40 Cents das Pfund,) erhalten 
sie doch immer die schlechtesten Stücke. Wasser giebt es nur kondensirtes, zum 
Preise von 8 Cents die Gallone, d.h. die sogenannte spanische. An Proviant 
kann man, ausgenommen Salztleisch, Speck und Hartbrod, in Huanillos so ziemlich 
Alles bekommen und zu ungefähr denselben Preisen wie in Iquique. Der ganze Ort 
besteht ja, aufser aus Arbeiterwohnungen, nur aus Kaufläden, aber freilich werden 
in den meisten nur Getränke verkauft, von denen besonders an Sonn- und Feier- 
tagen unglaubliche Mengen vertilgt werden. 
Beim Aunsegeln kommt ein Fischer an Bord, der einem den Ankerplatz 
zeigt. Für diesen Dienst erhält derselbe 60 Pesos. Aufserdem machten alle 
anwesenden Schiffsführer mit ihm den Kontrakt, dafs er uns für weitere 60 Pesos 
an jedem Morgen das Fleisch holen und das nöthige Frischwasser in seinem 
Booze längsseit bringen sollte. Das Landen in der Bucht von Huanillos ist 
gewöhnlich nicht schwierig, während der ganzen Zeit unseres dortigen Aufenthalts 
war es nur an einem Tage gefährlich. Öbwohl man, von Süden kommend, den 
Ort nicht sehen kann, ist es doch nicht schwierig, den Ankerplatz auszumachen, 
Der sogenannte Fluß Loa und das niedrige Land von Cbhipana-Bai sind nicht zu 
verkennen, wenn man der Küste auf 7 bis 8 Sm nahe ist. Nachdem man quer 
von Chipana-Spitze gekommen, stenert man direkt auf einen grofsen weilsen 
Flecken an der Küste. Dieser Flecken ist der vom Guano blofßgelegte Felsen; 
am Fufse des letzteren ist das Guano-Lager, Kommt man nun auf 3 bis 4 Sm 
hinan, so sieht man am nördlichen Eingange nach Cbhipana-Bai noch einen kleinen, 
spitzen, 15 bis 24 m hohen Felsen am Ufer. Dieses ist Punta Blanca und unge- 
ähr 2 Sm südlich vom Ankerplatz, doch sieht man dann auch schon die beiden 
Brücken, von denen der Guano verschifft wird. Sind keine Schiffe da, so ankert 
man zwischen den beiden Brücken und zwei bis drei Schiffslängen aufserhalb der‘ 
Linie der für die Leichter bestimmten rothen Festmachetonnen, das heißst man 
mufs zwei bis drei Schiffslängen außerhalb dieser Linie bleiben, nachdem das 
Schiff herumgeschwojt ist und 75 Faden Kette ausgesteckt sind. 
Eine Thatsache, die mir während unseres langen Aufenthaltes in Huanillos 
sehr aufgefallen, ist die, daß die See an den beiden Stellen, wo die Brücken 
errichtet worden und welche Stellen natürlich die am weitesten vorspringenden 
Klippen sind, viel seltener bricht, wie auf beiden Seiten davon. Auf beiden 
Stellen fällt aber das Ufer bis auf 4 bis 5 Faden Tiefe lothrecht ab. Ueberall, 
Fo die Küste weniger steil abfällt, steht mehr Brandung. 
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