Annalen der‘ Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1896.
17. (Nordsee), 18., 20., 21. (Nordsee), 26., 28. (Nordsee), 29., sowie an der Nordsee
am 30. und 31.
Gewitter wurden im Januar nicht beobachtet.
Stürmische Winde wehten zufolge den Beobachtungen an den Signalstellen
und Normal-Beobachtungsstationen aus Nord—NE, Stärke 8 bis 9, am 8. an der
Ostsee und am 9. an der mittleren und östlichen Ostsee, am 15. an der Nordsee
aus West—SW, Stärke 8 bis 9, und an der Ostsee westlich der Oder aus SW-—
SSE, Stärke 8, am 16. und 17, an der mittleren und östlichen Ostsee aus West—
NW, Stärke 8 bis 9, und am 30. und 31. an der Ostsee aus West—NW, Stärke
8 bis 9. *
Von den Winden überwogen durch ihre Häufigkeit diejenigen aus SW —
NW, meist mehrere in nahezu gleichem Grade, während die Winde aus NNE-—
SSE durchweg selten auftraten.
Nachdem sich am 1. Januar ein Hochdruckgebiet von der Nordsee nach
Südosteuropa verlagert hatte, breitete sich eine nachfolgende Depression über
der Nordwesthälfte Kuropas aus. Doch schon am 3. drang der hohe Druck wieder
nordwestwärts vor; am 4, bis 6. lag der Kern eines ganz Centraleuropa bedeckenden
Hochdruckgebietes meist über der Nordsee, verlagerte sich aber unter der Ein-
wirkung einer über dem Westen Russlands ausgebreiteten Depression westwärts
über die Britischen Inseln hinaus, wo der Druck am 7. bis 11. hohe Werthe
erreichte und zumal am 8. und 9. 790 mm überschritt. An diesem Tage wanderte
ein Theilminimum vom Riga’schen Busen südwärts durch Polen, so dafs in der
Nordsee durch Wechselwirkung mit dem Maximum stürmische Winde hervor-
gerufen wurden.
Am 12. breitete ein im hohen Norden erschienenes tiefes Minimum sein
Depressionsgebiet über Centraleuropa aus, so dafs am 13. die häufige Druck-
vertheilung bestand: Rücken hohen Druckes, ungefähr West— Ost über die Mitte
von Centraleuropa gestreckt und Maxima im Südwesten und Osten Europas ver-
bindend, Depressionen über dem Mittelmeer und auf seiner Nordseite.
Am 14. schritt ein Theilminimum, an Tiefe ahnehmend, nordwestlich von
Schottland her durch die südliche Nordsee nach Süddeutschland und am 15. bis
17. wanderte ein nördlich von Schottland erschienenes tiefes Minimum unter
7130 mm ungefähr ostwärts über die mittlere Osisee nach Russland, von Stürmen
an unserer Küste begleitet. Ein am Morgen des 17. nördlich von Schottland
gelegenes Minimum, dessen Erscheinen starkes Steigen des Luftdruckes über Süd-
westeuropa vorhergegangen war, fand das eben erwähnte Minimum über der
mittleren Ostsee, nahezu die Nordosthälfte Europas beherrschend, vor und schritt,
wie bei dieser Wetterlage häufig, nordostwärts und an Tiefe zunehmend fort; es
gewann jedoch keinen Einflufs auf die Küste, die vielmehr vom 18. bis 25. einem
Gebiete hohen Luftdruckes über dem kontinentalen Europa angehörte, ausgenommen
am 22. und 23., an welchen Tagen ein Nordskandinavien und die mittlere Ostsee
südostwärts durchquerendes tiefes Theilminimum vorübergehende Herrschaft
ausübte.
Am 25. bis 27, wanderte von NW her ein rasch an Intensität und Umfang
zunehmendes Maximum über Skandinavien südostwärts nach Russland, gefolgt von
einer Depression, die sich alsbald über Nordwesteuropa ausbreitete. Es entwickelte
sich dann am 28. und 29. durch Verlagerung des Depressionsgebietes nach Nord-
asteuropa und Ausbreitung hohen Druckes über Südwesteuropa eine Wetterlage,
welche sich noch lange Zeit im Februar erhalten sollte und zunächst am 30. und
31. stürmische Winde in der Ostsee herbeiführte.
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